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Nauen „Ich bin eher ein kreativer Mensch“
Lokales Havelland Nauen „Ich bin eher ein kreativer Mensch“
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18:24 30.07.2018
Am Dienstag endet die Amtszeit von Vize-Bürgermeisterin Marion Grigoleit (59) im Nauener Rathaus. Quelle: Andreas Kaatz
Nauen

Sechzehn Jahre lang hat Marion Grigoleit als Vize-Bürgermeisterin die Geschicke der Stadt Nauen mitgeleitet. Am 31. Juli läuft ihre zweite Amtszeit als 1. Beigeordnete aus, für eine weitere hatte sie sich nicht beworben. Im Interview blickt sie zurück und sagt, worauf sie besonders stolz ist und was sie hätte besser machen können.

Nachdem der langjährige Bürgermeister Detlef Fleischmann Anfang des Jahres das Rathaus verlassen hatte, gehen nun auch Sie nach 16 Jahren als Vize-Bürgermeisterin und Kämmerin. Hatten Sie keine Lust mehr auf eine weitere Amtszeit?

Marion Grigoleit: Nach 16 Jahren verspüre ich doch eine gewisse Amtsmüdigkeit. Ich möchte zum Beispiel nicht noch einen 17. Haushalt aufstellen. Die Routine erdrückt mich ein wenig, denn ich bin eher ein kreativer Mensch. Da brauche ich immer mal neue Betätigungsfelder und Herausforderungen. Darum hatte ich auch von Beginn an neben den ausgeschriebenen Aufgaben zudem die kommunalen Gesellschaften GGN und die Gewogena übernommen, aber auch die Kultur- und die Seniorenarbeit neu entwickelt.

Spielten bei Ihrem Abschied auch die, im Laufe der Zeit veränderten politischen Konstellationen eine Rolle?

Das kann man so nicht sagen. Es gab sicherlich nicht nur leichte Zeiten. Insbesondere nach der Gemeindegebietsreform wurde die Problemlage eine andere. Der Ton wurde schärfer. Oft ging es nicht um die Sache, sondern schlichtweg um Opposition. Allerdings bin ich grundsätzlich ein Mensch des Konsens‘. Und weitestgehend gelang es mir auch immer, einen Konsens zu finden. Ich schaue allerdings skeptisch in die Zukunft und sehe mit der nächsten Kommunalwahl im Mai 2019 einen deutlichen Rechtsruck, der mir Sorgen bereitet.

Gehen Sie mit einem guten Gefühl?

Durchaus. Was ich in der Zeit machen konnte, das habe ich geschafft. Dazu gehört in erster Linie, einen stabilen Haushalt mit guten Rücklagen aufzustellen und die Hälfte der Kreditschulden – etwa 16 Millionen Euro – abzutragen. Außerdem gelang es, moderne Verwaltungsstrukturen aufzubauen, die Verwaltung am Rathausstandort zu konzentrieren, die Verwaltungsgebäude zu sanieren sowie die Grundstücksgesellschaft zu entschulden und eine stabile Dienstleistungsgesellschaft mit vielen zentralen Aufgaben aufzubauen. Wichtig war es unter anderem auch, für die Großbauten wie die Stadtbad-Umgestaltung, die geplante Erweiterung der Graf-Arco-Schule und den Hortneubau an gleicher Stelle die Finanzierung abzusichern.

Ein wenig Wehmut ist sicherlich aber auch dabei, wenn Sie die Verwaltung nach so langer Zeit verlassen…

Vor allem wenn ich an die gute und konstruktive Zusammenarbeit insbesondere mit den Mitarbeitern meines Fachbereiches denke, für die ich ihnen von Herzen danke. Wir sind in den Jahren eng zusammengewachsen, haben gemeinsam an der Erreichung unserer Ziele gearbeitet und ein gutes Vertrauensverhältnis erreicht.

Wenn Sie zurück blicken, was war die schwierigste Zeit?

Die ersten drei Jahre meiner Amtszeit. Die waren nämlich geprägt von der Umsetzung eines straffen Haushaltssicherungskonzeptes.

Was hatte das für Folgen?

Das Schlimmste war, dass Personal abgebaut werden musste. Es ging um Menschen und Schicksale. Dass dies auf mich zukommt, wusste ich allerdings vor meinem Amtsantritt und so hatte ich von vornherein die Bedingung eines sozialverträglichen Personalabbaus formuliert. Dies ist mit verschiedenen Mitteln wie etwa Abfindungen auch gelungen. Letztlich mussten aber 16 von 81 Mitarbeitern die Verwaltung verlassen, ein Haustarifvertrag sah zehn Prozent weniger Gehalt für die verbliebenen Angestellten vor.

Einfach war sicherlich auch die Situation rund um die Wohnungsgesellschaft Gewogena nicht…

Dies zählte ebenfalls zu den Dingen, die mir zugesetzt haben. So war ich über die enorme Verschuldung erschrocken, nachdem ich mir kurz nach meinem Amtsantritt ein Bild machen konnte. Die Banken hatten offenbar bei Sanierungsmaßnahmen nur die Rentabilität für ein zu sanierendes Gebäude geprüft, ohne die ganze Gesellschaft zu betrachten. So wurden immer mehr Kredite vergeben, einer sogar per Handschlag und das nach der Wende.

Und so ließ sich die Gewogena nicht mehr retten?

Wir haben monatelang um ihren Erhalt gekämpft, aber letztlich konnten wir nur noch den Wohnungsbestand im Paket veräußern, um damit die Gesellschaft zu entschulden. Dabei gingen rund 80 Millionen Euro des kommunalen Vermögens verloren. Das tat mir für die Stadt Nauen sehr leid. Zum Glück musste der Wohnungsbestand nicht zerschlagen werden und insgesamt hatte der Eigentumswechsel für die Mieter keine negativen Auswirkungen gehabt.

Wenn es ums Geld ging, dann hatte aber die Stadt Nauen auch positive Schlagzeilen gemacht. Stichwort Doppik und der Übergang von der einfachen auf die doppelte Buchführung beim Stadthaushalt...

Dass wir den mehrjährigen Umstellungsprozess von der seit dem 17. Jahrhundert angewandten Kameralistik auf das zeitgemäße Rechnungswesen relativ schnell und souverän gemeistert haben, darauf bin ich besonders stolz. Es war für uns ein Riesenprojekt. Wir waren einer der Vorreiter im Land Brandenburg und auch bundesweit dafür bekannt.

Die Doppik erfasst beim kommunalen Haushalt den Umgang mit den Ressourcen – ähnlich wie es bei Firmen seit langem der Fall ist. So werden unter anderem auch Abschreibungen vorgenommen. Klappt dies in Nauen schon gut?

Ja, das läuft alles reibungslos. Aber leider haben wir noch nicht alle Effekte, die die Doppik mit sich bringen sollte, erreicht. Zum Beispiel spielen im politischen Raum Kennzahlen noch immer eine eher untergeordnete Rolle. Beim Bau von Kitas beispielsweise sollte man auch einen Blick auf die Kennzahl „Zuschussbedarf pro Platz“ haben, der bei sehr kleinen Kitas, wie sie jetzt in zwei Ortsteilen geplant sind, besonders hoch ist. So schön, wie kleine Kindertagesstätten sein mögen, irgendwann muss die lang anhaltende gegenwärtige Konjunktur ein Ende haben. Dann fallen uns die hohen laufenden Kosten auf die Füße und die Kita-Gebühren könnten erheblich steigen.

Sie haben an vielen Projekten in Nauen mitgewirkt, Konzepte entwickelt. Gibt es da einen Liebling?

Einen wirklichen Liebling gibt es nicht, auch wenn manche meinen, dass die Sanierung des Richart-Hofes in der Altstadt „mein Kind“ sei. Es gab oft Kritik daran, dass der Hof umgebaut wird. Aber ich denke, wenn er dann betrieben wird, werden auch die kritischen Stimmen zurückgehen.

Aber sie hatten sich schon sehr eingesetzt für das Projekt...

Ich denke, der Hof ist ein Stück erhaltenswerter Geschichte der Ackerbürgerstadt Nauen. Er ist der letzte Vier-Seiten-Hof, der noch lange von einer Ackerbürgerfamilie bewirtschaftet wurde. Grundsätzlich ist es aber bei mir so, dass ich mich einer Sache richtig widme, wenn ich von ihr überzeugt bin. Viel Herzblut habe ich unter anderem auch in die Sanierung der Dorfgemeinschaftshäuser in Groß Behnitz und Wachow gesteckt sowie in die Umgestaltung des Stadtbades Nauen. Und ich bin mir auch sicher, dass der Multifunktionssaal für 300 Leute im geplanten Erweiterungsbau an der Arco-Schule wichtig ist. Nicht zuletzt habe ich seit 2002 den Seniorenrat bei seiner Arbeit unterstützt und später im Rahmen des Demografieprojektes Konzepte entwickelt, um das Alltagsleben der Senioren zu erleichtern.

Gibt es auch Dinge in Ihrer Amtszeit, mit denen Sie hadern?

Ich bin keine Frau der vielen Worte. Mir war immer wichtig, ein Ziel schnell und effizient im Sinne der Bürger zu erreichen. Ich hätte meine Vorhaben mehr in der Öffentlichkeit kommunizieren müssen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Da denke ich insbesondere an die Entwicklung des Hauses der Begegnung zum Familien- und Generationenzentrum. Dabei ist einiges an Porzellan zerschlagen worden. Das Zentrum an sich sehe ich als Erfolgsprojekt, was die Nutzerzahlen belegen. Aber der Weg dorthin hätte einvernehmlicher gegangen werden können.

Wie geht es bei Ihnen jetzt weiter? Sie sind Ende 2017 nach Berlin-Gatow gezogen, kehren Sie Nauen komplett den Rücken?

Nein, auf keinen Fall. Zunächst bleibe ich noch Geschäftsführerin der Grundstücksgesellschaft und vermarkte bis Jahresende das Wohnbaugebiet Luchblick I. Danach könnte die GGN liquidiert werden, da sie ihre Aufgabe erfüllt hat. Es gibt aber noch eine weitere Aufgabe, der ich mich widmen möchte. Dazu werde ich mich dann später äußern.

Von Andreas Kaatz

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