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Mit dem Kremser durch den Krämerwald

Zu Hause in Schönwalde-Glien Mit dem Kremser durch den Krämerwald

Idylle pur auf geschichtsträchtigen Wegen können Gäste auf einem Kremser erleben, wenn sie sich durch den Krämerwald fahren lassen. Detlef Bahnemann aus Pausin bietet solche Ausflüge an.

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Ein Haltepunkt für Detlef Bahnemann ist der alte Ziegenkrug im Krämerwald.

Quelle: Jens Wegener

Pausin. Jonas und Gustav traben gemütlich vor sich hin. Der relativ feste Untergrund auf dem Waldweg macht es den beiden neunjährigen Pferden leicht, den Kremser zu ziehen. Kutscher Detlef Bahnemann muss trotzdem ständig aufpassen, weil immer mal wieder ein Ast in der Fahrbahn liegt. Dann stoppt er, sein Bruder Wilfried, der ihn begleitet, räumt das Holz zur Seite. „Er muss auch ran, wenn die Pferde im Dorf äppeln, hier im Wald ist das nicht von belang“, sagt Detlef Bahnemann.

Der 61-Jährige kann sich ein Leben ohne Pferde nicht mehr vorstellen. Nicht nur, weil er und seine Familie von dem Reiterhof und von der Pferdezucht leben. Auch weil er mit diesen Tieren schon als kleiner Junge mit zarten Alter von fünf Jahren zu tun hatte. Der Vater hatte Pferde, später ist Detlef sogar Turnier geritten. Heute beschränkt er sich darauf, Einheimische und Touristen durch den Krämerwald oder durch die nähere Umgebung zu kutschieren. „Ich mache auch Hochzeitsfahrten und andere Ausflüge zum Beispiel zu Himmelfahrt.“ Dann wird der Kremser nur anders geschmückt. Wobei die Buchungen am Vatertag immer weniger werden. „Weil die Männer lieber in Familie feiern“, sagt Detlef Bahnemann.

Derweil sind seine beiden Pferde Gustav und Jonas, die bei ihm auf dem Hof geboren wurden, samt Kremser auf der alten Poststraße eingebogen. Früher, im 17. und 18. Jahrhundert, wurde auf diesem Weg die Post von Berlin nach Hamburg gebracht. Deshalb ist Bahnemann froh, dass ein originaler Postmeilenstein, der jahrelang vor dem Falkenseer Rathaus stand, inzwischen wieder an seinen ursprünglichen Platz im Krämerwald zurückgekehrt ist. „Ich mache hier an dem Stein kurz Rast, damit sich die Gäste den Stein ansehen und dazu etwas lesen können“, erzählt der Pausiner. Ein weiterer Rastpunkt ist der ehemalige Ziegenkrug (Gaststätte und Jugendherberge). Von den Gebäuden ist nichts mehr zu sehen. Aber an einer Tafel können sich Ausflügler informieren. Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein, auch für Pferde ein Ruhepunkt.

Etwa 1000 Pferde gibt es in der Gemeinde Schönwalde-Glien, die Zahl der Reiterhöfe weiß keiner so genau. Allein in Pausin sind es fünf, in Schönwalde-Dorf sogar elf. Deshalb gibt es um die Pferde und speziell deren Hinterlassenschaften immer wieder Ärger. Das geht soweit, dass die Gemeinde über eine Pferdesteuer nachdenkt. „Wir wollen diese Steuer ja nicht, um Geld zu verdienen oder jemanden zu schaden“, sagt Bürgermeister Bodo Oehme (CDU). „Aber es müssen sich die Reiter und Pferdehofbesitzer auch an Regeln halten.“ „Das wollen wir tun“, sagt Detlef Bahnemann und hofft, dass der nächste runde Tisch mit allen Beteiligten zu konkreten Ergebnissen kommt, denn eine Pferdesteuer würde für ihn existenzbedrohend sein. „Ich kann verstehen, dass Pferdeäppel auf dem Bürgersteig oder vor der Kita nicht schön sind. Deshalb appelliere ich an die Reiter, die bei mit ihr Pferd stehen haben, sofort die Äppel wegzuräumen.“ Er sagt aber auch, dass das nicht alle Reiter machen. Helfen könnten die von der Gemeinde Schönwalde-Glien aufgestellten Gebote für Reiter und Pferdehalter. „Es sind keine rechtsverbindlichen Dinge, aber freiwillige Vorgaben, an die man sich halten soll“, sagt der Bürgermeister und zählt auf: Bestimmte Wege sollen die Reiter meiden, damit der Boden nicht aufgewühlt wird. Sie sollen nicht zu viert nebeneinander reiten, sondern möglichst hintereinander. Die Pferdeäppel sollen in öffentlichen Bereichen zügig weggeräumt werden. Einen Termin für den runden Tisch gibt es noch nicht. Aber Detlef Bahnemanns Sohn David ist als Chef des Pferdezuchtvereins Havelland mit dabei.

Vom Ziegenkrug geht es zurück in Richtung Pausin. Links und rechts des Waldweges liegen immer wieder große Holzstapel. Mal Eichen, mal Kiefern. „Die lagern hier, bis sie trocken genug sind. Dann werden sie abgefahren“, erzählt der Kutscher. Kaum ausgesprochen taucht ein Holzlaster im Waldweg auf. Detlef Bahnemann lenkt den Kremser geschickt dran vorbei, ohne dass die Pferde scheuen. „Am schlimmsten für die Tiere sind die Radfahrer, die im Wald plötzlich von hinten kommen und am Wagen vorbeifahren. Wenn sie ihre Klingel benutzen würden, könnte man sich darauf einstellen“, so Bahnemann. Er hat an seinem vom Tüv geprüften Kremser neben Blinkern und Rücklicht auch zwei große Seitenspiegel, „aber im Wald rechnet man nicht mit rasenden Radlern. Nach zwei Stunden ist die Rundfahrt durch den Krämerwald zu Ende. Aber der Arbeitstag für Gustav, Jonas und Detlef Bahnemann noch nicht. Am Nachmittag hat sich eine Kindergruppe aus Berlin für eine Kremsertour angemeldet.

Von Jens Wegener

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