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Havelland Museum: Neue Schätze aus alten Tagen
Lokales Havelland Museum: Neue Schätze aus alten Tagen
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21:37 21.02.2018
Bert Krüger zeigt die Garderobenmarken, die aus der alten Falkenseer Stadthalle ins Museum gelangt sind. Quelle: Hans-Peter Theurich
Falkensee

Ist das was Besonderes oder kann das weg? Die rund 40 Besucher des Museums Falkensee rätselten Freitagabend, was da so alles vor ihnen auf Tischen ausgebreitet lag. Eine bunte Kindermütze, ein Kaffeewärmer, gläserne Lampenschirme, sogar eine kleine Gießkanne.

Die Chefin des Hauses Gabriele Helbig und ihr Mitarbeiter Bert Krüger präsentierten die 2017 erworbenen oder als Geschenke erhaltenen Dokumente und Objekte mit manchmal launigen Geschichten.

Leider meiden junge Menschen in Falkensee oft solche Veranstaltungen, bei denen es auch darum geht, die Historie einer Stadt ins richtige Licht zu rücken, die neuen Gegenstände für den Fundus beispielsweise als Symbole für politische Fehlentwicklungen in der DDR einzuordnen.

Ein Museum hat auch einen Bildungsauftrag, der sich nicht nur an Interessierte über 60 Jahre richtet, die sowieso fast alles wissen.

Ein Aufnäher fürs Blauhemd

Gabriele Helbig hielt ein Papierstück mit dem Aufdruck „PA“ (Ausbildungsgemeinschaft Polytechnik) in der Hand. Sie erinnerte sich tatsächlich an ihre Schulzeit in der DDR, „als ich alle 14 Tage in die Produktion musste“. Aufgrund ihrer „unermüdlichen Einsätze“ bekam sie einen Aufnäher „für mein Blauhemd wegen produktiver Arbeit“, erzählte sie.

Dabei kam verhaltene Freude auf bei den Zuhörern, die sich über eine kleine Lautsprecheranlage freuen würden, damit auch in den hinteren Reihen alles etwas besser zu verstehen ist.

Ein besonderes Exponat zeigte Bert Krüger: einen bunt bestickten Kaffeewärmer, den eine Klasse in der Berufsschule 1947 ihrer Lehrerin Adelheid Pfeiffer geschenkt hatte. Samt Zettel mit Gedicht: „Frau Pfeiffer, die für Kaffee schwärmt, trinkt ihn gern recht schön erwärmt.“

Die passende Gießkanne „Emsa“, hergestellt in der Plastverarbeitung Falkensee, ist vermutlich das Plagiat eines Designs der Firma Emsa in der Bundesrepublik.

Bildband über Defa-Film

Ein kleiner Bildband erinnerte an den Defa-Film „Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse“ von 1954. Es wurde unruhig, als Klaus Sanders erzählte, er sei damals als Statist bei den Dreharbeiten dabei gewesen.

Über das tragische Schicksal des ermordeten Kommunisten Thälmann, zu der von Stalin befohlenen Weigerung der KPD, sich vor 1933 mit den Sozialdemokraten gegen die Nationalsozialisten zu verbünden, äußerten sich die Museumsmitarbeiter nicht.

Im April 2017 waren überraschend zwei Niederländer ins Museum gekommen. Sie hatten ein Buch ihres Vaters Rudie Mooijmann mit dem Titel: „Het is meer dan treurig …“ (Es ist mehr als traurig) mitgebracht. Darin beschreibt dieser, wie er als 21-Jähriger von 1943 bis 1945 im Falkenseer Zwangsarbeitslager vegetieren musste.

Fast wehmütig schilderte dann Bert Krüger seine Streifzüge mit Gabriele Helbig durch die alte Falkenseer Stadthalle, die abgerissen wird. „Ein Ort verschwindet, ähnlich wie Erichs Lampenladen, der Palast der Republik in Berlin.“ Deshalb gelte es, möglichst viele Souvenirs zu retten.

Helbig und Krüger haben es getan und drei gläserne Lampenschirme aus dem Eingangsbereich ins Museum geholt, „die aus den 1970er-Jahren stammen“. Zu den weiteren neuen Schätzen zählen 500 Garderobenmarken sowie Teile von Sitzbänken.

Von Hans-Peter Theurich

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