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Nauen Dem ländlichen Raum geht es besser als erwartet
Lokales Havelland Nauen Dem ländlichen Raum geht es besser als erwartet
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01:16 31.08.2018
Udo Folgart (rechts) und Johannes Funke vom Vorstand der LAG Havelland begutachten in Ribbeck eine Scheune, die mit Fördermitteln für die Entwicklung des ländlichen Raumes saniert wird. Quelle: Ralf Stork
Ketzin/Havel

Es ist erst ein paar Jahre her, da lasen sich die Zukunftsprognosen für weite Teile Brandenburgs wie apokalyptische Science-Fiction-Romane: In der Peripherie – da waren sich die Planer sehr sicher – würde man viele Orte aufgeben müssen. Zum Teil würden die Dörfer quasi von selbst aussterben. Anderswo würde man die letzten störrischen Einwohner vielleicht zwangsumsiedeln müssen, um wenigstens die größeren Ortschaften erhalten zu können.

Heute spricht kein mehr davon, dass Orte aufgegeben werden müssen

„Von solchen Szenarien sind wir heute zum Glück meilenweit entfernt“, sagt Udo Folgart bei einem Rundgang in Ribbeck. Der SPD-Landtagsabgeordnete ist Mitglied der Enquete-Kommission, die für den Landtag nach Lösungsansätzen für die Zukunft des ländlichen Raumes sucht. Alle vier bis fünf Wochen kommen die Parlamentarier und Experten zusammen. Das nächste Treffen der Kommission beginnt am Freitag, 31. August, um 10 Uhr im Bürgersaal der Stadt Ketzin/Havel.

„Es geht darum, dass die Mitglieder der Kommission sich ein realistisches Bild vom ländlichen Raum machen können“, sagt Folgart. Das Gremium wurde vor dreieinhalb Jahren ins Leben gerufen. Seither hat sich die Einschätzung der ländlichen Regionen schon stark verändert. „Wir sehen immer wieder, dass der ländliche Raum lebt, dass selbst kleine Orte, von denen man das nie für möglich gehalten hätte, plötzlich sogar Zuzug haben“, sagt Folgart.

Der demografische Absturz ist vielerorts gestoppt

Der Trend, der den demografischen Absturz vielerorts abbremsen oder sogar stoppen kann, wird von Rückkehrern ausgelöst, die nach Ausbildung und Familiengründung in ihre Heimat zurückkehren, weil es dort noch bezahlbaren Wohnraum gibt.

Dieses Phänomen kennt auch Bernd Lück (FDP). Der Bürgermeister von Ketzin ist am Freitag Gastgeber der Enquete-Kommission und hat den Abgeordneten einiges zu erzählen: „Für Ketzin lagen die Zahlen für die demografische Entwicklung viele Jahre lang komplett daneben“, sagt Lück.

Ketzin hat rund 1000 Einwohner mehr als prognostiziert

Nach einer Prognose des statistischen Landesamtes sollte die Havelstadt im Jahr 2015 nur noch 5000 Einwohner haben. Später wurde die Zahl auf 5500 korrigiert. Aber auch das bleibt weit von der Realität entfernt: „Aktuell haben wir knapp 6600 Einwohner, also rund 1000 mehr als erwartet“, sagt Lück.

Die Stadt profitiert nicht nur von Rückkehrern, sondern auch von jungen Familien, die rausziehen, weil Wohnen hier noch viel günstiger ist als in Berlin und Potsdam. Die eigentlich positive Entwicklung bringt aber auch Nachteile mit sich. „Seit 2010 erzähle ich dem Land, dass die tatsächliche Entwicklung in Ketzin ganz anders verläuft als prognostiziert“, sagt Lück.

Weil die Landespolitik aber an den alten Zahlen festhielt und Kitas und Schulen dementsprechend plante, platzen die Bildungseinrichtungen jetzt aus allen Nähten. „Wir müssen dringend in den Ausbau von Kitas und Schulen investieren“, sagt der Bürgermeister.

Schulen und Kitas platzen aus allen Nähten

Vor fünf Jahren, als man das Problem vor Ort schon erkannte, wären die nötigen Bauprojekte noch deutlich günstiger gewesen. Lück hofft deshalb darauf, dass das Land Brandenburg Städte wie Ketzin bei den nötigen Investitionen unterstützen wird.

Die Sitzung der Enquete-Kommission Ländlicher Raum im Bürgersaal von Ketzin ist öffentlich. Von 15 bis 16 Uhr wird eine Bürgersprechstunde angeboten.

Von Ralf Stork

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