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Nauen Behörde zieht Führerschein eines gehbehinderten Rentners ein – grundlos
Lokales Havelland Nauen Behörde zieht Führerschein eines gehbehinderten Rentners ein – grundlos
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11:48 19.11.2018
Peter-Jürgen Schneider und sein roter Fiat. Quelle: Tanja M. Marotzke
Nauen

 Im Hof des Mehrfamilienhauses in der Ketziner Straße 6 in Nauen steht der kleiner rote Fiat von Peter-Jürgen Schneider. Die Witterung hat dem Auto schon zugesetzt, denn es wurde lange nicht bewegt. Was nicht etwa daran liegt, dass der 75-Jährige nicht mehr mit dem auf eine Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern begrenzten Auto fahren kann oder will – er darf es nicht. „Eine Frau von der Führerscheinstelle des Landkreises Havelland kam zu mir nach Hause und hat meinen Führerschein der Klasse AM eingezogen“, sagt der gehbehinderte Rentner.

Jetzt ist Peter-Jürgen Schneider, der nicht ohne zwei Krücken laufen kann, kaum noch mobil. Lediglich mit dem elektrischen Rollstuhl, dem ihm seine Lebenspartnerin Rosemarie Schönbeck gekauft hat, kann er sich in der Stadt bewegen.

2005 den roten Fiat gekauft

Der Führerschein-Fall Schneider und die Hintergründe sind kaum nachzuvollziehen. So hatte der Rentner, der früher als Landwirt gearbeitet hat und aus dem Kreis Ostprignitz-Ruppin 2002 nach Nauen gezogen ist, nach eigenen Angaben schon lange den Führerschein der Klasse L (Landwirtschaftliche Fahrzeuge) und M, heute AM (für Mopeds und geschwindigkeitsreduzierte Fahrzeuge).

Er fuhr meistens mit einem Traktor. 2005 kaufte er sich dann für private Touren den roten Fiat, hat dafür auch den Führerschein der Klasse M bei einem Fahrlehrer aus Paulinenaue gemacht. „Ich war immer unfallfrei unterwegs, nie ist etwas gewesen“, sagt Schneider.

Bis er in der Hertefelder Straße in Nauen vor Jahren von der Polizei kontrolliert wurde und die Beamten feststellten, dass im Führerschein die Klasse M nicht eingetragen war. „Ich durfte nicht weiterfahren. Das Auto blieb dort stehen. Verwandte mussten es abholen“, so Schneider.

Der Fall landete 2006 vor dem Amtsgericht Nauen

Es kam im Sommer 2016 zu einer Gerichtsverhandlung in Nauen. Peter-Jürgen Schneider wurde vorgeworfen: „Vorsätzliches Fahren ohne Fahrerlaubnis“. Glück im Unglück: Seine Lebenspartnerin fand kurz vor dem Verhandlung in den Unterlagen von Peter-Jürgen Schneider die vorläufige Fahrerlaubnis mit der Berechtigung für die Klasse L und M, so dass „der Richter mich von jeder Schuld freigesprochen hat“, sagt Schneider. Es musste also beim Eintragen der Führerscheinklassen ein Fehler passiert sein, was der Rentner beim Abholen der Papiere nicht bemerkt hatte.

Nach dem Freispruch schienen alle Mobilitätsprobleme aus der Welt. Der 75-Jährige konnte mit dem Fiat wieder durch die Gegend fahren. Dann geriet er in Nauen erneut in eine Verkehrskontrolle. „Die Beamten hatten zunächst gedacht, ich wäre wieder ohne gültigen Führerschein unterwegs. Sie brachten mich nach Hause, wo ich ihnen das Gerichtsurteil zeigen konnte“, erinnert sich Schneider. „Dann haben sie sich verabschiedet und waren zufrieden.“

Erneut läuft ein Gerichtsverfahren

Als Peter-Jürgen Schneider diesen Ärger schon fast vergessen und abgehakt hatte, flatterte ihm im Juni 2017 ein Brief von der Führerscheinstelle des Kreises ins Haus. „Darin stand, dass sie mir die Führerscheinklasse AM wieder wegnehmen wollen. Ich sollte den Führerschein umgehend abgeben“, so Schneider. Da er keinen Grund sah, behielt er seinen Führerschein. Bis Ende Februar dieses Jahres eine Frau von der Führerscheinstelle vor seiner Tür stand und das Dokument eingezogen hat. Ohne Begründung, wie er sagt.

Auf Nachfrage beim Landkreis Havelland war zu erfahren, dass „ es sich um ein laufendes Gerichtsverfahren am Verwaltungsgericht Potsdam handelt“, so Sprecherin Caterina Rönnert. Deshalb könne sie zu dem Fall keine Auskunft geben.

Von Jens Wegener

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