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Erster deutscher Sternenpark im Havelland

Nirgendwo leuchten die Sterne heller Erster deutscher Sternenpark im Havelland

Hier ist man der Milchstraße ganz nah: Über dem Westhavelland leuchtet ein Wunderhimmel, der so dunkel und sternenklar ist wie in Namibia. Am Wochenende standen die Sterne dort besonders gut: Die Internationale Gesellschaft zum Schutz des dunklen Nachthimmels hat den Naturpark zum ersten deutschen Sternenpark erklärt.

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Während andernorts immer mehr künstliches Licht die Nacht zum Tag macht, ist es im Westhavelland finster wie an kaum einem anderen Ort weltweit.

Quelle: Andreas Hänel

Havelland. Niemand hätte wohl gedacht, dass es ein Privileg ist, in einer besonders finsteren Region zu leben. Im Westhavelland wird es nachts so dunkel wie in keinem anderen Landstrich Deutschlands. Seit langem kämpft die Region darum, dass dies auch offiziell gewürdigt wird. Nun hat es geklappt: Die Internationale Gesellschaft zum Schutz des dunklen Nachthimmels ( "International Dark Sky Association", kurz: IDA) hat den Naturpark zum "ersten deutschen Sternenpark" erklärt.

Wie das brandenburgische Umweltministerium am Montag mitteilte, stehe die Entscheidung der IDA seit Sonntagabend fest. „Wir freuen uns. Brandenburg ist um einen einzigartigen touristischen Anziehungspunkt reicher“, sagte Umweltministerin Anita Tack.

Beste Sicht bei sternenklarem Himmel: 170 Sternenfreunde kamen im September 2013 zur dritten Auflage des Westhavelländischen Astrotreffs in Gülpe.

Quelle: Andreas Hänel

„Den Ausschlag für die Entscheidung gab wohl, dass trotz der relativen Nähe zur Metropole Berlin die Nächte im Westhavelland so dunkel sind, dass die Milchstraße mit ihren einzelnen, abertausenden Sternen als plastisches Gebilde erlebt werden kann“, sagte die Naturparkleiterin Kordula Isermann.

Weltweit hat die IDA bislang 24 Sternenparks ausgezeichnet, unter anderem in Namibia und Neuseeland. In Europa gibt es nur acht Sternendestinationen. Die Region um Gülpe nur 70 Kilometer westlich von Berlin gilt unter Astronomen als einer der dunkelsten Orte Deutschlands. Am Mittwoch will das Umweltministerium bereits erste touristische Angebote vorstellen.

Besondere Dunkelheit über havelländischem Himmel

Im April 2009 erkannte der Leiter des Osnabrücker Planetariums, Andreas Hänel, erstmals die Qualität des Sternenhimmels über dem Westhavelland. Mehrere Messungen bestätigten die besondere Dunkelheit des Sternenhimmels über dem nur gering besiedelten Naturparkgebiet. Als Sprecher der Fachgruppe "Dark Sky" und deutscher Vertreter der IDA schlug Hänel dem Naturpark vor, sich um die Anerkennung als Sternenpark zu bewerben. Ein 2011 eingereichter Antrag hatte noch nicht alle Bedingungen erfüllt. Damit es doch noch mit der Auszeichnung als Sternenpark klappt, hatten sich die Gemeinden in der wenig besiedelten Region der Havelniederung zwischen dem Gülpener und dem Hohenauener See verpflichtet, auf eine entsprechende Straßenbeleuchtung zu achten. Ende November 2013 hat der Naturpark erneut alle Antragsunterlagen der IDA übergeben – diesmal mit Erfolg.

Tourismus setzt auf Sterne

Das Markenzeichen  „Sternenpark“ kurbelt schon jetzt den Tourismus im Havelland an. Ein Flyer informiert über den nächtlichen Himmel und enthält Tipps, wo die Sterne zwischen Strodehne, Görne, Parey und Gülpe am schönsten strahlen, Natur- und Landschaftsführer organisieren Sternenwanderungen und Gülpe wird 2014 erneut Gastgeber für den westhavelländischen Astrotreff sein.

Die Leiterin des Naturparks erhofft sich vom neuen Titel eine weitere Aufwertung des Westhavellands. Am Mittwoch will das Umweltministerium bereits erste touristische Angebote vorstellen. Schon länger wurden Pläne geschmiedet, um weitere Besucher ins Westhavelland zu locken. So sollen etwa spezielle Outdoor-Liegestühle aufgestellt werden, und Hoteliers wollen ein spätes Frühstück für nächtliche Sternenschwärmer anbieten, die ausschlafen müssen.

Fakten zum Sternenpark

Naturpark Westhavelland

Etwa 70 Kilometer westlich von Berlin und größtenteils im Landkreis Havelland gelegen, ist der 1998 gegründete Naturpark Westhavelland mit einer Fläche von 1.315 Quadratkilometern das größte Schutzgebiet in Brandenburg. Es umfasst außerdem das größte zusammenhängende Feuchtgebiet des europäischen Binnenlandes. Zentrum des Naturparks ist die Kreisstadt Rathenow.

Der Naturpark zählt zu den dunkelsten Orten in Deutschland, vergleichbar mit Namibia. Neben der Milchstraße können Sternengucker auch den sogenannten Airglow beobachten, ein schwaches Leuchten höherer Atmosphärenschichten, das heutzutage überlicherweise durch künstliches Streulicht überstahlt wird.

Lichtverschmutzung

Des Nachts ist es nur selten so dunkel, wie es die Natur vorsieht. Künstliche Lichtquellen hellen den Nachthimmel auf. Besonders in Metropolen und Ballungsräumen sprechen Wissenschaftler von Lichtsmog als eine Form der Umweltverschmutzung.

Für Mensch, Tier- und Pflanzenwelt kann das negative Folgen haben. So verlieren nachtaktive Insekten und Zugvögel unter Kunstlicht die Orientierung. Laubbäume, die in der Nähe von Straßenlaternen stehen, tragen stärkere Frostschäden davon, weil sie ihre Blätter verspätet verlieren. Für den Mensch sind Einflüsse auf den Hormonhaushalt nachgewiesen, was sich nachteilig auf den Schlaf-Wach-Rhythmus und den Menstrationszyklus der Frau auswirkt.

International Dark-Sky Association

1988 schlossen sich Astronomen in den USA zusammen, um die wachsende Lichtverschmutzung zu bekämpfen. Die International Dark-Sky Association (IDA) forscht und informiert weltweit zu Lichtsmog und dessen Konsquenzen. 2007 ernannte die IDA das Natural Bridges National Monument im US-Bundesstaat Utah zum ersten „International Dark Sky Park“. Der Himmel dort gilt als einer der dunkelsten und reinsten im ganzen Land.

Zusätzlich unterscheidet die IDA in „International Dark Sky Reserve“ (vergeben seit 2008) und „International Dark Sky Community“ (seit 2001). Letztere bezeichnet Kommunen mit besonderem Engagement zur Erhaltung des Nachthimmels, etwa durch eine hochwertige Beleuchtung, eine entsprechende Informationspolitik und Bürgerbeteiligung.

Hierzulande arbeitet die IDA mit Dark Sky Deutschland zusammen, die aus der Fachgruppe „Dark Sky“ der Vereinigung der Sternfreunde gebildet wurde.

Internet: http://www.lichtverschmutzung.de/

MAZonline

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 Im ohnehin dünn besiedelten westlichen Havelland gingen seit der Wende manche Lichter aus. Nun könnte die Dunkelheit der Region zu bundesweiter Bekanntheit verhelfen.

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