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Nach Xavier: Im Stadtwald wird aufgeräumt

Nauen Nach Xavier: Im Stadtwald wird aufgeräumt

Nach Sturm Xavier hat der Nauener Stadtförster entlang der Landesstraße 201 zahlreiche Bäume beseitigen lassen, die durch den Orkan in Mitleidenschaft gezogen wurden und umzustürzen drohten. Mindestens 1000 Festmeter Bäume wurden im Nauener Stadtwald umgeweht. Das entspricht etwa dem halben Jahreseinschlag.

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Einsatz an der L 201: Der Harvester greift sich eine Birke, die umzufallen drohte.

Quelle: Andreas Kaatz

Nauen. Die Birke am Straßenrand steht ungewöhnlich schräg, droht irgendwann auf die Fahrbahn zu fallen. Doch ihre Minuten sind gezählt. Schon nähert sich der lange Arm des Harvesters. Die Holzvollerntemaschine greift sich mit ihrem voluminösen Kopf den Stamm, trennt ihn ab und legt ihn krachend zur Seite.

Das alles geschieht unter den Augen von Nauens Stadtförster Thomas Meyer. Er hat nach dem verheerenden Sturm Xavier alle Hände voll zu tun. Vier Kilometer Straße durch den Stadtwald – die Landesstraße 201 – muss er schnellstmöglich wieder verkehrssicher machen. Jeden Baum am Straßenrand nimmt er genau unter die Lupe, prüfend geht der Blick jedes Mal bis hoch in die Krone. „Was wir hier machen, sind Notmaßnahmen“, sagt er. Wo nötig, hatte die Feuerwehr die Bäume kurz nach dem Sturm von der Fahrbahn geräumt. „Wir müssen nun dafür sorgen, dass die Kraftfahrer hier gefahrlos entlang kommen“, sagt er – und gibt schon das nächste Kommando an den Fahrer im Harvester. Der greift sich eine leicht entwurzelte junge Eiche. Insgesamt 35 bis 40 Bäume hat Meyer aus Sicherheitsgründen am Straßenrand fällen lassen.

Verärgert ist er allerdings über so manche Kraftfahrer. „Wir haben Schilder mit 30 km/h sowie mit dem Hinweis auf die Baumfällarbeiten aufgestellt. Doch manche Kraftfahrer interessiert das nicht.“ Mit hohem Tempo rasen sie an den Arbeitern vorbei oder mosern, weil sie mal zehn Sekunden warten müssen. Die Krönung: „Einen Autofahrer hatte ich mit Handzeichen zum Anhalten gebracht. Plötzlich fährt er wieder los. In dem Moment stürzt der gefällte Baum auf die Fahrbahn. 50 Zentimeter davor kommt das Auto gerade noch so zum Stehen“, so Meyer. Zum Glück ist niemandem etwas passiert. Ab sofort sperrte danach der Rückezug bei Fällungen kurzzeitig die Fahrbahn. „Anders geht es nicht, da kann man noch so viele Schilder aufstellen“, so der Förster kopfschüttelnd.

Aber auch im Stadtforst – unter anderem im östlichen Teil – hat Xavier ordentlich für Kahlschlag gesorgt. Einen Gesamtüberblick über die Schäden besitzt der Förster im Moment noch nicht. „Mindestens 1000 Festmeter sind im gesamten Wald umgefallen“, so Meyer während einer Inspektionsfahrt. „Ein Schwerpunkt ist der Bereich Weinberg, da hat es viele Eichen erwischt“, sagt er. Die gesamten Verwüstungen im Stadtwald entsprechen dem halben Jahreseinschlag. Die Holzernte ist allerdings für dieses Jahr schon abgeschlossen. Was jetzt dort liegt, kommt zusätzlich. Meyer hofft, dass er dieses Holz trotzdem noch gut verkaufen kann. Aber das wird ohnehin dauern. „Das ist hier bestimmt noch ein halbes Jahr Arbeit“, meint er.

Ein Teil der Waldwege lässt sich derzeit wegen umgestürzter Bäume nicht mehr befahren, wie Meyer bei der Tour durch den Wald immer wieder feststellen muss. Auch in der Nähe des Bürgermeisterdenkmals, wo 1822 das damalige Stadtoberhaupt von einem Baum erschlagen wurde, beendet ein abgebrochener Buchenstamm die Fahrt. Also wieder zurück und hoffen, dass die Tourt nicht erneut jäh unterbrochen wird. „Man kann schon froh sein, wenn man 20 Sekunden fahren kann, ohne dass ein Baum quer über dem Weg liegt.“

Vor allem da, wo es ein wenig lichter ist, konnte der Sturm intensiv wüten, insbesondere bei den Laubbäumen. Aber auch die ein oder andere Fichte brach mal eben so ab. In einem Kiefernbestand, bei dem der Förster so seine Befürchtungen hatte, sah es dann doch besser aus als gedacht. Nur zwei Bäume lagen entwurzelt herum. „Das ist OK, das passiert auch bei normalem Wind mal.“

Einen solchen Sturm wie in der vergangenen Woche hat Meyer noch nicht erlebt. „Kollegen, die schon länger in dem Job sind, meinten, dass es der schwerste Sturm seit 40 Jahren war.“ Brandenburg habe viel größere Schäden erlitten, als damals bei Kyrill. Demnächst geht es nun darum, dass die Waldwege befahrbar gemacht werden – auch deshalb, damit die Kunden, die Holz gekauft haben, ihre Stämme abholen können. Ständig gibt es Nachfragen, immer wieder klingelt Meyers Handy. Der Förster warnt zudem davor, in der jetzigen Situation in den Wald zu gehen – etwa, um Pilze zu sammeln. Denn vielerorts hängen abgebrochene Äste in den Baumkronen oder diese sind selbst angeknackst, könnten abstürzen. Zudem besteht die Gefahr umstürzender Bäume. „Das Geschrei ist ziemlich groß, wenn dann etwas passiert.“

Von Andreas Kaatz

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