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Nauen Kritik an Naturschutzplänen
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19:35 17.09.2018
Auf 1,5 Hektar wurden Pappeln umgeweht. Künftig soll der Stadt vorgeschrieben werden, was sie auf solchen Flächen nachpflanzt. Quelle: Andreas Kaatz
Nauen

Der Harvester räumt auf: Einen Stamm nach dem anderen, die auf dem Boden liegen, greift sich die Maschine und bearbeitet sie. Der Pappelbestand auf dieser 1,5 Hektar großen Fläche im Nauener Stadtwald hatte den verheerenden Stürmen im Vorjahr nichts entgegenzusetzen, wurde umgeweht.

Noch darf Stadtförster Thomas Meyer selbst entscheiden, was er auf der Fläche nachpflanzt. Doch diese Freiheit wird eventuell bald ein Ende haben. Denn dann könnte eine Naturschutzverordnung ihm vorschreiben, was er auf mehr als 300 Hektar tun und lassen darf – immerhin ein Drittel des Stadtwaldes.

Lebensraumtypen sollen geschützt werden

Mit der Umsetzung des Managementplanes für das FFH-Gebiet Leitsakgraben sollen Lebensraumtypen geschützt werden. Damit will Brandenburg Auflagen der Europäischen Union erfüllen. Doch für Thomas Meyer machen die geplanten Beschränkungen wenig Sinn: „Der Managementplan ist eine Idee, wie man mit den Flächen umgeht, aber nur durch die Brille des Naturschutzes betrachtet.“

Künftig sollen vor allem Eichen- und Buchenbestände als so genannte potenziell natürliche Vegetation schützt werden. Gleichzeitig sehe man jedoch in forstlichen Eingriffen eine Gefährdung, kritisiert der Förster. Dabei sei gerade die Eiche ein Beispiel dafür, dass „der Wald immer durch den Menschen verändert worden ist“.

Eiche verjüngst sich nicht von allein

Zum Beweis zeigt er auf die Fläche unter einem großen Eichenbaum: Von kleinen Eichenpflänzchen keine Spur. „Sie verjüngt sich nicht von allein, denn sie verträgt keinen Schatten. Man kann Eichen nur pflanzen“, so Meyer. Tut man es nicht, ist die Eiche irgendwann verschwunden. Und gibt es öfter solche Stürme wie 2017, könnte dies schneller gehen als gedacht.

Managementpläne für FFH-Gebiete

Die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg hat im Auftrag des Landes Managementpläne erstellen lassen für die FFH-Gebiete, die vom Land Brandenburg als Teile des europäischen Schutzgebietssystems Natura 2000 an die Europäische Union gemeldet wurden.

Darunter sind auch die Gebiete „Leitsakgraben“ und „Leitsakgraben Ergänzung“ nördlich von Nauen.

Dabei wurden unter anderem die Bestände bestimmter Arten und Lebensräume erfasst und bewertet. Zudem haben die Planer Ziele zu deren Erhaltung und Entwicklung formuliert, aber auch konkrete Maßnahmen erarbeitet.

Bereits 2013 äußerten die Bewohner der Waldsiedlung Kritik an der Planung, weil sie dauerhaft feuchte Keller befürchten.

Der Förster moniert zudem die drohenden gravierenden Einschränkungen bei der Aufforstung. Statt etwa Douglasien anzupflanzen, die recht schnell wachsen, weniger Pflege benötigen und verhältnismäßig schnell Ertrag bringen, dürften nur heimische Arten wie etwa Eichen angebaut werden, die erst nach 150 Jahren die Kasse klingeln lassen. Letztlich ist diese Baumart wegen der langwierigen Pflege deutlich teurer für den Forstmann als andere. Von Entschädigungen sei aber bisher keine Rede.

Förster: Klimawandel spielt keine Rolle

Und gar nicht berücksichtigt werde der Klimawandel, so Meyer. „Das ist ein Punkt, der in der ganzen FFH- und Naturschutzgebiets-Diskussion ausgeblendet wird“, kritisiert er. Zum einen entwickle sich der Eichenprozessionsspinner zu einem immer größeren Risiko, zum anderen sei es unverständlich, dass andere Baumarten, die mit Hitze und Trockenheit besser zurecht kommen, nicht angepflanzt werden dürfen – wie etwa die Esskastanie, die aus Südosteuropa stammt. Das gleiche gelte für die Douglasie.

Weitere Bäume, die schon jetzt nichts im Stadtwald zu suchen haben wie die sich rasant ausbreitende Traubenkirsche, wären unfreiwillig geschützt. „Wir könnten sie dann nicht mehr chemisch bekämpfen. Doch das ist das einzige, was hilft“, sagt der Förster. Vor allem im Bereich Weinberg, wo es auch Eichen gibt, breitet sich die Pflanze aus.

Gespräche zwischen Stadt und Land

Mitte Juli gab es ein Gespräch von Vertretern der Stadt Nauen, des Bauernverbandes und der Bürgerinitiative Pro Weinberg mit der zuständigen Staatssekretärin zu diesem Thema. Dabei ging es auch darum, Alternativen zu einer Naturschutzgebietsverordnung zu finden. Dies könnte eine Erhaltungsziel-Verordnung sein – in Verbindung mit Vereinbarungen zwischen Land und Flächeneigentümern.

Erste Gespräche mit Landnutzern, Landeigentümern und der Bürgerinitiative sowie mit Vertretern der Stadt Nauen zur rechtlichen Sicherung des FFH-Gebietes Leitsakgraben bestätigte auch Jens-Uwe Schade, Sprecher des Umweltministeriums. Erst einmal sei beabsichtigt, im November dieses Jahres einen überarbeiteten Entwurf der Naturschutzgebietsverordnung öffentlich auszulegen. „Damit beginnt dann auch erst das förmliche Verfahren zur Unterschutzstellung. Im Zuge dessen werden weitere Gespräche geführt, um zu prüfen, ob die dauerhafte Sicherung des FFH-Gebietes auch mit anderen Instrumenten erfolgen kann“, so Schade.

Forderung nach Gutachten

Wie Förster Meyer sagt, warte man noch auf ein Gesprächsangebot. Und Dirk Peters als Vertreter des Kreisbauernverbandes ist gegen Einzelgespräche mit Landeigentümern, -nutzern und Einwohnern. „Unser Ziel ist, dass wir als Gemeinschaft auftreten.“ Viele Fragen sind für ihn und weitere Landwirte nicht geklärt: „Wir fordern ein hydraulisches Gutachten, um zu wissen, was mit unserem Land passiert, wenn der Grundwasserstand erhöht wird.“ Denn es gibt die Befürchtung, dass angrenzende Flächen vernässt und so nicht mehr landwirtschaftlich nutzbar sein werden. Zudem befürchten die Bewohner der Waldsiedlung feuchte Keller.

Von Andreas Kaatz

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