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Möglichst wenig neue Windräder

Windenergie in Wustermark und Ketzin Möglichst wenig neue Windräder

Im Regionalplan Havelland-Fläming 2020 sind die Windeignungsgebiete festgelegt. Während man in Ketzin diese Vorgaben akzeptiert, gehen die Wustermarker Planer davon aus, dass der Regionalplan wieder gekippt wird. Deshalb will Wustermark einen eigenen Plan aufstellen.

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Mehr als 100 Windanlagen gibt es auf der Nauener Platte.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Wustermark/Ketzin. Mehr als 100 Windkraftanlagen stehen auf der Nauener Platte. Von Wustermark über Ketzin/Havel, Bredow und Nauen bis Berge/Ribbeck zieht sich die Kette der weißen Riesen. Der Konflikt zwischen denen, die weitere und noch höhere Anlagen errichten und damit Geld verdienen wollen und denen, die die Windräder in der Nähe ihrer Grundstücke haben und tag täglich die rotierenden Blätter und deren Geräusche oder die rotblinkenden Leuchten auf den Anlagen ertragen müssen, ist längst nicht beendet. Im Gegenteil. So versuchen die Gemeinden Wustermark und Ketzin/Havel, die Anzahl neuer Anlagen möglichst gering zu halten, um ihre Bürger zu entlasten. Und das wollen sie auf unterschiedlichen Wegen erreichen.

Die Grundlage für alle Bestrebungen der Kommunen ist der von der Gemeinsamen Landesplanung Berlin-Brandenburg aufgestellte neue Landesentwicklungsplan. Daraus wiederum entwickelte die Regionale Planungsgemeinschaft Havelland-Fläming einen Regionalplan 2020, in dem die Windeignungsgebiete festgeschrieben sind. Dieser trat im Oktober vergangenen Jahres in Kraft.

In Wustermark entscheiden sich die Gemeindevertreter, einen eigenen Teilflächennutzungsplan „Windenergie“ aufzustellen und dafür einen mittleren fünfstelligen Betrag auszugeben. „Wir wollen so wenig neue Windräder wie möglich, wissen aber, dass wir nicht zu allem Nein sagen können“, sagt Buchow-Karpzows Ortsvorsteher Harald Schöne. Besonders in seinem Ortsteil, in Wernitz und in Hoppenrade stehen die meisten der derzeit 27 Windkraftanlagen im Gebiet von Wustermark. Aktuell laufen Antragsverfahren für die Errichtung von weiteren acht Windenergieanlagen in Wustermark (2), in Hoppenrade (2) sowie Buchow-Karpzow (4).

Die Gemeinde will dem Wildwuchs für den Fall einen Riegel vorschieben, sollte der Regionalplan aus rechtlichen Gründen wieder außer Kraft gesetzt werden. Denn: „Es liegen erste Gerichtsentscheidungen vor, die dafür sprechen, dass auch der neue Regionalplan Havelland-Fläming 2020 unwirksam sein dürfte... Die Entscheidungen sind aber noch nicht rechtskräftig“, heißt es in der Stellungnahme des Berliner Büros „Stadt, Land, Fluss“, das im Auftrag der Gemeinde Wustermark den Teilflächennutzungsplan „Windenergie“ erarbeitet. In dem jüngst im Wustermarker Bauausschuss vorgestellten ersten Entwurf hatte Planer Samir Hamzeh davon gesprochen, dass nach Beachtung aller Ausschlusskriterien und Abstandsflächen etwa 400 Hektar in der Gemarkung Wustermark für weitere Windräder ausgewiesen werden könnten, wenn es nach dem Windeignungsgebieten im Regionalplan Havelland-Fläming geht. Insgesamt sechs Potenzialflächen kommen in Frage“, so Hamzeh. Ob der vom Büro „Stadt, Land, Fluss“ erstellte Kriterienkatalog allerdings Bestand hat, wenn ein Windinvestor dagegen gerichtlich vorgehen sollte, konnte der Planer nicht sagen.

Ebenso trifft das auf die von den Wustermarker Gemeindevertretern gewünschte Höhenbegrenzung neuer Anlagen auf 150 Meter zu. Investoren wollen moderne und effiziente Anlagen errichten, und die sind heute 212 Meter hoch. „Es gibt Baupläne mit Höhenbegrenzung für Windräder und es gibt welche ohne. Ob sich solche Riesenanlagen verhindern lassen, muss im Zweifelsfall vor Gericht geklärt werden“, schätzt die für die Gemeinde Wustermark tätige Anwältin für Kommunalrecht Reni Maltschew ein. Bis zum Jahresende, so hoffen die Wustermarker, soll der Teilflächennutzungsplan „Windenergie“ fertig sein. Ob und wenn er genehmigt wird, steht in den Sternen.

Einen etwas anderen Weg hat man in Ketzin/Havel eingeschlagen. Stadtverwaltung, Stadtverordnete und das zuständige Planungsbüros IGF in Nauen gehen davon aus, dass der Regionalplan Havelland-Fläming 2020 erstmal gilt und damit auch die Grenzen der Windeignungsgebiet feststehen. „Deshalb passen wir alle vier betroffenen Bebauungspläne ’Etzin I, ’Etzin II’, ’Ketzin I’ und ’Ketzin II’ für Windenergie jetzt an die Vorgaben des Regionalplanes 2020 an“, hatte Bauamtsleiterin Sabine Pönisch im Ketziner Bauausschuss erklärt. Im Gegensatz zu Wustermark gibt die Stadt Ketzin aber für Planänderungen nicht einen Cent aus. Die Kosten übernehmen die Investoren, die neue Windräder aufstellen wollen. Selbst alle von der Kommune angestrebten Änderungen des Flächennutzungsplanes der Stadt Ketzin/Havel, also nicht nur die, die im Zusammenhang mit der Windenergie stehen, finanzieren die Investoren.

Im Gegenzug werden die Ketziner damit leben müssen, dass in absehbarer Zeit noch einige Windräder, die dann aber 212 Meter hoch sein werden, zu den bestehenden in Etzin, Falkenrehde und Tremmen hinzukommen. Dafür aber dürfen bestehende Windkraftanlagen, die jetzt nicht mehr im Eignungsgebiet stehen, nicht ersetzt werden. Die werden früher oder später zurückgebaut, weil sie keine Rendite mehr erbringen. Nur kann den genauen Zeitpunkt des Abbaus heute niemand voraussagen. Was wiederum nicht allen Ketziner Stadtverordneten, darunter der Etziner Eckehard Roß, gefällt.

Von Jens Wegener

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