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Mördersuche an geheimnisvollen Orten

Havelland Mördersuche an geheimnisvollen Orten

Von Beelitz bis Elstal: Tim Piepers Roman „Kalte Havel“ ist regional verankert und sehr spannend. Kommissar Sanftleben muss den Mord an einem jungen Mann aufklären, das führt ihn durchs Land. und in die Autonomenszene.

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An der Sacrower Heilandskirche geschieht ein Mord.

Quelle: Gragert

Elstal/Potsdam. Ein früher Mord in Sacrow, eine späte Aufklärung in Elstal und dazwischen jede Menge Spannung. Tim Pieper hat mit „Kalte Havel“ ein schönes Exemplar von Lokalkrimis vorgelegt.

Darin lässt der gebürtige Niedersachse Tim Pieper, der schon seit Längerem in der Nähe von Potsdam wohnt, wieder Hauptkommissar Toni Sanftleben agieren. Nach einigen historisch angelegten Berlin-Krimis hatte sich der Autor mit seinem Buch „Dunkel Havel“ in die Gegenwart begeben. Nun spinnt er die Geschichte in „Kalte Havel“ fort. Die führt ins Autonomenmilieu ebenso wie in das der Justiz, lässt den Leser durch schöne, aber auch verfallene Orte Brandenburgs streifen. Vor allem die morbiden Gebäude der Beelitzer Heilstätten und des Olympischen Dorfes in Elstal spielen eine wichtige Rolle in dem spannenden Verwirrspiel, in dem der Leser dem Kommissar bei der Arbeit über die Schulter schaut, gleichzeitig aber auch das Agieren des Mörders und Entführers verfolgen kann, ohne zu wissen, wer dieser Mann ist. Ein Wettlauf mit der Zeit, denn der Mörder hat nicht nur einen jungen Mann erschossen, sondern auch dessen Freund entführt.

Und Sex ist auch dabei

Zwischen schicken Wohnungen mit gestylten Leuten und heruntergekommenen Verstecken von jungen Aussteigern ermittelt Toni Sanftleben. Und ein bisschen Sex ist auch im Spiel. Frauen haben in dem Buch vorzugsweise „schlanke, gebräunte Schenkel“.

Tim Pieper gelingt es, den Leser in den Strudel der Ermittlungen zu ziehen. Er baut eine große Spannung auf, die er gelegentlich verwässert, wenn er es zu gut mit dem Lokalkolorit meint und zu viele Reiseführer-Fakten über Sehenswürdigkeiten wie etwa das Kloster Lehnin einstreut. Mit dem Attribut „idyllisch“ hätte der Autor etwas sparsamer umgehen können, schließlich hat er keinen Werbeprospekt für den Tourismusverband verfasst, sondern einen Kriminalroman. Denn der ist ihm durchaus gut gelungen. Er führt in eine Welt von jugendlichen Aussteigern, die ihr Revier gegen andere verteidigen: gegen „Bullenstaat“, gegen „Bonzenschweine“ und „Krawattenfaschisten“. Es ist eine Generation, die die Losung von 1970 „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ auf ihre Art lebt. Die Verteidigung „ihrer“ Ruinen von Beelitz gegen neue Investoren und Besitzer gehört dazu.

Unverständnis zwischen Vätern und Söhnen

„Stille Havel“ ist auch ein Buch über das Unverständnis, das zwischen Vätern und Söhnen liegen kann. Auch das durchaus lesenswert.

Und weil’s ein Roman ist und kein Sachbuch, ist auch der Elstaler Denkfehler des Autors nicht so erheblich. Der lässt nämlich seinen Ermittler dort eine Spur zu einer Olympiateilnehmerin von 1936 finden. Allerdings war in Elstal nur das Olympische Dorf für die Männer, die Frauen (und auch die deutschen Männer) waren dort nicht untergebracht.

Tim Pieper „Stille Havel“ erschien im Emons-Verlag, hat 252 Seiten und kostet 10,90 Euro.

Von Marlies Schnaibel

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