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Nauen Containerdorf für 400 Flüchtlinge in Dallgow
Lokales Havelland Nauen Containerdorf für 400 Flüchtlinge in Dallgow
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00:30 31.05.2015
Die Flüchtlinge sollen in Containern wie diesen untergebracht werden. Quelle: dpa
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Dallgow-Döberitz

Angesichts ständig steigender Flüchtlingszahlen sucht der Landkreis Havelland weiter fieberhaft nach geeigneten Standorten für Asylbewerberunterkünfte. Die nächste soll nun offenbar in Dallgow-Döberitz entstehen. Bürgermeister Jürgen Hemberger (Freie Wähler) informierte die Gemeindevertreter am Mittwochabend darüber, dass an der Kleiststraße ein Containerdorf für 400 Menschen entstehen soll. Damit wäre das Dallgower Flüchtlingsheim das größte im Havelland. Hemberger selbst hatte erst am Morgen von der Entscheidung des Landkreises erfahren.

Das betreffende Grundstück befindet sich zwischen Kleiststraße und Königsgraben, es hat eine Größe von über 13.000 Quadratmetern und befindet sich im Besitz der Gemeinde. Offenbar wird das Gelände für einen Zeitraum von zunächst drei Jahren an den Landkreis verpachtet. „Verkaufen wollte ich es nicht“, sagte Hemberger.

Die ersten Asylbewerber sollen bereits im Oktober 2015 einziehen. Zuvor ist noch eine Informationsveranstaltung für die Einwohner geplant. Der genaue Termin dafür steht noch nicht fest, wahrscheinlich ist aber eine Bürgerversammlung in der ersten Juni-Hälfte im Marie-Curie-Gymnasium.

Kritik von Politikern und Anwohnern

Die Flüchtlinge werden in Containern untergebracht. Nach Aussage von Jürgen Hemberger ist es damit sehr wahrscheinlich, dass ein Großteil der Bewohner Alleinreisende sind und nur wenige Familien nach Dallgow kommen. Daher habe das Vorhaben so gut wie keine Auswirkungen auf die Schul- und Kitaeinrichtungen in der Gemeinde. Nach Angaben des Bürgermeisters soll das Containerdorf im Anschluss vollständig zurückgebaut werden.

Blick in eine Containersiedlung für Asylbewerber in Berlin. Quelle: dpa

Bei den Gemeindevertretern und den Gästen der Sitzung stieß das Vorhaben auf Kritik. „Es handelt sich um eine Einfamilienhausgegend. Wenn dort jetzt eine zweigeschossige Containersiedlung entsteht, sieht es aus wie am Potsdamer Platz in Berlin“, schimpfte ein Anwohner. Sven Richter (CDU) äußerte sich entsetzt: „Nicht, weil wir ein Flüchtlingsheim bekommen, sondern weil wieder einmal eine Gemeinde vor vollendete Tatsachen gestellt worden ist.“ Ähnliche Kritik hatte es in der Vergangenheit auch in Falkensee und in Wustermark gegeben, wo ebenfalls Asylbewerberunterkünfte entstehen.

Petra Budke von den Grünen bedauerte, dass Wolfgang Gall, der zuständige Sozialdezernent des Landkreises, nicht persönlich gekommen war, um die Nachricht zu überbringen. Gall stammt selbst aus Dallgow. Im Sozialausschuss der Gemeinde hatte er Mitte April verkündet, es gebe „noch kein konkretes Grundstück oder eine Platzzahl“ für ein mögliches Flüchtlingsheim in Dallgow-Döberitz. Dass der Kreis auch dort nach Flächen suchte, war allerdings bekannt. Die Verwaltung hat sich bislang nicht zu den konkreten Plänen geäußert.

Willkommensinitiative geplant

„Der Landkreis steht ganz offensichtlich unter Zeitdruck, die wachsende Zahl an Asylbewerbern unterzubringen“, sagte Hans Peter Pförtner (Bürgerbündnis Dallgow). Das erkläre das Vorgehen zwar, rechtfertige es aber nicht. „In einer Gemeinde, die von jungen Familien dominiert wird, 400 Einzelpersonen unterzubringen, finde ich äußerst unsensibel.“ Die Grünen regten an, die 400 Neuankömmlinge doch wenigstens an mehreren Orten in der Gemeinde unterzubringen, in Gruppen mit maximal 100 Menschen.

Die SPD versuchte zu beschwichtigen. Man dürfe die ganze Sache nicht so negativ sehen, sagte Fraktionschef Heinrich Maidhof. 13.000 Quadratmeter seien eine ausreichend große Fläche für diese Zahl von Asylbewerbern. „Als Kommune haben wir die Verpflichtung uns an der Lösung des Flüchtlingsproblems zu beteiligen. Wir sollten nicht immer gleich Bedenken äußern, damit liefern wir bloß den Rechtsextremen neue Argumente.“ In Dallgow soll nun eine Willkommensinitiative entstehen. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Parteien, die Kirche und die Sportvereine zusammen mit den Bürgern durch Veranstaltungen, Mitmach-Angebote, viele Kontakte und Patenschaften daran arbeiten, dass sich die Flüchtlinge in unserem Ort willkommen fühlen und Teil der Gesellschaft werden“, so der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Peter-Paul Weiler. „Das sind die elementaren Voraussetzungen für einen guten Start und ein gutes Miteinander.“

Flüchtlingsunterkünfte existieren im Havelland bereits in Friesack, Premnitz und Rathenow. Weitere werden derzeit in Nauen und Falkensee errichtet, auch in Wustermark soll ein Heim entstehen. Brieselang und Schönwalde-Glien sind die beiden einzigen Gemeinden im Ostteil des Kreises, aus denen noch keine Pläne zum Bau neuer Unterkünfte bekannt sind. Noch.

Von Philip Häfner

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