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Havelland Musik und Fußball für ein besseres Leben
Lokales Havelland Musik und Fußball für ein besseres Leben
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06:15 02.04.2016
Die Brieselangerin Christine Bruns (Mitte) gibt den jugendlichen Flüchtlingen regelmäßig Gitarrenunterricht. Quelle: Philip Häfner
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Zeestow

Sie wollen Pilot werden oder Zahnarzt, sie spielen leidenschaftlich gern Fußball und Aufräumen ist nicht gerade ihre Lieblingsbeschäftigung. Kurzum: Die 15 jungen Iraker und Afghanen, die zurzeit im Rüst- und Freizeitheim der Evangelischen Kirche in Zeestow leben, sind eigentlich ganz normale Jugendliche – allerdings mit leidvoller Vergangenheit. In ihren Heimatländern lebten sie in Armut, einige wurden gefoltert und zum Militärdienst gepresst. Familie und Freunde legten ihr letztes Geld zusammen, um ihnen die Reise nach Europa zu ermöglichen und damit ein besseres Leben. Ganz allein machten sich die Jugendlichen auf die lange Reise – und landeten schließlich im Zeestower Rüstzeitheim.

Der Kirchenkreis hatte dem Landkreis das Haus im Oktober 2015 zur Verfügung gestellt, als noch jeden Tag tausende Flüchtlinge nach Deutschland strömten. Den anderen Besuchergruppen, die sich bereits für einen Aufenthalt im Rüstzeitheim angemeldet hatten, sagte man ab. „Alle haben sehr verständnisvoll reagiert“, erzählt Pfarrer Bernhard Schmidt, der Vorsitzende der kollegialen Leitung des Kirchenkreises. Nach dem Brand in der geplanten Notunterkunft in einer Nauener Turnhalle hatte der Landkreis damals händeringend nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten gesucht.

Anfangs waren es noch Familien und junge Männer, die im Rüstzeitheim eine temporäre Bleibe fanden, doch im Dezember wurde das Gebäude zu einer Unterkunft ausschließlich für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge umgewandelt. „Wegen ihrer besonderen Schutzbedürftigkeit werden sie separat untergebracht“, erklärt Anne Roggemann, die Leiterin der Einrichtung. Die Jugendlichen befinden sich in der Obhut des Jugendamtes, Träger der Unterkunft sind allerdings die Johanniter. Rund um die Uhr werden die Jugendlichen betreut, auch nachts ist immer ein Ansprechpartner vor Ort. Das Gelände wird zudem ständig bewacht, drei Mal am Tag schaut außerdem eine Polizeistreife vorbei.

Eine Besonderheit bei minderjährigen Asylbewerbern ist das so genannten Clearingverfahren, mit dessen Hilfe der Hilfebedarf ermittelt werden soll. Wie ist es um seine psychische und körperliche Verfassung bestellt, hat er Verwandte in Deutschland, welche Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe werden benötigt – und wie alt ist die Person überhaupt? „Das genaue Alter ist nicht immer einwandfrei nachzuweisen“, sagt Anne Roggemann.

Viele alleinreisende Flüchtlinge litten unter Heimweh, erzählt sie. Trotzdem würden sich die meisten darauf einstellen in Deutschland zu bleiben. Sie lernten fleißig Deutsch, sagt Roggemann, einige würden dazu stundenlang in der Bibliothek sitzen. Vier von den Zeestower Jugendlichen besuchen bereits seit Wochen die Förderschule „Am Akazienhof“ in Falkensee, die restlichen elf haben seit Ostern ebenfalls einen Schulplatz bekommen. Bislang wurden sie von Ehrenamtlern unterrichtet.

Eine davon ist Christine Bruns aus Brieselang, die den Jugendlichen Deutsch und Englisch beibringt. „Integration geht nur über Bildung“, meint Bruns, die auch gemeinsam mit den Flüchtlingen musiziert. „Die Jungs sind wahnsinnig musikalisch“, bericht Sozialpädagoge Kai Braß. Einige haben sich außerdem dem Sport verschrieben, spielen beim Brieselanger Fußballverein. „Sie trainieren immer schon zwei, drei Stunden vorher auf dem Gelände“, sagt Heimleiterin Anne Roggemann und lacht. „Das sind die, die später gut schlafen.“

Bis Ende Mai wohnen die Iraker und Afghanen noch in Zeestow, danach ziehen sie um nach Elstal, wo im Demex-Park eine neue Unterkunft für alleinreisende minderjährige Flüchtlinge entsteht (MAZ berichtete). Das Rüstzeitheim wird anschließend renoviert. Bis dahin werden die jungen Asylbewerber aber noch zweimal bei der monatlichen Apostelandacht in der benachbarten Autobahnkirche mitmachen, trotz ihres muslimischen Glaubens. „Wir wolen sie nicht bekehren, es geht vielmehr um die Gemeinschaft“, sagt Pfarrer Bernhard Schmidt. Einmal habe er in seiner Predigt vom Heiligen Jakobus berichtet, und die Jugendlichen sangen dazu „Bruder Jakob“. „Das war richtig schön“, so Schmidt.

Von Philip Häfner

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