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Nach 114 Jahren: Traditionsschlosserei zieht um

Falkensee Nach 114 Jahren: Traditionsschlosserei zieht um

Wo vor kurzem noch reger Betrieb herrschte, zeugen lediglich einige in die Jahre gekommene Maschinen und Werkbänke von der jahrelangen Tätigkeit in der alten Werkstatt der Falkenseer Traditionsschlosserei Ziesecke. 114 Jahre lang war ein Hinterhof der Bahnhofstraße Hauptsitz des Familienbetriebs, der jetzt im Gewerbegebiet ein neues Zuhause findet.

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Vater und Sohn nahmen Abschied von der alten Werkstatt.

Quelle: Laura Sander

Falkensee. Wo vor kurzem noch reger Betrieb herrschte, blickt man nun auf kahle Wände und blanke Stromleitungen. Lediglich einige in die Jahre gekommene Maschinen und Werkbänke zeugen von der jahrelangen Tätigkeit in der alten Werkstatt der Falkenseer Traditionsschlosserei Ziesecke.

114 Jahre lang war der Hinterhof der Bahnhofstraße 87/89 Hauptsitz des Familienbetriebs. Die Aufgabe der alten Werkstatt war von langer Hand geplant, der Umzug in die neue Halle in der Leipziger Straße läuft seit mittlerweile zwei Monaten. „Die alte Werkstatt war schon lange zu klein und die Arbeitsbedingungen nicht mehr tragbar. Im Sommer war es zu warm, im Winter zu kalt, außerdem sind die Räume viel zu verschachtelt“, so Obermeister Michael Ziesecke, der den Betrieb vor vier Jahren von seinem Vater Heinz Ziesecke übernommen hat.

„Wir freuen uns sehr auf die Arbeit in der neuen Halle, die nach den neusten Standards gebaut worden ist. Hohe Decken, ein großer Raum und viel mehr Platz für unsere drei Gesellen und drei Lehrlinge“, sagt der Diplomingenieur, der zurzeit noch in seinem alten Büro in der Bahnhofstraße zu finden ist. „Sobald der Umzug durch ist, geht es hier mit den Bauarbeiten für das neue Geschäftshaus los, in das unter anderem das Jobcenter und die Musikschule Havelland einziehen werden“, so der Handwerksmeister weiter.

Das Ende einer Ära und ein Neuanfang für das Familienunternehmen, das Michael Ziesecke bereits in vierter Generation führt. Grund genug für Vater Heinz Ziesecke, sich an vergangene Tage in den geschichtsträchtigen Räumlichkeiten zu erinnern. „1902 eröffnete Julius Siebert erst eine Eisenwarenhandlung und kurze Zeit später die Schlosserei direkt am Bahnhof Seegefeld. Für die Siedler lieferte er Gegenstände des täglichen Gebrauchs, wie Pumpen, Brunnen, Treppengeländer, Nägel, Schrauben und Werkzeuge aller Art“, so der Altmeister.

Sein Sohn, Julius Siebert junior, ging in die Lehre des Vaters, wurde jedoch 1938 zum Arbeitsdienst einberufen, wenig später folgte die Wehrpflicht im Krieg. Nachdem die Schlosserei von 1940 bis 1945 geschlossen und einige Zeit von sowjetischen Soldaten bewohnt worden war, wagte der junge Siebert einen Neubeginn. Eine kleine Küchenwaage, die aus dem Blech amerikanischer Kartoffelkisten gefertigt wurde, erwies sich als Verkaufsschlager und sicherte rund 20 Gesellen den Lebensunterhalt.

Mit Heinz Ziesecke, der Mitte der 1950er Jahre als Lehrling nach Falkensee gekommen war, fand Siebert einen würdigen Nachfolger und Schwiegersohn, der den erfolgreichen Betrieb in DDR-Zeiten am Laufen hielt und vor der Verstaatlichung bewahrte. „Mit der Wende wurden unsere Maschinen und der Fuhrpark nutzlos und wir mussten wieder von vorne anfangen“, erinnert sich der Altmeister.

Verkaufsschlager

Nachdem in der Nachkriegszeit die kleine Küchenwaage aus amerikanischen Kartoffelkisten in der Falkenseer Schlosserei in Serie ging, wurde einige Jahre später ein „West-Patent“ Verkaufsschlager.

Die Wespenfalle , die vor allem Bäcker von der lästigen Plage befreite, wurde Schlossermeister Ziesecke nur so aus den Händen gerissen.

Eine Lumoflorlampe lockte die Wespen mit ihrem blauen Licht an, zog sie in einen Ventilator und versenkte sie in einem Fangbeutel. Naturschützer waren von der Methode weniger begeistert, da sich auch oftmals Bienen in die Falle verirrten.

Heute verarbeitet der Betrieb moderne Materialien wie Aluminium und Edelstahl, denn Geschichte hin oder her, die Zukunft ist in das Familienunternehmen eingekehrt. „Es war hier in der Bahnhofstraße schon in Ordnung, aber wir mussten ständig improvisieren. Wir freuen uns ganz einfach auf die Arbeit in den neuen Räumen“, so Geselle Markus Weiß, der vor zehn Jahren als Lehrling in der Schlosserei angefangen hat.

Von Laura Sander

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