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Mit der Gaskanone gegen die Vögel

Landwirtschaft im Westhavelland Mit der Gaskanone gegen die Vögel

Mehr als 100.000 Vögel machen derzeit im Westhavelland Rast. Auch wenn sie von Naturschützern gern gesehen sind, auf den Feldern der Landwirte richten die Gänse und Kraniche großen Schaden an. Die Bauern wissen sich nur durch eine Methode zu helfen: Eine Gaskanone soll alle 30 Minuten die Vögel mit einem lauten Knall verscheuchen.

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Hunderte Gänse machen Rast im Westhavelland.

Quelle: Norbert Stein

Parey. Es macht wieder „Wumm....“ im Gebiet der Unteren Havelniederung und des Gülper Sees im Westhavelland. Landwirte haben handelsübliche Gaskanonen aufgestellt, mit denen sie Gänse von den Saatflächen vergrämen wollen. Mit einer Zeituhr zündet eine Gaskanone in regelmäßigen Zeitabstand von etwa 30 Minuten und löst einen Knall aus, der die Gänse vom Feld verscheucht. „Gaskanonen sind für uns derzeit die wirksamste Methode“, sagt Frieder März, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Gülpe. Gänseschäden gänzlich verhindern könne man damit aber nicht.

Vier bis fünf Gaskanonen hat die Agrargenossenschaft Gülpe derzeit bis in die Abendstunden im Einsatz. Ausreichend sind diese für 300 Hektar, auf denen die Gänse sonst ihre Mägen voll schlagen mit Wintersaaten würden. Flatterbänder oder alte Autokarosserien zur Ablenkung stellt die Agrargenossenschaft nicht mehr auf die Felder. Das wurde in weiten Teilen des Westhavellands eine Zeit lang praktiziert. „Daran haben sich die Gänse nach kurzer Zeit gewöhnt“, sagt März. Respekt hätten noch vor einer Schreckschusspistole.

100.000 Vögel machen Station

Der Gülper See ist für Gänse im Herbst und im Winter eine Art Hauptbahnhof. Mehr als 100.000 dieser gefiederten Gäste machen hier Zwischenstation. Derzeit sind es 40.000 Gänse und 7000 Kraniche, die sich für ihren Weiterflug in die Winterquartiere auf den Flächen der Landwirte stärken. Weitere Gänse werden noch hinzukommen. Wie viele es in diesem Herbst insgesamt werden, könne man nicht vorhersagen, erklärt Ilona Langgemach, Leiterin der Naturparkverwaltung Westhavelland. Derzeit finden die Gänse auch noch gut Futter auf abgeernteten Maisfeldern. Sind diese Felder bestellt, machen sich die Gänse in geballter Anzahl und mit vollem Appetit über die Wintersaaten her.

Dann wird auch Jens Schmücker, Landwirt in Spaatz, wieder Gaskanonen auf die Felder stellen. „Es geht nicht anders“, sagt er. Um Schaden abzuwenden hat sich Schmücker auch mit den heimischen Jägern verständigt. Sie sollen helfen, Gänse zu vergrämen und von Wintersaaten auf Grünflächen zu lenken. „Wir werden mit dem Problem leider wieder einmal alleine gelassen und müssen versuchen vor Ort eine Lösung hinzubekommen“, sagt Jens Schmücker nach einer Beratung beim Kreisbauernverband Havelland mit der Naturparkverwaltung und dem Kreisjagdverband Rathenow. Ziel es Gesprächs war es, eines in den 1990er Jahren erfolgreich praktizierten Gänsemanagements wiederzubeleben. Den Landwirten unterstützend zu helfen, hält der Vorsitzenden des Jagdverbandes Rathenow, Stefan Meyer, für richtig. Anders als bei Wildtieren müssen Jäger für den von Gänsen angerichteten Schaden auf Feldern aber nicht aufkommen, stellt Meyer klar.

Gänsemanagement wird nicht wieder eingeführt

Das Gänsemanagement im Havelland befinde sich in einem „Zuständigkeitsvakuum“, meint Johannes Funke, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. „Einerseits sind die Gänse gesellschaftlich erwünscht. Anderseits liegen die damit verbundenen Belastungen vollkommen einseitig bei den Landwirten“, sagt Funke. Wieder über Lösungen für ein gemeinsames Gänsemanagement zu beraten und zu suchen, ist für Ilona Langgemach der richtige Weg. „Aber wir stehen ganz am Anfang“, meint sie. Für praktikable Lösungen sei ein langer Atem notwendig. Für den Einsatz eines Feldmanagers, der Gänse vergrämt und Absprachen mit den Landwirten führt, fehle derzeit das nötige Geld, auch für die Zahlung von finanziellen Entschädigungen, um Ablenkflächen anzulegen, so die Naturparkleiterin. Der Kreisbauernverband erwartet, dass Naturparkverwaltung und Landesregierung mehr Verantwortung übernehmen zur Wiederbelebung eines Gänsemanagements. Große Gänsepopulationen können auch ein Risiko darstellen, meint Funke und nennt als Beispiele hohe Stickstoffeintragungen in Gewisser und Risken hinsichtlich einer Vogelgrippe.

Von Norbert Stein

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