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Nauen 22-Jähriger wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht
Lokales Havelland Nauen 22-Jähriger wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht
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09:31 08.11.2018
Einen Tag nach dem Unfall im Juni 2017 kamen 200 Angehörige zur Unglücksstelle. Quelle: Marlies Schnaibel
Nauen/Falkensee

 Hatte ein 22-jähriger Brieselanger Schuld daran, dass seine beiden Freunde bei einem Verkehrsunfall ums Leben kamen? Diese Frage stand Mittwoch im Mittelpunkt einer Verhandlung am Amtsgericht Nauen, konnte aber vorerst nicht geklärt werden. Der Unfall ereignete sich am 4. Juni 2017. Der Angeklagte und seine beiden 16 und 17 Jahre alten Insassen waren nach einem McDonalds-Besuch in Elstal auf dem Weg nach Schönwalde. Auf der L 20, zwischen Falkensee und Schönwalde-Glien, kam der Wagen plötzlich von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Baum. Der damals 20-jährige Fahrer wurde bei dem Unfall schwer verletzt, seine beiden Freunde starben noch vor Ort. Der Unfall hatte große Anteilnahme hervorgerufen, allein zu einer Trauerstunde an der Unglücksstelle kamen 200 Freunde und Angehörige.

Unfallfahrer erhielt Morddrohungen

Der junge Fahrer muss sich nun wegen fahrlässiger Tötung vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Zur Verhandlung kamen viele Angehörige und Freunde, nicht alle fanden im Saal Platz. Auch sie wollten wissen wollten, wie es zu dem Unfall, bei dem der 17-jährige Jeffrey aus Falkensee und die 16-jährige Courtney aus Brieselang im Juni 2017 ihr Leben lassen mussten, kam. Die Eltern der verunglückten Jugendlichen treten als Nebenkläger auf. Da der Angeklagte nach dem Unfall immer wieder Morddrohungen erhielt, waren die Sicherheitsvorkehrungen im Gericht entsprechend hoch.

Konkret wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor, dass der Unfall hätte verhindert werden können, wäre er mit angepasster Geschwindigkeit gefahren. Laut Staatsanwaltschaft sei der Audi mit 73 bis 91 Kilometer pro Stunde unterwegs gewesen. Erlaubt waren in dem Bereich 70 Stundenkilometer.

Warum der Audi gegen den Baum prallte ist weiter unklar. Quelle: Julian Stähle

Der Angeklagte konnte sich an den Unfallhergang nicht mehr erinnern. Auch sonst gab es keine verwertbaren Spuren, die Aufschluss darüber geben könnten, warum der Wagen gegen den Baum prallte. Das Gericht konzentrierte sich daher vor allem darauf, mehr über das Fahrverhalten des damals 20-Jährigen herauszufinden. Dieser war zum Unfallzeitpunkt erst seit gut vier Wochen im Besitz einer Fahrerlaubnis.„Das Auto habe ich von meinem Vater bekommen und bin damit jeden Tag zur Arbeit gefahren“, erzählte der Angeklagte. Regelmäßig saßen Freunde mit im Wagen. Ein Freund, der am Tag des Unfalls ebenfalls mit dem Angeklagten und den beiden Getöteten unterwegs war, jedoch nicht mit zurück nach Schönwalde fuhr, beschrieb den Fahrstil des Angeklagten als rasant und schnell. „Wie ein 20-Jähriger halt Auto fährt“, erklärte er. Zehn oder 20 Kilometer pro Stunde zu schnell seien schon mal vorgekommen.

Freunde berichten von rasantem Fahrstil

Eine 17-jährige Zeugin aus Falkensee berichtete von einer Fahrt, bei der insgesamt sechs Personen im Auto saßen. Noch drastischer beschrieb ein anderer Zeuge, der rund 20 Mal mit ihm unterwegs war, den Fahrstil des Angeklagten. Demnach seien sie schon mal mit 140 Kilometer pro Stunde durch eine 60er-Zone gefahren oder durch einen Wendehammer gedriftet. „Hatten sie dabei jemals ein ungutes Gefühl?“, wollte der Richter vom Zeugen wissen. „Ich bin ein Jugendlicher, das war halt lustig“, so die Antwort. An mögliche Konsequenzen hätte auch er nicht gedacht.

Gab es ein zweites Auto?

Mit welcher Fahrweise der Angeklagte mit dem Auto am Unfalltag unterwegs war, darüber konnten die Zeugenaussagen nicht aufklären. Was sich jedoch zeigte: Der Unfallwagen kam nicht wie zunächst vermutet aus dem Havelländer Weg, sondern aus Richtung Falkensee. Dies belegte ein Gutachter. Zudem betrachtete das Gericht einen Snapchat-Post, den Courtney nur wenige Minuten vor dem Unfall aus dem fahrenden Auto heraus veröffentlicht hatte. Auch die Aufnahmen deuten darauf hin, dass die Jugendlichen auf der L20 unterwegs waren. Dennoch gaben Zeugen bei der Polizei an, sie hätten einen Wagen aus dem Havelländer Weg rausfahren gesehen. Weil diese Zeugen, ebenso wie der Polizist, der die Zeugenaussage aufgenommen hatte, nicht zur Verhandlung geladen waren, blieb dem Gericht nichts anderes übrig, als die Verhandlung zu vertagen.

Verhandlung wird in zwei Wochen weitergeführt

Schließlich gilt es die Frage zu klären, ob es womöglich ein zweites Auto gegeben hat, das für den Unfallhergang von Bedeutung sein könnte. Die Verhandlung soll in zwei Wochen fortgesetzt werden. Zu diesem Termin werden die fehlenden Zeugen geladen.

Von Danilo Hafer

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