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Nach Brandanschlag: Turnhalle fast fertig

Nauen Nach Brandanschlag: Turnhalle fast fertig

Zum neuen Schuljahr können die Schüler des Oberstufenzentrums Nauen wieder in einer eigenen Turnhalle Sport treiben. Deren Fertigstellung steht kurz bevor. Der Vorgängerbau war 2015 einem rechtsextremen Brandanschlag zum Opfer gefallen, da die Halle für eine gewisse Zeit als Notunterkunft für etwa 100 Flüchtlinge dienen sollte.

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Die neue OSZ-Turnhalle entsteht auf dem gleichen Grundstück, auf dem auch der Vorgängerbau stand, und zwar in nahezu identischer Form.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Nauen. Die neue Turnhalle am Oberstufenzentrum in Nauen ist fast fertig. Derzeit erfolgen im Außenbereich Pflasterarbeiten, das Erdreich wird planiert. Im Inneren haben Fliesenleger, Maler, Elektriker, Heizungs- und Sanitärinstallateure gut zu tun. Zudem fehlt noch die Innenausstattung. Möglicherweise können schon im Juli Schüler und Vereine die Halle wieder nutzen. Rund vier Millionen Euro wird der Landkreis Havelland dann in ihren Wiederaufbau gesteckt haben.

Vor zwei Jahren war das Gebäude, das damals für eine Übergangszeit als Notunterkunft für rund 100 Asylbewerber dienen sollte, nach einem Anschlag abgebrannt. „Als wir dort ankamen, stand die Halle lichterloh in Flammen, es war kaum noch etwas zu retten“, erinnert sich Stadtbrandmeister Jörg Meyer, Einsatzleiter in der Nacht zum 25. August 2015.

Die Halle wurde in der Nacht zum 25

Die Halle wurde in der Nacht zum 25. August 2015 angezündet.

Quelle: Julian Stähle

Dass es sich um Brandstiftung handelt, stellte sich kurz danach heraus. „Das ist schon frustrierend. Man will retten was zu retten ist. Und dann erfährt man, dass es gar nicht hätte sein müssen, dass es nur brannte, weil jemand das Gebäude angesteckt hat“, sagt Meyer, für den der Brand zu den größten Einsätzen in seiner rund 30-jährigen Feuerwehrlaufbahn gehört.

Die Täter wurde recht schnell gefasst. Hauptverantwortlicher ist der frühere Nauener NPD-Stadtverordnete Maik Schneider, der gemeinsam mit anderen Rechtsextremen der so genannten „Nauener Zelle“ auch für weitere Straftaten verantwortlich ist. Diese richteten sich vornehmlich gegen Menschen, die sich für Flüchtlinge eingesetzt haben. Schneider erhielt mit neuneinhalb Jahren Haft die höchste Strafe, allerdings sind die Urteile noch nicht rechtskräftig.

Froh darüber, dass die Täter gefasst wurden, ist auch Nauens Bürgermeister Detlef Fleischmann (SPD). „Das war damals ein einschneidendes Erlebnis für Nauen, ein Verbrechen. Ich bin dem Landkreis dankbar, dass es nie zur Diskussion stand, dass die Turnhalle wieder aufgebaut wird und dass dies auch unverzüglich geschehen ist.“ Für das Stadtoberhaupt hat sich damit, dass die Schuldigen im Gefängnis sitzen, und dass die Halle wieder aufgebaut worden ist, der Kreis praktisch geschlossen. Dass die Täter gefasst wurden, sei für ihn ein gutes Zeichen dafür, dass letztlich alles ans Licht kommt.

Positiver Nebeneffekt des Wiederaufbaus ist für Fleischmann auch, dass mit der Inbetriebnahme der Halle die Sporteinrichtungen in der Stadt entlastet werden. Denn seit dem Brandanschlag 2015 haben die OSZ-Schüler unter anderem Turnhallen in Nauen für ihren Sportunterricht mitgenutzt. Deshalb sagt OSZ-Leiter Eckart Vierjahn: „Gemeinsam mit meinen Kollegen bin ich froh, dass die Zeit der Improvisation bald zu Ende ist und die Turnhalle wieder genutzt werden kann.“

Unter anderem treiben die Schüler in der Gymnastikhalle des Goethegymnasiums und auch in der Halle der Grundschule am Lindenplatz Sport. Schüler des beruflichen Gymnasiums fahren dazu sogar nach Friesack. Die neue Turnhalle in der kurzen Zeit zu errichten, sei eine gute Leistung, so Vierjahn.

Schockiert über den damaligen Brandanschlag war auch Volker Mueller, Sprecher der Willkommensinitiative. „Es ist ganz wichtig, dass die Sporthalle wieder steht. Der Anschlag von 2015 sitzt schon tief in den Knochen“, sagt er. Die Mehrheit der Nauener habe die Tat verurteilt, auch wenn einige nicht begeistert gewesen waren, dass Flüchtlinge in der Stadt untergebracht werden sollten. „Der Anschlag ging aber vielen zu weit.“ Nach Ansicht von Mueller werde dieser immer in Erinnerung bleiben.

Mit dem Wiederaufbau der Halle hat der Landkreis im Juni 2016 begonnen. Davor lief seit Januar der Abriss der Ruine.

Von Andreas Kaatz

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