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NPD-Mann wegen Körperverletzung verurteilt

Rathenow NPD-Mann wegen Körperverletzung verurteilt

Das Rathenower Amtsgericht verurteilte den Rathenower NPD-Mann Michel Müller am Dienstagvormittag wegen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, ausgesetzt zu drei Jahren auf Bewährung. Müller hatte die Tat in Teilen gestanden, konnte sich aber an den genauen Tathergang nicht erinnern.

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Michel Müller wurde wegen Körperverletzung zu einem Jahr Freiheitsstrafe, ausgesetzt zu drei Jahren Bewährung, verurteilt.

Quelle: NPD Brandenburg

Rathenow. Der 35-Jährige Michel Müller, der für die NPD im Kreistag Havelland und in der Stadtverordnetenversammlung Rathenow sitzt, wurde am Dienstag vor dem Rathenower Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt. Die Strafe wurde zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt. Zudem muss Müller 1800 Euro in monatlichen Raten an Andreas T. zahlen.

Nach einem Geständnis des Angeklagten und der Zeugenaussage von Andreas T., war für Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung klar, dass Michel Müller in der Nacht vom 7. Dezember 2014 gegen 2 Uhr Andreas T. vor dem Havelrestaurant Schwedendamm ohne erkennbaren Anlass zu Boden schlug. Als der Geschädigte bereits am Boden lag, soll Müller zudem weiter auf ihn eingeschlagen haben.

Müller betrank sich mit Wodka, Rum und Feuerzangenbowle

Während des ersten Verhandlungstermin im Dezember hatte Müller bereits ein Geständnis abgelegt und erklärt, dass er sich an die genauen Tatumstände nicht erinnern kann, da er zu viel Alkohol getrunken habe. Er konnte sich zwar an eine Auseinandersetzung erinnern und dass er auf dem Opfer gelegen habe, nicht aber an einen Faustkampf. Sein Anwalt berief sich auf die Paragrafen 20 und 21 des Strafgesetzbuches, wonach ab einem Wert von 2,0 Promille Blutalkoholkonzentration von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgegangen werden kann. Daraufhin hatte das Gericht eine gutachterliche Stellungnahme angeordnet.

Nun wurde die Verhandlung fortgesetzt. Michel Müller schilderte noch einmal, wie viel Alkohol er im Laufe des Tages konsumiert hatte: Allein fast eine Flasche Wodka trank er bereits am Vormittag um sich für ein Fußballspiel in Berlin in Stimmung zu bringen. Am Nachmittag folgten drei bis fünf Gläser Feuerzangenbowle, die zum Teil mit Rum „gewürzt“ wurden. Eine weitere Flasche Wodka teilte er sich gegen 22 Uhr mit vier Freunden auf der Heimfahrt nach Rathenow. „Was ich dann noch auf der Party im Schwedendamm getrunken habe, kann ich nicht sagen“, so Müller vor Gericht.

Opfer muss mit Spätfolgen rechnen

Auch Andreas T. schilderte vor Gericht noch einmal den Tathergang aus seiner Sicht. Er habe sich mit Müller ganz normal unterhalten als dieser plötzlich ausholte und mit der Handkante gegen seinen Kehlkopf schlagen wollte. „Diesen Schlag konnte ich noch abwehren, aber dann kam eine Rechte hinterher und ich ging zu Boden.“ Als er sich wieder aufrappelte kam Müller erneut auf ihn zu und schlug mit Fäusten auf ihn ein.

Am nächsten Morgen ließ sich T. in der Notaufnahme behandeln. Wie aus dem ärztlichen Protokoll hervorgeht, erlitt er Rippenprellungen und Prellungen im Gesicht sowie Brüche an Querfortsätzen des zweiten bis vierten Wirbels der Wirbelsäule, die vermutlich eine Folge des Sturzes waren. Spätfolgen können derzeit nicht ausgeschlossen werden.

Vermindert schuldfähig, aber kein Vollrausch

Ein Rechtsmediziner, der als Sachverständiger geladen worden war, erklärte anhand der Aussagen könne man von einem geschätzten Promillewert zwischen 2,5 und 2,8 zur Tatzeit ausgehen. Bei einem solchen Wert sei auch nachvollziehbar, dass sich der Angeklagte nur noch an Bruchteile erinnern kann. Das Geständnis wertete der Sachverständige als plausibel. All das spreche für eine verminderte Schuldfähigkeit, von einem Vollrausch könne aber nicht die Rede sein.

Richter Robert Ligier sprach in seiner Urteilsbegründung von einer 08/15 Körperverletzung, wie sie fast täglich vor dem Amtsgericht verhandelt wird. Allerdings müsse man in diesem Fall die erheblichen Vorstrafen in das Urteil einbeziehen. Müller wurde unter anderem mehrmals wegen Körperverletzung verurteilt, zudem stand er wegen Beihilfe zum Mord, Landesfriedensbruch und Widerstand gegen die Staatsgewalt vor Gericht. Auch die Tatsache, dass seine letzte Bewährungsstrafe zum Zeitpunkt der Tat noch nicht abgelaufen war, berücksichtigte Ligier.

In das Strafmaß floss auch ein Urteil, das das Amtsgericht Brandenburg/Havel im Juni gegen Müller fällte. Wegen Versicherungsbetrug wurde er zu 70 Tagessätzen verurteilt. Zugute hielt Ligier dem Angeklagten, dass er vor Gericht deutlich Reue zeigte und sich nach der Tat bei Andreas T. entschuldigte. „Die Tat ist ganz gewiss dem Umstand geschuldet, dass Sie unter erheblichem Alkoholeinfluss standen“, so Ligier.

Von Christin Schmidt

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