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Offene Fragen zum Asylheim in Schönwalde

Landkreis informierte über Containerdorf für Flüchtlinge Offene Fragen zum Asylheim in Schönwalde

Der Landkreis Havelland hat am Dienstagabend über das Asylbewerberheim im Schönwalder Erlenbruch informiert. 438 Menschen sollen dort in Containern untergebracht werden. Die hohe Zahl der Flüchtlinge und die Wahl des Standorts stießen bei den Bewohnern auf Kritik.

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Die Aula der Grundschule „Menschenskinder“ war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Quelle: Philip Häfner

Schönwalde-Glien. 438 Flüchtlinge ziehen im November nach Schönwalde-Glien, es wird die größte Asylbewerberunterkunft im Havelland. Am Dienstagabend informierte der Landkreis über das geplante Containerdorf im Erlenbruchgelände. Das Interesse der Bürger war groß, die 200 Plätze in der Aula der Grundschule „Menschenskinder“ reichten nicht aus. Unter den Anwesenden waren allerdings auch Ortsfremde, die die Gelegenheit nutzten, um Stimmung gegen das Heim zu machen.

Wolfgang Gall, Sozialdezernent des Kreises, stellte die rechtlichen Grundlagen vor. „Wir handeln im Auftrag des Staates, da gibt es keine großen kommunalen Gestaltungsspielräume“, sagte er. Die Container würden zunächst für drei Jahre angemietet, so Gall, mit Option auf Verlängerung. „Wir wissen jetzt noch nicht, wie die Flüchtlingssituation dann aussieht.“ Konkrete Ansichten der geplanten Unterkunft präsentierte der Landkreis nicht; es hieß lediglich, dass zwei Gebäuderiegel entstehen sollen. Als Martin Felstow vom kreislichen Gebäudemanagement über die Ausstattung mit sanitären Anlagen, Spiel- und Grillplätzen sprach, ging ein Raunen durch den Saal, bis Schönwaldes Bürgermeister Bodo Oehme (CDU) das Wort ergriff: „Es gehört zur guten Sitte, dass man andere ausreden lässt. Diese Kultur haben wir uns in den zurückliegenden 1000 Jahren angeeignet.“

Zwei Dinge stören die Schönwalder besonders: die hohe Zahl der Flüchtlinge, die im Erlenbruch untergebracht werden – fast 40 Prozent aller Flüchtlinge im Kreis –, und der Standort selbst. Das Heim liege „mitten in der Pampa“, schimpfte eine Frau. Im Dorf gäbe es keine Einkaufsmöglichkeiten, keine medizinische Versorgung, mangelhafte Busverbindungen und kaum Vereine, die bei der Integration der Asylbewerber helfen könnten. „400 Leute ist ein bisschen viel, das verträgt der Standort nicht“, meinte auch Oehme. „Das Grundstück gibt es her“, antwortete Gall. Zur Flüchtlingszahl sagte er: „Wir werden Kleinsteinrichtungen wie die in Falkensee nicht mehr organisieren können.“ Dafür sei die Zahl der Flüchtlinge zu hoch. 2015 werden im Havelland 1150 Asylbewerber erwartet.

Kommentar: Krude Sicht der Dinge

Der Landkreis hat am Dienstag in Schönwalde keine gute Figur abgegeben. Viele Fragen blieben unbeantwortet, wobei einige auch noch gar nicht beantwortet werden konnten. Doch die schärfsten Kritiker des Asylheims hätten sie ohnehin nicht umstimmen können. Viele von ihnen wollen gar nicht zuhören, sondern beharren auf ihrer Sicht der Dinge, egal wie krude sie ist. Nur zwei Beispiele: Wenn eine Gruppe von 400 Männern zu mehr Kriminalität führen würden, warum hört man dann keine Probleme aus Bundeswehrstandorten? Auch die oft geäußerte Sorge um „unsere Kinder“ ist unbegründet. Viele der Flüchtlinge haben Frau und Kind verloren. Sie kommen nicht hierher, um Kinder zu belästigen. häf

Zum Busangebot, Kita- und Schulplätzen sagte der Kreis nichts Konkretes. „Was mich am Ende der Veranstaltung verwirrt, ist die Konzeptlosigkeit. Sie entlassen mich mit mehr Fragen, als ich gekommen bin“, beklagte Regina Deutschländer (CDU), Mitglied des Ortsbeirates im Dorf. Auch andere Gäste verließen den Saal kopfschüttelnd, aber aus anderen Gründen: „Ich schäme mich für viele hier im Raum“, so eine junge Frau. Ein Mann ergänzte: „Die Flüchtlinge kommen nicht, um uns auszurauben, sondern weil sie in Not sind.“ Und ein dritter sagte: „Ich habe den Krieg erlebt, bin selbst ausgebombt worden. Versetzen Sie sich in die Lage dieser Menschen. Denn es sind doch Menschen.“

Von Philip Häfner

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