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Falkenseer Achim Meinel spricht Kunstsprache

Am 26. Juli ist Esperanto-Tag Falkenseer Achim Meinel spricht Kunstsprache

Achim Meinel erinnert sich noch gut daran, wie er vor Jahren einmal mit einem japanischen Freund Essen war. Den ganzen Abend unterhielten sich die beiden angeregt, obwohl der Falkenseer kein einziges Wort Japanisch sprach und sein Gegenüber weder Deutsch noch Englisch. Aber beide beherrschten die Kunstsprache Esperanto.

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Achim Meinel spricht seit Ende der 60er Jahre Esperanto.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Falkensee. Achim Meinel erinnert sich noch gut an die verdutzten Blicke des Kellners, als er vor Jahren einmal mit einem japanischen Freund essen war. Den ganzen Abend unterhielten sich die beiden angeregt, obwohl Achim Meinel kein einziges Wort Japanisch sprach und sein Gegenüber weder Deutsch noch Englisch. Aber beide beherrschten Esperanto: eine Kunstsprache, die geschaffen wurde, um die Verständigung von Menschen unterschiedlicher Nationen zu erleichtern. Sie geht zurück auf eine Initiative des polnischen Augenarztes Ludwik Lejzer Zamenhof. Am 26. Juli 1887 veröffentlichte er eine Broschüre mit den Grundlagen der neuen Sprache. In Gedenken daran wird am Sonntag weltweit der Esperanto-Tag gefeiert. Außerdem startet an diesem Wochenende im nordfranzösischen Lille ein Weltkongress von Esperantisten.

Auch Achim Meinel hat schon oft an solchen Kongressen teilgenommen. In diesem Jahr aber bleibt er zu Hause in Falkensee. Der 75-Jährige und seine Frau Karsta sprechen Esperanto, seit Meinel Ende der Sechzigerjahre von einem befreundeten Arbeitskollegen zu einem Vortrag des DDR-Kulturbundes mitgenommen wurde. „Er hat gesagt, wir können doch nicht immer bloß Bier trinken“, erinnert sich Achim Meinel. Erst wenige Jahre zuvor hatte sich der Esperanto-Dachverband der DDR neu gegründet, nachdem die Anhänger unter den Nationalsozialisten und später auch zu Zeiten Stalins verfolgt und zum Teil sogar ins Arbeitslager nach Sibirien geschickt worden waren. „Man hatte Angst, von dieser Agentensprache, wie sie es nannten, unterwandert zu werden“, erzählt Meinel.

Esperanto: Eine Einführung

Die meisten Esperanto-Wörter stammen aus dem Lateinischen und romanischen Sprachen wie dem Französischen, Spanischen und Italienischen. Etwa ein Viertel kommt aus germanischen Sprachen wie Deutsch oder Englisch. Daneben gibt es auch Wörter aus slawischen Sprachen, besonders dem Polnischen und dem Russischen.

In der Grundform enden alle Verben auf -i (vivi = Leben), Adjektive auf -a (viva = lebendig) und Substantive auf -o (vivo = Leben). Zur Bildung der Mehrzahl wird an Adjektiv und Substantiv jeweils ein -j angehängt.

Ein logisches Wortbildungssystem aus Vor- und Nachsilben reduziert die Anzahl zu lernender Vokabeln erheblich. Beispiel: San-a = gesund; sanu-ul-o = der Gesunde (ul = Person); mal-san-a = krank (mal = Gegenteil); mal-san-ul-ej-o = Krankenhaus (ej = Ort).

Dabei geht es beim Esperanto doch um etwas ganz anderes: „Esperanto ist die Sprache der internationalen Verständigung“, sagt Achim Meinel. Der ursprüngliche Gedanke, dass alle Menschen miteinander reden und dadurch Missverständnisse und Kriege vermieden werden können, sei zwar naiv gewesen, meint er. „Es hat auch schon Kriege zwischen Ländern mit gleicher Sprache gegeben, man denke nur an Preußen und Österreich.“ Ansonsten aber sei Esperanto ein gutes Hilfsmittel, um mit anderen Menschen zu kommunizieren. Achim Meinel hat unter anderem Freunde in Tschechien und Norwegen, Kanada, Kuba und Brasilien. „Wenn ich überlege, wie viele Sprachen ich dafür ohne Esperanto hätte lernen müssen“, sagt er. Der Falkenseer korrespondiert weltweit, einige der Brieffreunde hat Meinel sogar schon persönlich besucht. „Esperantisten sind im Allgemeinen sehr aufgeschlossene Menschen, die Interesse an der Kultur und dem Leben anderer Völker haben“, erklärt er.

Der große Vorteil an Esperanto sei, dass es relativ leicht zu erlernen ist. „Es gibt nicht diese verflixten Ausnahmen wie in vielen anderen Sprachen“, sagt Achim Meinel. Nur 16 Grammatikregeln gibt es, vieles lässt sich ableiten – und alles wird so geschrieben, wie es gesprochen wird. Der 75-Jährige ist überzeugt: „Kinder die Esperanto beherrschen, haben es später leichter, eine andere Sprache zu lernen.“Zur Wahrheit über Esperanto gehört aber auch, dass sich die Plansprache international nie wirklich durchgesetzt hat. Einige Schätzungen gehen von weltweit zwei Millionen Esperanto-Sprechern aus, andere von lediglich 150 000. Die Rolle, die Esperanto einst beanspruchte, hat längst die englische Sprache übernommen. Zwar interessieren sich auch heute noch junge Leute für Esperanto, aber sie lernen die Sprache vorwiegend übers Internet und organisieren sich nicht mehr wie früher in Ortsgruppen. „Da geht es uns nicht anders als den Philatelisten“, sagt Achim Meinel.

Relativ populär ist Esperanto allerdings unter Eisenbahnern. Die Internationale Eisenbahner Esperanto-Föderation ist die größte berufsbezogene Fachgruppe der Esperantisten weltweit. Achim Meinel ist Vorsitzender der deutschen Sektion. Er zitiert den Leitspruch des Esperanto-Eisenbahner: „Schienen verbinden Länder. Esperanto verbindet Menschen.“ In der Branche gilt die Sprache sogar als Brückensprache zur Übersetzung von Eisenbahn-Fachbegriffen in kleinere Sprachen wie Litauisch oder Ungarisch.

Von Philip Häfner

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