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Nauen Christliche Suchthilfe im Havelland
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00:21 10.10.2018
Betroffene, Sozialarbeiter, Gründer und Helfer aus aller Welt: Das Projekt Fazenda de Esperanca bringt die Menschen global zusammen. Quelle: Carsten Scheibe
Markee

 Markee liegt weit draußen auf dem flachen Land. Die abgeernteten Felder ziehen sich bis zum Horizont, in der Ferne drehen sich die Flügel der vielen Windräder – nur eine dünne asphaltierte Strecke weist den Weg. Hier, mitten im scheinbaren Nirgendwo, hat vor genau 20 Jahren Pfarrer Georg Schlütter einen alten verfallenen Gutshof von der Treuhand übernommen und mit viel Muskelkraft und viel Initiative eine deutsche Fazenda de Esperanca ins Leben gerufen.  

Hof der Hoffnung

Eine Fazenda de Esperanca ist ein „Hof der Hoffnung". 1983 vom Franziskaner Frei Hans Stapel und Nelson Giovanelli in Guaratinguetá bei São Paulo in Brasilien begründet, ist die Fazenda de Esperanca eine sehr ungewöhnliche christliche Suchthilfe. 90 dieser speziellen Höfe gibt es allein in Brasilien, weltweit sind es noch viel mehr. 15 Fazendas sind in Europa im Betrieb, sieben davon in Deutschland – fünf für Männer, zwei für Frauen.  

Christliche Suchthilfe

Franz Schulte vom Leitungsteam der Fazenda in Markee: „Unser Hof der Hoffnung versteht sich als christliche Suchthilfe und ist oft der allerletzte Ausweg für Menschen, die am Ende einer langen Suchtkarriere bereits alle Brücken hinter sich abgebrochen haben und die von den Menschen aufgegeben wurden. Wir zeigen ihnen einen Weg aus der Sucht und der Orientierungslosigkeit."

 hne Alkohol, Drogen und Internet

Das Prinzip ist so einfach wie verständlich. Die Menschen, die sich der Fazenda anvertrauen, verzichten während ihrer Zeit auf dem Hof der Hoffnung auf Alkohol, Zigaretten, Internet und andere weltliche Einflüsse. Sie leben gemeinsam in Mehrbettzimmern, übernehmen konkrete Tagesaufgaben, kümmern sich um den Anbau von Obst und Gemüse und pflegen die Tiere.

Franz Schulte erklärt das Prinzip: „Wir versorgen uns zu großen Teilen aus eigener Kraft. Die vielfältigen Aufgaben müssen bewältigt werden, sonst haben wir nichts zu essen. So finden die Süchtigen einen Weg in einen geregelten Tagesablauf, lernen das Miteinander, bekommen wieder Respekt vor sich selbst. Unsere Höfe sind anerkannte Therapieeinrichtungen."

Besuch aus Brasilien

 Am Sonnabend wurde das Franziskusfest auf Gut Neuhof begangen. Viele Nachbarn, Freunde der Einrichtung und Mitarbeiter aus aller Welt schauten auf dem Gelände vorbei, um 35 Jahre Fazenda weltweit und 20 Jahre Gut Neuhof zu feiern. Aus Brasilien war sogar Pater Loiz als frisch gewählter Präsident der Fazendas angereist.  

Ein ganz wichtiger Besucher: Der Berliner Stefan, den alle nur Icke nennen. Er war von 2008 bis 2010 auf Gut Neuhof. Er erzählt: „Man muss schon relativ fertig sein, bevor man hier landet. Ich hatte vor allem Probleme mit dem Alkohol. Ich hatte schon drei staatliche Therapien und mindestens 50 eigene Entgiftungen hinter mir. Mein Arzt hat gesagt, ich werde mich zu Tode saufen, meine Familie hatte mich aufgegeben. Da fand ich einen Flyer von der Fazenda. Die haben mich sofort aufgenommen. Das Ding war: Ich hab denen abgenommen, was die mir erzählt haben, viele Betreuer hatten ja selbst den Weg hinter sich, den ich gegangen bin. Die waren auch immer für mich da, wenn es mir schlecht ging, auch mitten in der Nacht. Das Religiöse war mir erst suspekt, aber im Nachhinein muss ich sagen, die Spiritualität, die gehört eben auch mit dazu. Der Weg nach der Fazenda war kein leichter, aber inzwischen bin ich acht Jahre trocken, es geht mir gut."

 Auch Nauens Bürgermeister Manuel Meger besuchte das Franziskusfest: „Ich bin tatsächlich das erste Mal hier auf dem Gut Neuhof. Ich bin sehr beeindruckt von dem, was hier aufgebaut wurde und geleistet wird."  

Zurzeit leben elf „Betroffene“, wie die Fazenda die Süchtigen nennt, auf Gut Neuhof. Der jüngste ist 18 Jahre alt, der älteste 59. Fünf Freiwillige kümmern sich vor Ort um sie. Auch wenn all die vielen Besucher nach dem Franziskusfest schon lange wieder gegangen sind.

Von Carsten Scheibe

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