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Havelland Mit viel Herzblut die Schulsozialarbeit gerettet
Lokales Havelland Mit viel Herzblut die Schulsozialarbeit gerettet
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19:50 10.06.2016
Marlies Bökemeier (l.) hat zum Geburtstag einen Kuchen gebacken, den sie den Mikado-Mitarbeiterinnen Uta Götze und Franziska Bedau (r.) überreichte. Mit Lilou-Amelia (4) besuchte auch Roland Dembiany das Spielefest in Nauen. Quelle: Andreas Kaatz
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Nauen

Wilma Schempp ging es kurz nach der Wende so wie vielen anderen Havelländern. Ihr Betrieb machte zu. Jahrelang hatte sie in der Quarzschmelze in Staaken gearbeitet, musste sich dann nach einer anderen Beschäftigung umsehen. „Als ich arbeitslos war, habe ich mich bei einem Projekt beworben und an der Lessingschule in Falkensee Koch- und Computerkurse gegeben“, sagt sie. Nebenbei machte sie eine Qualifizierung zur Freizeitpädagogin und Schulsozialarbeiterin – wie auch andere Frauen, die sich ebenfalls um die Freizeitgestaltung an Schulen in Nauen, Friesack und Ketzin/Havel kümmerten.

Doch dann lief die Förderung des Projektes, das zuletzt beim Jugendaufbauwerk (JAW) angesiedelt war, aus. Sollte es das gewesen sein? „Die Leute haben viel Herzblut reingesteckt, haben etwas aufgebaut“, sagt Uta Götze. Und so gründete sie gemeinsam mit Wilma Schempp und weiteren zehn Frauen sowie einem Mann den Verein Mikado, der dann neue Förderanträge stellen konnte und dabei zumindest teilweise Erfolg hatte. Das war am 10. Juni 1996. Mittlerweile ist Mikado 20 Jahre alt. Mit einem Spielefest wurde dieses Jubiläum am Freitag in Nauen auf dem Rathausplatz gefeiert.

„Es war schon ein Wahnsinn, es selber zu versuchen und in Eigenregie zu packen“, sagt die langjährige Vereins-Geschäftsführerin Uta Götze, die sich noch gut an die enttäuschten Gesichter der Kinder erinnern kann, als es anfangs hieß, die Förderung läuft aus. „Was, du kommst nicht mehr?“, bekamen sie häufig zu hören. Schulsozialarbeit sollte aber fortan weiterhin ein Schwerpunkt der Arbeit sein, doch dabei blieb es nicht. „1998 haben wir mit Straßensozialarbeit angefangen, den ersten Streetworker gab es in Falkensee“, sagt Wilma Schempp. Zur gleichen Zeit kam das Projekt Übergang Schule/Beruf hinzu. „Die Zahl der Lehrstellenabbrüche war hoch“, begründete Uta Götze das damalige Engagement in dieser Frage, das bis heute anhält. Und auch die Jugendclub-Arbeit ab 2000 gehört bis heute zu den Schwerpunkten der sozialen Arbeit.

Immer musste sich Mikado von einer Förderung zur nächsten hangeln. Einiges klappte, anderes nicht, wie etwa für ein Eltern-Kind Zentrum. Doch 2006 konnte das Mehrgenerationenhaus nach Nauen geholt werden, ins Haus der Begegnung. „Das haben wir richtig gefeiert. Es war für Nauen sehr wichtig, da hier doch sehr viele benachteiligte Familien leben“, sagt Uta Götze. Angesichts von Arbeitslosigkeit waren die Orientierungslosigkeit und damit der Beratungsbedarf besonders groß. „Wir haben uns in der ganzen Zeit aber niemals allein deshalb um Projekte beworben, weil es dort Geld gab, sondern weil ein Bedarf vorhanden war“, sagt sie. Auch der Kampf gegen Rechtsradikalismus stand immer im Mittelpunkt, nachdem der Verein 2002 das Haus der Begegnung übernommen hatte. Dieses war bis dahin in der Stadt als „braunes Haus“ verschrien. Regelmäßig organisiert Mikado das Toleranzfest mit. Dabei engagiert sich auch Anke Bienwald sehr.

Als dann die Stadt Nauen 2014 dem Verein gekündigt hatte, um im Haus der Begegnung ein Familien- und Generationenzentrum zu errichten, gab es bei Mikado lange Gesichter. „Das kam für uns überraschend, da wir eigentlich immer einen guten Draht zur Stadt hatten, um Dinge zu entwickeln“, sagt Uta Götze. Ein weiterer Rückschlag war, dass der Verein kürzlich die Schulsozialarbeit in Nauen abgeben musste, ebenso wie die Leitung des Jugendclubs dort. Die Folge: In seinem einstigen Hauptort Nauen ist Mikado heute nur noch ehrenamtlich tätig. Hauptamtlich liegt der Schwerpunkt in Falkensee und Ketzin/Havel.

„Die Stärke von Mikado ist die Anpassungsfähigkeit und Kreativität“, sagt Uta Götze. Und deshalb glaubt sie, dass Mikado auch künftig seinen Platz im Havelland haben wird – mit Unterstützung vieler Ehrenamtlicher und hauptamtlicher Mitarbeiter. Pläne gibt es jedenfalls genug. „Je mehr Leute mitmachen, umso bunter wird es.“

Von Andreas Kaatz

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