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Havelland Nauen: Unterstützung in allen Lebenlagen
Lokales Havelland Nauen: Unterstützung in allen Lebenlagen
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00:17 07.02.2016
Im Spielzimmer der Mutter/Vater-Kind-Einrichtung (v.l.): Ramona Below, Alissia, Annika Wieser, Michelle Noack und Margitta Thomas. Quelle: Andreas Kaatz
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Nauen

Anfangs war Melanie (Name geändert) mit der neuen Situation überfordert. Sie erwartete ein Kind, ihr erstes. Dass sie als Schwangere nicht rauchen sollte, war ihr egal. Sie verdrängte das schlechte Gewissen, qualmte Unmengen an Zigaretten. Ob es daran lag? Ihr Baby jedenfalls kam vier Wochen zu früh. Etwas mehr als 2000 Gramm wog es, als sie dann vier Wochen später entlassen wurde. Doch es ging nicht nach Hause. Das Jugendamt hatte zuvor auf Melanie, in deren Familie schon früher Jugendhilfe geleistet werden musste, ein besonderes Auge gehabt. Die Baustelle zu Hause bot dem Kind und seiner Mutter alles andere als ein kuscheliges Heim. Die beiden kamen deshalb eine Zeit lang in die Mutter/Vater-Kind-Einrichtung in Nauen.

Margitta Thomas, Teilbetriebsleiterin bei der AWO Betreuungsdienste gGmbH leitet dort die Geschicke und erinnert sich noch genau: „Es war früh klar, dass die junge Mutter die Bedürfnisse ihres Kindes erkennt. Als dann auch die Bedingungen zu Hause geeignet waren, erlaubte das Jugendamt die Rückkehr von Mutter und Kind.“ Melanie ist eine von insgesamt 17 Müttern, die seit 2012 in die Mutter/Vater-Kind-Einrichtung aufgenommen wurden. Fünf Plätze für Eltern und ihre Kinder stehen dort im stationären Bereich zur Verfügung. Außerdem gibt es eine Trainingswohnung. Mindestens 15 Jahre alt müssen die Mütter sein, die dort für eine gewisse Zeit einziehen, bis zu zwei Jahre kann es dauern. Die Kinder dürfen höchstens sechs Jahre alt sein.

„Die Mütter und manchmal auch Schwangere, die das Jugendamt zu uns schickt, kommen in der Regel aus schwierigen familiären Verhältnissen. Bei vielen ist die Partnerschaft in die Brüche gegangen. Unser Ansatz besteht darin, dass das Kind bei seinen Eltern sein sollte“, sagt Ramona Below, AWO-Betriebsleiterin. Denn Ziel ist es, dass die oft jungen Mütter Kompetenzen im Umgang mit ihrem Kind entwickeln sollen, wie es heißt. Sprich: Sie sollen lernen, auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Das fängt bei der Essensversorgung und beim Einkauf von Lebensmitteln an, geht über die Erziehung bis hin zum Verhalten in Krisensituation. Was tun, wenn das Kind einen Schreianfall kriegt oder wenn es krank wird? Auch die Beratung, wenn es um die Berufs- und Schulausbildung der jungen Eltern geht, gehört zur Arbeit der Sozial- und Heilpädagogen sowie Erzieher. Rund um die Uhr ist mindestens ein Mitarbeiter vor Ort, steht als Ansprechpartner zur Verfügung.

„Wir bekommen in der Regel einen Anruf vom Jugendamt, wenn es bei Müttern nicht klappt“, sagt Margitta Thomas. Dann gibt es eine so genannte Clearingphase. Die Mütter werden drei Monate lang dabei beobachtet, wie sie mit ihrem Nachwuchs klarkommen, wo es ein Problem gibt. Dann wird festgelegt, welche Hilfe sinnvoll ist.

Annika Wieser ist seit mehreren Monaten mit Tochter Alissia in der Nauener Einrichtung. „Ich bekomme hier immer Unterstützung, wenn ich Hilfe benötige“, sagt sie. Etwa wenn Alissia inhalieren muss wie jetzt gerade. Sie teilt sich Bad und Küche mit einer Mitbewohnerin. „Ich kann mir von ihr was abgucken, sie sich von mir“, sagt die 31-Jährige. Mit im Haus lebt derzeit auch Michelle Noack. Die 17-Jährige macht gerade ihren Hauptschulabschluss, ist mit ihrer Tochter in der Einrichtung ebenfalls gut aufgehoben. „Wenn man Hilfe braucht, ist gleich jemand da“, sagt sie. So werde sie auch bei Gängen zum Arzt oder zu Behörden begleitet.

„Wir sind derzeit voll belegt“, sagt Ramona Below. Denn allzu viele Mutter-Kind-Einrichtungen dieser Art gibt es in der Region nicht. Wenn eingeschätzt wird, dass die jungen Frauen alleine klarkommen, hilft die AWO unter anderem auch bei der Wohnungssuche. Wenn nötig gibt es für eine gewisse Zeit eine ambulante Betreuung. Die Mütter werden zum Facharzt begleitet, zur Logopädie oder zum Babyschwimmen. Ein Auto, das mit Förderung der Aktion Mensch angeschafft werden konnte, hilft dabei, mobil zu sein. „Der Schritt aus der Einrichtung zu einer eigenen Wohnung ist allerdings schwierig“, weiß Margitta Thomas. Aus diesem Grund steht die Trainingswohnung zur Verfügung, die auch gut ausgelastet ist. Die Mütter können dort selbstständig leben, bei Bedarf aber auch Hilfe in Anspruch nehmen.

„Es ist eine schöne Arbeit, wenn man sieht, dass es fruchtet“, sagt Margitta Thomas. Doch manchmal funktioniert es auch gar nicht. In drei Fällen musste das Kind wegen akuter Gefährdung des Kindeswohls letztlich in eine Pflegefamilie gegeben werden. „Die Mütter hatten die eigenen Bedürfnisse über die ihrer Kinder gestellt“, so die Teilbetriebsleiterin. Aber auch in diesen Trennungsfällen wird versucht sicherzustellen, dass die Mütter ihre Kinder regelmäßig sehen, wenn sie es wollen. „Uns ist wichtig, dass sie erkennen, dass die Entscheidung für eine Pflegefamilie zum Wohl des Kindes erfolgt.“

Von Andreas Kaatz

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