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Nach Brandanschlag neue Sporthalle eingeweiht

Nauen Nach Brandanschlag neue Sporthalle eingeweiht

Am Oberstufenzentrum in Nauen wurde am Mittwoch die neue Sporthalle eingeweiht. Der Vorgängerbau war am 25. August 2015 von Rechtsextremen angezündet und zerstört worden, weil er als Flüchtlings-Notunterkunft dienen sollte. In nur zwei Jahren entstand nun der Neubau – auch als Antwort auf die politisch motivierte Zerstörungswut, wie es Landrat Lewandowski formulierte.

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Mit einem Volleyball-Turnier wurde die neue Halle eingeweiht. Freude bei Landrat Lewandowski (r.), Bürgermeister Fleischmann (Mitte) und Schulleiter Eckhard Vierjahn.

Quelle: Foto: Marotzke

Nauen. „Heute ist ein guter Tag – für das Oberstufenzentrum, für die Stadt Nauen, für den Landkreis Havelland“, sagte Landrat Roger Lewandowski (CDU) am Mittwoch zur Eröffnung der neuen OSZ-Sporthalle in der Straße Zu den Luchbergen. Vor genau zwei Jahren und 18 Tagen, am 25. August 2015, war der Vorgängerbau mitten in der Nacht in Flammen aufgegangen. Rechtsextreme hatten ihn angezündet, weil dort später für eine Übergangszeit rund 100 Flüchtlinge untergebracht werden sollten. Eine Tat, die nicht nur in Nauen für Fassungslosigkeit gesorgt hat.

Nur ein in den Himmel ragendes schwarz verkohltes Gerippe blieb übrig von der Halle. „Ich werde diesen Anblick und diesen für den Landkreis traurigen Tag nie vergessen“, sagte Lewandowski, damals noch Dezernent. „Eines war mir an jenem Tag jedoch gleich klar: Wir wollten die Halle so schnell wie möglich wieder aufbauen. An gleicher Stelle, in baugleichem Gewand. Schnellstmöglich. Und das haben wir getan.“ Rund ein Jahr lang dauerten die Bauarbeiten. „Dieser Neubau ist die wohl wichtigste Antwort, die wir dieser politisch motivierten Zerstörungswut entgegen setzen können.“

Zu denen, die am 25. August 2015 schnell zur Brandruine geeilt sind, gehörte auch Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD), der schon von weitem den Brandgeruch wahrgenommen hatte. „Das war damals wie heute der schwerste Anschlag auf eine Asylbewerbereinrichtung seit 20 Jahren in Brandenburg“, sagte er. „Aber ich bin stolz, dass die Ermittlungsbehörden mit Nachdruck gearbeitet haben“, so Schröter, der sich bei Staatsanwaltschaft, Polizei und Verfassungsschutz bedankte. Auch wenn die Urteile noch nicht rechtskräftig sind, so sei die harte Bestrafung der Täter ein wichtiges Signal gewesen. „Wir kriegen euch, auch wenn es etwas länger dauern sollte.“

Der Innenminister betonte aber noch eine andere Sache: „Es war ganz wichtig, dass Landrat, Bürgermeister und Abgeordnete gezeigt haben, dass dies eine Tat von Einzelnen, von Verrückten, von Straftätern war, aber nicht die Meinung der Nauener. Nauen für Menschlichkeit war ein richtiges Signal.“ Die neue Halle solle auch in Zukunft zum Nachdenken darüber anregen, warum sie zweimal gebaut werden musste und wie wichtig es sei, sich gegen jede Form von Extremismus zu stellen.

Ganz genau erinnert sich auch Bürgermeister Detlef Fleischmann (SPD) an den Brandanschlag. „Damals rief mich der Stadtbrandmeister gegen 3 Uhr morgens an.“ Da war noch nicht klar, warum es zu dem Brand gekommen war. „Weil die Feuerwehr sagte, dass die Halle acht Minuten nach der Alarmierung im Vollbrand stand, war zu vermuten, dass es sich um Brandstiftung handelt“, so der Bürgermeister. Der Schaden sei aber nicht nur materieller Art, sondern die Täter hätten bis zur Verhaftung auch ein Klima der Angst in der Stadt verbreitet. Er ist froh, dass die Halle den Nutzern nun zur Verfügung steht.

Die Nutzer, das sind in erster Linie die Schüler des Oberstufenzentrums Havelland. Die mussten seit dem Brand zu Sporteinrichtungen in Nauen pilgern oder aber mit dem Bus einmal in zwei Wochen zum OSZ-Standort nach Friesack, so wie Marvin Janulik (19) und Vivien Hoffmeister (17). Dann gab es für sie sechs Stunden Sport hintereinander. „Das war schon eine Umstellung“, sagt Vivien. Die neue Halle konnte sie auch schon ausprobieren. „Die ist top ausgestattet.“

Schulleiter Eckhard Vierjahn, der die Halle in gewisser Weise als Mahnmal gegen Rechtsextremismus ansieht, dankte unter anderem dem Goethegymnasium dafür, dass die Schüler in den vergangenen zwei Jahren dorthin zum Sportunterricht ausweichen konnten. Zudem ist er seinen Kollegen dankbar für die vielen Gespräche mit Schülern, um den Schock nach dem verheerenden Brandanschlag bewältigen zu können. „Die Angst war da.“ Der Bitte, am OSZ eine Jugendsozialarbeiterstelle zu schaffen – nicht nur wegen dieses Vorfalls – sei man allerdings bis heute nicht nachgekommen, bedauert er.

Von Andreas Kaatz

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