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Havelland Nauen: Wenn Nachbarn sich streiten
Lokales Havelland Nauen: Wenn Nachbarn sich streiten
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06:30 28.06.2016
Die Schiedsfrauen Angela Kanzler und Marlis Müller (rechts). Quelle: Norbert Faltin
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Nauen

Wenn die Fronten verhärtet sind, helfen ehrenamtliche Schiedsleute den Streit zu lösen – oft können sie einen Prozess verhindern. In Nauen sind die beiden Schiedsfrauen Angela Kanzler und Marlis Müller die erste Anlaufstelle im Rathaus, wenn sich zwei Streithähne in die Wolle bekommen. Die beiden Schiedsfrauen aus Nauen bringen durch ihre langjährige Berufserfahrung alles mit, was das Ehrenamt erfordert. Die MAZ unterhielt sich mit ihnen über einige Themen rund um das Schiedsamt.

Was hat Sie motiviert, sich für das Amt der Schiedsfrau zu bewerben?

Angela Kanzler: Mein Wunsch war es immer, mich ehrenamtlich zu engagieren. Dieses Amt sollte aber meinen Fähigkeiten entsprechen und auch flexibel zu meinen Arbeitszeiten sein. Wichtig ist, dass ich dabei mit Menschen zu tun habe. Vorher habe ich Besuche im ASB-Seniorenheim mit meinem Hund gemacht. Darüber haben sich die kranken Menschen zwar sehr gefreut, jedoch wurde es mit der Zeit für den Hund zu stressig. Und so bin ich dann auf das Amt der Schiedsfrau aufmerksam geworden.

Marlis Müller: Nachdem ich in den Ruhestand ging, war mir klar, dass ich die viele freie Zeit nutzen wollte, mich weiterhin mit Menschen zu beschäftigen und ihnen nach Möglichkeit zu helfen. Da entdeckte ich die Stellenausschreibung zur Schiedsfrau. Und da ich als ehrenamtliche Richterin bei der Kassenärztliche Vereinigung quasi Berufserfahrung mitbrachte, bewarb ich mich auf diese Stelle.

Was hat eine Schiedsfrau so alles zu tun?

Angela Kanzler: Die Schiedsstelle will zwischen den Konfliktparteien eine Schlichtung erreichen, damit beispielsweise ein Nachbarschaftsstreit gar nicht erst vor Gericht landet. Oft genügt ein offenes Ohr. Jeder Bürger, der mit einem Problem zu uns kommt, hält sein Anliegen naturgemäß für die wichtigste Sache der Welt. Wir müssen darauf mit dem gebührenden Ernst eingehen, auch wenn es sich für Außenstehende um eine Kleinigkeit handelt.

Müller: Was viele Bürger nicht wissen, ist, dass ein Verfahren vor der Schiedsstelle wesentlich kostengünstiger ist, als ein Gang vors Gericht. Im Durchschnitt ist ein Fall bei der Schiedsstelle nach vier bis sechs Wochen abgeschlossen. Im Falle eines Vergleichs erhält der Bürger eine verbindliche und durchsetzbare Regelung. Für den Fall, dass keine Einigung zwischen den Parteien erzielt werden kann, stellt die Schiedsperson eine sogenannte Erfolglosigkeitsbescheinigung aus. Diese kann dann beim Gericht zur Durchsetzung der Interessen vorgelegt werden.

Das hört sich nach intensivem Umgang mit Gesetzten an. Haben Sie davor keine Bange?

Müller: Nein, bevor wir unser Amt angetreten haben, gab es viele Einführungskurse und Seminare, die wir besuchen mussten. Sollte ich trotzdem eine Frage haben, kann mir Angela Kanzler helfen, und wenn es ganz knifflig wird, hilft uns Dieter Neumann vom Nauener Amtsgericht. Er ist ja auch unser „Vorgesetzter“.

Kanzler: Die Schiedsstelle ist in erster Linie bei Nachbarschaftsstreitigkeiten zuständig. Die Stelle soll zudem auch die Gerichte entlasten, die vor lauter Bagatellfällen kaum noch atmen können. Das können vermeintliche Grenzverletzungen sein wie der „klassische Ast“, der vom Nachbarn zu weit in den eigenen Garten wächst. Es können aber auch Delikte wie Beleidigung, Hausfriedensbruch, Bedrohung oder üble Nachrede sein, in denen wir schlichten wollen. In allen Fällen unterliegen wir der Schweigepflicht.

Wie viel Zeit muss investiert werden, um die Fälle zu bearbeiten?

Kanzler: Man muss sich sehr ausgiebig in jeden Fall einlesen, in vielen Fällen ist auch ein Vor-Ort-Termin nötig. Die Gespräche benötigen viel Zeit und schließlich muss jeder Fall bis ins Detail protokolliert werden. Hinzu kommt noch die Kassenführung, also da kommt schon einiges zusammen.

Mit wie vielen Fällen rechnen Sie pro Jahr?

Kanzler: Man kann von fünf bis zehn Fällen ausgehen, in denen geschlichtet werden muss. Das ist in anderen Gemeinden mit dieser Einwohnerzahl ähnlich. Wir hatten in diesem Jahr aber noch keinen einzigen Fall, also kein Schlichtungsgespräch, das wir führen mussten. In den meisten Fällen hilft es schon, wenn sich die Bürger ihren Ärger bei uns erstmal von der Seele reden können. Und wir zeigen ihnen auf, dass der Gang vor Gericht oft strapaziös, zeitaufwendig und im schlimmsten Fall sehr teuer werden kann.

Müller: Wir verdeutlichen den Menschen vor allem, dass es nach einer Gerichtsverhandlung zwar einen „Sieger“ gibt, denn nach dem Urteil müssen sie letztlich trotzdem nebeneinander leben und miteinander klarkommen. Da nutzt dann auch kein Gerichtsurteil.

In welchen Ortsteilen gibt es die meisten Fälle? 

Kanzler: Alle Fälle, die ich während meiner Amtszeit als Schiedsfrau hatte, kamen nicht aus dem Nauener Stadtgebiet, sondern aus den Ortsteilen. Aber ich denke nicht, dass die Menschen in den Ortsteilen streitsüchtiger sind.

Müller: Häufiger sind es Zugezogene, die ein anderes Rechtsempfinden mitbringen und sich beispielsweise aufregen, wenn es in ländlichen Gebieten oft nach – nennen wir es Nutztierhaltung – riecht und sich dann beschweren.

Mit welchen Kosten muss ein Bürger rechnen?

Kanzler: Ein einfaches Schlichtungsverfahren kostet 20 Euro, ein normaler Antrag kostet 40 bis 50 Euro. Diesen Betrag hat der Bürger als Vorschuss für Fahrkosten, Porto, Kopien und so weiter zu leisten. Was nicht benötigt wurde, bekommt er zurückerstattet.

Wann und wo kann man sich bei Ihnen Rat holen? 

Müller: Sprechstunde halten wir jeden 2. und 4. Donnerstag im Monat, in der Zeit von 15.30 bis 17 Uhr. Dies tun wir teilweise gemeinsam, aber auch einzeln im Beratungsraum im Nauener Rathaus.

Kanzler: In dieser Zeit sind wir auch telefonisch unter der Rufnummer (03321) 40 81 23 erreichbar. Außerhalb der Sprechzeiten kann man unter der Telefonnummer (03321) 45 57 10 oder unter der E-Mail-Adresse schiedsstelle@nauen.de Kontakt mit uns aufnehmen.

Von Norbert Faltin

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