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Mehr als 700 Jahre Dorfgeschichte

Wansdorf im Dorfporträt Mehr als 700 Jahre Dorfgeschichte

Wansdorf hat mehr zu bieten als sein Schloss, die restaurierte Dorfkirche und die waldreiche Umgebung des Krämer Forstes. Viele Familien entdecken das Dörfchen am Fuße des Glien und werden heimisch. Ältere Mitbürger können bleiben, weil der Ort nicht nur familien-, sondern auch seniorenfreundlich ist.

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Hässliches Entlein oder Prachtexemplar

Wansdorf, westlich von Bötzow gelegen, hat viel für seine Einwohner zu bieten. Weitere Eindrücke aus Wansdorf in der Bildergalerie unter: www.maz-online.de

Quelle: Fotos: Ulrike Gawande

Wansdorf. Was gab es alles nach der Wende für Pläne für das sogenannte neue Schloss in Wansdorf. So wird die imposante, um die Jahrhundertwende gebaute Jugendstilvilla des Vetschauer Industriellen Ferdinand Griebenow genannt. Sogar ein Kongresshotel mit Bad planten Investoren aus Hamburg. Doch immer scheiterte es an der Kommunikation mit der Eigentümerin der Villa, dem Land Berlin.

Selbst der jetzige Besitzer, Daniel Claus, der das Gebäude 2010 erwarb und seitdem Schritt für Schritt restauriert, sei bis dato nicht ins Grundbuch eingetragen, berichtet Ortsvorsteher Siegfried Spalleck beim gemeinsamen Spaziergang durchs Dorf. „Umso bewundernswerter ist es, dass Herr Claus sein Geld in die Sanierung des geschichtsträchtigen Gebäudes investiert.“ Es gäbe noch viel über die Villa zu erzählen, die mal Lazarett, dann Lehrerbildungsstätte oder Melkschule gewesen ist. Sogar ein Fluch laste auf dem Gebäude, weiß Inhaber Claus, weil dessen Bauherr einst einen Turm höher als den Kirchturm gegenüber gebaut habe.

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Wansdorf im Havelland mausert sich vom Gutsdorf in einen modern Berliner Vorort

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Die Kirche aber ist, nach der im Sommer abgeschlossenen Sanierung, wieder strahlender Mittelpunkt auf dem Dorfanger. Schon im 14. Jahrhundert als der Adelsfamilie von Redern das Dorf mit seinen Ländereien gehörte, gab es eine erste Kirche. Damals noch von einem Friedhof umgeben. Aber wieso hat man bei der Kirchensanierung eine Wand vergessen? Weshalb sind grobe Felssteine statt weißgemalter Wand zu sehen? Ortsvorsteher Spallek, der seit der Gründung vor zehn Jahren zum Dorfkirchen-Förderverein gehört, weiß die Antwort: „Die Fenster hinter dem Altar, wie man sie im Brandeburger Dom vergeblich gesucht und nicht gefunden hat, waren von innen und außen zugemauert. Bei der Sanierung kamen sie ebenso zutage wie Wandmalereien aus dem Mittelalter.“ Beides steht nun unter Denkmalschutz und soll wieder hergerichtet und erhalten werden.

Dafür, und auch für eine neue Orgel, braucht der Verein mit seinen 31 Mitgliedern, die schon für die Grundsanierung, inklusive Heizung und neuen Kirchenbänken, und den Anbau der Kirche Geld gesammelt haben, weitere Spenden. Mit kulturellen Veranstaltungen in der Kirche, die von Konzerten bis zu Line Dance Workshops reichen, werden so nicht nur nötige Spenden zusammengetragen, der Zusammenhalt im Ort – über alle Konfessionen hinweg – gestärkt, sondern auch der Ort belebt.

Lebhaft geht es auch in der nahen Kita Storchennest zu. Begeistert wuseln die jüngsten Wansdorfer um den Ortsvorsteher, der sich nicht scheut den kleinen Steppkes in ihre Buddelhosen zu helfen. Sind sie doch der Garant, dass Wansdorf auch in Zukunft ein lebendiger Ort bleiben wird. „Die Kita ist schön, großzügig und ebenerdig. Direkt hinter dem Haus ist ein großer Garten. Wir sind mit den Kindern immer draußen“, erzählt Erzieherin Kati Bernau, die selber in Wansdorf aufgewachsen ist. Gerade erst wird der Spielplatz auf dem Dorfanger erneuert. Der Bolzplatz bietet genügend Raum für größere Kinder. Nur der Jugendclub fristet mangels Interesses ein Schattendasein.

Wansdorf gestern & heute

1313 wurde Wansdorf als „Dorf des Wan“ am Fuße des Glien erstmals erwähnt. Der Wan war laut Chronik ein See, der heute nicht mehr existiert.

Eigentümer des Dorfes und der Ländereien war über viele Jahrhunderte das Adelsgeschlecht von Redern.

Im 19. Jahrhundert verkauften die von Rederns ihr Gut, das unter Denkmalschutz steht. Ein Industrieller aus Vetschau erstand es und baute zudem ein Schloss. Zu DDR-Zeiten wurde es volkseigen und ist heute Privatbesitz.

Zwischen 1924 und 1964 war Wansdorf Bahnstation an der Strecke von Nauen nach Velten.

Seit 2003 ist Wansdorf mit seinen heute rund 900 Einwohnern Teil der neuen Gemeinde Schönwalde-Glien.

Zum Or t gehört das Gewerbegebiet „Am Rosengarten“ und ein Klärwerk.

Der Krämer Forst grenzt ans Dorf. Der Havelland-Radweg führt hindurch.

Wansdorf hat eine Kita, ein Einkaufszentrum, mehrere Reiterhöfe, eine Feuerwehr, einen Kleintierzüchter- und einen Dorfkirchen-Förderverein.

Aber auch für ältere Bürger biete der Ort eine gute Wohnqualität, glaubt Hans-Joachim Poetsch, der nach 39 Jahren seinen Ortswehrführerposten aus Altersgründen an seinen Sohn Marco übergeben hat. Das kleine Gemeindezentrum mit neu eröffneter Pizzeria, Supermarkt, Blumenladen und Frisör ist für die Seniorentauglichkeit dabei ein wichtiges Kriterium. „Nur ein Arzt fehlt im Ort und Möglichkeiten zur Einkehr“, stellt der Ortsvorsteher, der 1994 nach langer Grundstückssuche mit seiner Familie von Berlin aus in Wansdorf gelandet ist, bedauernd fest. Zuletzt musste der Gasthof „Zur Kastanie“ schließen, nur die Pension ist noch geöffnet, weil die Wirtsleute keine geeigneten Nachfolger oder Käufer gefunden haben.

Gefeiert wird im Ort aber trotzdem. Bei jährlich vier Festen der Feuerwehr, die im kommenden Jahr ihr 130-jähriges Bestehen feiert. Beim traditionellen Weihnachtsmarkt von Kleintierzüchterverein oder beim Sommerfest des Fördervereins der Dorfkirche. „Wir versuchen die Menschen aus unserem viergeteilten Dorf zusammenzubringen“, so Spallek. Und wenn er es ruhiger will, dann setzt er sich aufs Fahrrad und fährt in den nahen Krämer Forst zum erholen.

Von Ulrike Gawande

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