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Auf der Suche nach Blindgängern

Bau des neuen Pendlerparkplatzes am Bahnhof Nauen wird vorbereitet Auf der Suche nach Blindgängern

Noch in diesem Jahr soll der neue Pendlerparkplatz am Bahnhof Nauen gebaut werden. Zuvor jedoch muss eine Munitionsbergungsfirma das gesamte Gelände unter die Lupe nehmen. Denn am 20. April 1945 war das Areal um den Bahnhof das Ziel amerikanischer Bomber. Somit ist die Wahrscheinlichkeit groß, Bombenblindgänger zu finden.

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Der erste Bombentrichter wird untersucht. Noch wissen die Männer nicht, wie tief sie baggern müssen und was sie dabei finden.

Quelle: Andreas Kaatz

Nauen. Vorsichtig schabt der Bagger mit seiner Schaufel eine weitere dünne Bodenschicht ab. Dann dreht er sich um 90 Grad und lässt die Erde auf einen Sandberg herausrieseln – aufmerksam beobachtet von Holger Seidler von der Firma Röhll Munitionsbergung GmbH. Der leitende Feuerwerker vor Ort schaut genau, was der Bagger aus dem ehemaligen Bombentrichter zutage fördert. Doch außer Schrott aus den letzten Kriegstagen wie Teile von Gleisanlagen, aber auch die Augenringe einer Gasmaske oder Bombensplitter hat er an dieser Stelle noch nichts gefunden.

Das Unternehmen ist damit beauftragt, die Munitionssuche durchzuführen. Denn die Stadt will in dem Bereich noch in diesem Jahr einen weiteren Pendlerparkplatz errichten. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich dort Bombenblindgänger befinden könnten. Denn am 20. April 1945 gab es einen Bombenangriff mit rund 80 Toten. Zielgebiete waren der Bahnhof und die Flächen drumherum. Wie Lutz Raakow von der Stadtverwaltung sagt, hätten 82 amerikanische B 17-Bomber an diesem Tag insgesamt 202,5 Tonnen Bomben abgeworfen. „Deshalb haben wir hier einen extremen Kampfmittelverdacht“, sagt Lutz Raakow, der zudem auf einen weiteren Angriff im Mai 1944 verweist, bei dem Nauen aber nur Gelegenheitsziel gewesen sei. Und es wäre nicht die erste Bombe, die man in Bahnhofsnähe finden würde.

Erworben hat die Stadt am Bahnhof insgesamt 12 000 Qua-dratmeter ehemaliges Bahngelände, der größte Teil ist jedoch Vorratsfläche. Der Parkplatz wird lediglich auf 5000 Quadratmeter errichtet. „Und dort erfolgt jetzt auch nur die Munitionssuche“, so Raakow. Als erstes wurde der Boden mehr als einen halben Meter abgeschoben. Dabei fand man nicht nur verbogene Schienen oder Bremsklötze von Waggons, sondern auch Flak-Munition, die man 1945 offenbar versucht hatte zu verbrennen.

Die Luftbildauswertung ergab, dass es auf dem Areal auch zwölf Bombentrichter gibt. Diese wurden ab 1945 mit Erde verfüllt, aber nicht nur damit. Auch Schrott verschwand in den Kratern. Anderenorts wurden zudem Munition und Waffen oder ganze Flakgeschütze entsorgt, meint Raakow. Was man in Nauen finden wird, ist indes noch völlig offen. Holger Seidler hält es für nicht ausgeschlossen, dass angesichts von 19 Trichtern auf der Gesamtfläche auch ein oder zwei Blindgänger dort liegen könnten. Zumal nicht alles aus der Luftbildauswertung hervorgeht. Sollte man auf einen Blindgänger stoßen, würde „erst einmal ein Sperrradius eingerichtet und der Kampfmittelbeseitigungsdienst geholt“, so Seidler. Dessen Mitarbeiter haben zudem die Munitionssuche mit Hilfe der magnetischen Flächensondierung fortgesetzt. Mit einem speziellen Gerät schauten sie dabei praktisch in die Tiefe. Jeder Quadratmeter wurde erfasst. Die Ergebnisse können sie jedoch erst am Computer sehen. Wie Raakow zudem sagt, habe man nahe der Grundstücksgrenze zu den Häusern hin auch eine alte Pflasterstraße gefunden, von der niemand wusste.

Der Mitarbeiter des Nauener Tiefbauamtes rechnet damit, „dass wir im September mit dem Parkplatzbau beginnen können“. Entstehen sollen 216 zusätzliche Stellplätze. Denn derzeit mangelt im Bahnhofsbereich an Abstellflächen für Autos, die vorhandenen 162 reichen nicht aus. Selbst der Sandparkplatz am Bahndamm, den die Stadt von der Bahn AG gepachtet hat, ist häufig voll. Das Land und der Landkreis fördern das jetzige Bauvorhaben.

Von Andreas Kaatz

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