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Nauen Nach 33 Jahren als Richter ist Schluss
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15:54 27.11.2018
21 Jahre leitete Dieter Neumann das Amtsgericht Nauen. Quelle: Tanja M. Marotzke
Nauen

Nach 21 Jahren und elfeinhalb Monaten heißt es für Dieter Neumann an diesem Freitag: Abschied nehmen. Seit 1996 war der 65-Jährige als Richter am Amtsgericht Nauen tätig, seit 1997 leitete er zudem als Direktor die Verwaltung des Gerichts. Nun geht der gebürtige Siegener und Wahlpotsdamer in den Ruhestand. „Ich hätte mir durchaus vorstellen können noch weiter als Richter in Nauen oder an einem anderen Gericht zu arbeiten, aber das erlaubt das Gesetzt nicht“, so Neumann.

Neumann kam nach der Wende nach Brandenburg

Der Jurist, der seit 1985 in Köln als Richter gearbeitet hatte, kam direkt nach der Wende nach Brandenburg. „Ich wollte hier beim Aufbau der Justiz helfen“, erzählt er. Nach Stationen im damaligen Kreisgericht Zossen und dem Brandenburger Justizministerium kam Dieter Neumann schließlich nach Nauen. Zunächst als stellvertretender Direktor und ein Jahr später als Leiter des Amtsgerichts. An die Anfänge erinnert er sich noch genau.

„Als ich hierher kam, gab es den Neubau noch nicht und das Gericht war auf fünf Standorte in der Stadt verteilt, das machte die Arbeitssituation sehr sehr schwierig“, so Neumann. Auch die Ausstattung ließ zu wünschen übrig. So gab es für den Bereich Grundbuch nur einen Zentralrechner mit 19 Anschlüssen, viel zu wenig für die Mitarbeiter. Verbessert hat sich die Situation erst mit dem Neubau und der Sanierung der beiden Hauptgebäude in der Paul-Jerchel-Straße. Heute sind 66 Mitarbeiter am Amtsgericht beschäftigt.

Bis zuletzt im Gerichtssaal

Neumanns Hauptaufgabe als Gerichtsdirektor war es dabei, den Richtern und Rechtspflegern alle Mittel zur Verfügung zu stellen, damit sie ihre Tätigkeit ausüben können. Dabei saß auch der Direktor bis zuletzt als Richter im Verhandlungssaal. „Es ist eine gute Tradition, dass Direktoren auch immer noch als Richter tätig sind“, so Neumann. Dabei war der Job nicht immer leicht. „Der Richterberuf ist ein außerordentlich schöner, aber auch sehr schwieriger. Ich hatte anfangs nicht gewusst wie schwierig er ist“, sagt Neumann. Als Richter für Zivil-, Nachlass-, aber auch Straf- und Familiensachen, hat Dieter Neumann viele Schicksale miterlebt.

„Man bekommt als Richter so viele unfassbar schreckliche Dinge mit, davon kann man sich als Außenstehender gar keinen Begriff machen“, so Neumann. Als Richter müsse man daher den Spagat schaffen, sich tiefgründig mit jedem Fall zu befassen und hinterher zu versuchen, das Gesehene wieder zu vergessen. „Manche Dinge darf man einfach nicht an sich ranlassen“, sagt er. Dass der Beruf dennoch viele schöne Seiten hat, erlebte Dieter Neumann in seinem letzten Fall als Richter in Nauen. In dem Zivilprozess fanden sich zwei Kleingärtner vor Gericht wieder, es ging um eine körperliche Auseinandersetzung. Als Dieter Neumann die Verhandlung vorbereitete, sah er keine Möglichkeit, dass es zu einem Vergleich und somit einer gütlichen Lösung kommt. Doch dann die Überraschung:

Ein Richter braucht Ruhe und Gelassenheit

„Nach einer Stunde Verhandlung, in der wir alles in Ruhe besprochen hatten, gaben sich die beiden gestandenen Männer die Hand, daran hätte vorher niemand geglaubt“, so Neumann. Genau das ist für den Gerichtsdirektor das schöne am Richterberuf, dass es mitunter gelingt, zwischen den Menschen wieder einen Frieden herzustellen. Die juristische Leidenschaft liegt bei dem 65-Jährigen übrigens in der Familie. Schon sein Vater studierte Jura, ebenso wie Neumanns Sohn. Seine Frau Ramona Pisal ist Präsidentin des Landgerichts Cottbus. Einzig die Tochter entschied sich für einen anderen Weg und studierte Psychologie.

„Auch als Richter braucht man neben dem reinen juristischen Fachwissen auch soziale und psychologische Fähigkeiten, Ruhe und Gelassenheit, verbunden mit einer Sympathie für Menschen“, sagt Dieter Neumann.

Von Danilo Hafer

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