Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Nauen Den Pfunden den Kampf angesagt
Lokales Havelland Nauen Den Pfunden den Kampf angesagt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:37 27.02.2019
Das Team des Adipositaszentrums Havelland um dessen Leiter Stefan Lenz (3.v.r.), Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Quelle: Andreas Kaatz
Nauen

Krankhaftes Übergewicht stellt heutzutage für viele Menschen ein großes Problem dar. Doch sie können daran etwas ändern. Seit zehn Jahren ist das Adipositaszentrum im Havelland in solchen Fällen eine wichtige Anlaufstelle.

540 Übergewichtige haben seither an den Ernährungskursen teilgenommen, und allein seit 2014 wurden etwa 240 Patienten operiert, gab es 2000 Beratungsgespräche. Alles mit dem Ziel, das Gewicht zu reduzieren und die Menschen auf eine gesunde Lebensführung einzuschwören.

Der Lohn für die, die durchhalten: „Wir können die durchschnittliche Lebenserwartung um sieben Jahre verlängern“, sagt Stefan Lenz fest, Leiter des Adipositaszentrums der Havelland Kliniken. Sieben Jahre mit einer deutlich besseren Lebensqualität.

Keine Lobby für Übergewichtige

Er wünscht sich aber mehr Unterstützung von der Politik und den Krankenkassen: „Adipöse Menschen haben keine Lobby.“ Das Thema bekomme in der Bundesrepublik nicht die Aufmerksamkeit, die es benötigt. Was die Behandlung betrifft, sei Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Staaten ein Entwicklungsland.

„Das Problem ist, dass wir eine zunehmende Zahl an Patienten haben werden, die krankhaft übergewichtig sind“, so Lenz. Allein in den neuen Bundesländern betreffe dies derzeit ein Viertel der Bevölkerung, 58 Prozent sind generell übergewichtig.

Einige Gründe dafür nennt Ernährungsmedizinerin Kerstin Eckert, die von Anfang an dabei ist: „Die Menschen essen zu viel und sie bewegen sich zu wenig. Aber auch erbliche Anlagen, also die Genetik, spielen eine Rolle.“ Der schwerste Patient, der im Adipositaszentrum war, wog 230 Kilogramm.

Mit drei Säulen zum Ziel

„Ziel ist es, dass wir ein gutes und für die Menschen leicht zu erreichendes Angebot machen“, sagt der Leiter des Zentrums. Und dieses Angebot steht auf drei Säulen: Ernährungsberatung, Verhaltenstherapie und Bewegungstherapie. Alles wird im Team gemacht. Mediziner, Ernährungsberater, Physio- und Psychotherapeuten kümmern sich um die Patienten.

Die klassischen Diäten, die man aus bunten Zeitschriften kennt, wird der Hilfe suchende Übergewichtige aber vergeblich im Behandlungsprogramm suchen, und das aus gutem Grund: „Diäten können nicht funktionieren. Wenn tatsächlich mal jemand 30 Kilo in drei Wochen abnimmt, dann kann das keinen Bestand haben. Es hilft nur eine Lebensstiländerung“, weiß Stefan Lenz aus Erfahrung.

Erstmal die konservative Therapie

Damit dies gelingt, ist für die Übergewichtigen vor einer möglichen Operation – beispielsweise zur Magenverkleinerung – die sechsmonatige konservative Therapie Pflicht. Dazu gehören Kurse, die unter anderem Ernährungsberaterin Sandra Aland durchführt.

In Gruppenschulungen vermittelt sie dann, was alles zu einer gesunden Ernährung gehört. „Wir schaffen es durch kleine Umstellungen, das Gewicht zu reduzieren.“ Die Teilnehmer erfahren, was gesunde Lebensmittel sind oder wie eine normale Portion aussieht.

Bewegung ist wichtig

Physiotherapeutin Christine Böhm-Rautenberg betreut seit zehn Jahren die Menschen im Rahmen des Adipositaszentrums. Sie sorgt für die nötige Bewegung und Motivation. Unrealistische Ziele werden vermieden, damit die Patienten nicht gleich den Mut verlieren. Die Patienten bauen sich gegenseitig auf und unterstützen sich. „Lachen und Spaß haben gehört auch dazu“, so die Therapeutin. Genutzt werden kann zudem ein Bewegungsbad.

Dritte Säule ist die Verhaltenstherapie, um die sich Diplompsychologin Susann Vogler kümmert. „Wir wollen, dass die Menschen langfristig Dinge ausprobieren und verändern.“ Es geht um Motivation und darum, wie man mit Frustration umgeht – etwa wenn sich die Abnehmerfolge nicht so schnell einstellen wie erhofft.

Kooperation eingegangen

Im vergangenen Jahr konnte das Adipositaszentrum seine Angebot durch eine Kooperation ausweiten. So werden von Ernährungsberaterin Delia Winke Kurse in Brandenburg/Havel angeboten. „Diese werden gut besucht. Wir machen alles rund um das Thema Ernährungstherapie“, sagt sie.

Nicht selten kommt es vor, dass bei ihr Menschen Hilfe suchen, die schon zehn oder 20 Diäten erfolglos hinter sich haben. Dank der Kooperation ist es möglich, auch in Falkensee alle 14 Tage Kurse zu veranstalten.

Eine wichtige Rolle spielen auch die Selbsthilfegruppen, so wie in Nauen. „Menschen die sich operieren lassen wollen oder aber eine OP hinter sich haben, finden dort viele Antworten. Der Erfahrungsaustausch ist interessant“, sagt SHG-Leiter Sven Sengebusch-Kähne.

Erfolgserlebnisse fürs Team

Besondere Erfolgserlebnisse motivieren auch das Team bei seiner Arbeit. So konnte Kerstin Eckert von einem Paar berichten, bei dem beide Partner übergewichtig waren. „Sie waren frustriert, kinderlos und arbeitslos. Beide haben sich operieren lassen. Dann bekamen sie ein Kind und der Mann Arbeit“, sagt sie und glaubt, dass auch die erfolgreiche Behandlung zu dem neuen Lebensglück beigetragen hat.

Von Andreas Kaatz

Mit Wilhelm Paul Wieland auf Listenplatz 1 ziehen die Nauener Christdemokraten in den Wahlkampf für Sitze in der Stadtverordnetenversammlung. Auch in drei Ortsbeiräten schickt die CDU Leute ins Rennen.

27.02.2019

Michael Stober soll 2016 im Rahmen der Ufer-Umgestaltung zu Unrecht Bäume gefällt haben, die auf Stadtflächen standen. Da er nicht nachgepflanzt hat, verklagt ihn die Kommune auf Schadenersatz.

26.02.2019

Die Wellen schlagen hoch im Nauener Ortsteil Schwanebeck. Viele Einwohner sind sauer, weil kurz vor dem Ortseingang, vor der Auffahrt zur Brücke aus Richtung Nauen kommend, Unbekannte dieser Tage illegal Müll im Wald entsorgt haben.

26.02.2019