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Nauen Raritäten auf Rädern: Großes Oldtimertreffen
Lokales Havelland Nauen Raritäten auf Rädern: Großes Oldtimertreffen
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14:06 05.06.2017
Raritäten auf Rädern: Auch der Regen kann den chromblitzenden Karossen beim Oldtimertreffen nicht die Show stehlen. Quelle: Astrid Wiebe
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Paaren/Glien

Kaum jemand kann sich ihrem Zauber entziehen! Oldtimer haben Charme, faszinieren Jung und Alt und sind für so manchen Autoliebhaber wahre Ikonen.

Am Pfingstwochenende pilgerten tausende Freunde alter Fahrzeuge zur Oldtimershow nach Paaren im Glien und ließen sich den Spaß durch das launische Wetter nicht vermiesen. Mit Schirm und Regenjacke bewaffnet flanierten die Fans historischer Autos und Motorräder über das weitläufige Gelände und bestaunten die mehr als 5000 mobilen Schönheiten in Chrom und Blech.

Amerikanische Schlitten aus den 50er-Jahren, Englische Cabrio-Klassiker, schnittige Sportwagen oder original restaurierte DDR-Raritäten – alles war vertreten auf der größten Oldtimer Veranstaltung Norddeutschlands.

Helmut Kalt mit seiner „Sächsischen Flunder“. Quelle: Astrid Wiebe

Voller Stolz präsentierten sich die Besitzer mit ihren automobilen Schätzen vor der großen Showbühne, wo sie von Moderator und Oldtimer Experte Johannes Hübner begrüßt wurden. So auch Klaus Schröder, der mit seiner 20 PS starken Tin Lizzy , auch liebevoll Blechliesel genannt, aus Dessau angereist war. „Der schwarze Ford T von 1908 war das erste Großserienauto der Welt“, weiß Moderator Johannes Hübner den begeisterten Zuschauern zu berichten, „ein Auto, das von Henry Ford gebaut wurde, um von Jedermann gefahren zu werden. Etwa 15 Millionen Stück wurden davon produziert. Heute existiert noch etwa ein Prozent aller gefertigten Exemplare.“

Die „Blechliesel“ mit Moderator Johannes Hübner (links) und Klaus Schröder (rechts). Quelle: Astrid Wiebe

Eine ganz besondere DDR-Rarität hatte Helmut Kalt aus Magdeburg mitgebracht. Seine knallrote „sächsische Flunder“ – ein straßentauglicher Rennsportwagen mit Flügeltüren – wurde von den zahlreichen Fans flotter Autos regelrecht belagert. Der Wartburg Melkus RS 1000 sei schon in seiner Jugendzeit sein Traumauto gewesen, schwärmt der 59 jährige Magdeburger. „Mit Vernunft hat das wenig zu tun. Als ich als Jugendlicher einmal in so einem Auto mitfahren durfte, war es um mich geschehen.“ Für 28700 Ostmark hat Helmut Kalt „die schnellsten drei Zylinder der DDR“ in den siebziger Jahren gekauft. Heute würde er mindestens 50 000 Euro für den „DDR Ferrari“, der nur 101 mal produziert wurde, erhalten.

Unbestritten stehen Oldtimer hoch im Kurs. Die Anzahl der Oldies, die mindestens 30 Jahre alt sind und stets ein H im Kennzeichen tragen, liegt laut Verband der Automobilindustrie (VDA) deutschlandweit bei über 380.000 PKW. Und so hatten interessierte Käufer und Verkäufer bei der Oldtimershow auch die Möglichkeit sich über die Wertentwicklung alter Autos bei Experten der Branche zu informieren. „Finanztechnisch gesehen kann ein Klassiker heute eine gute Geldanlage sein“, weiß Sabine Linkowitz. Die Berlinerin ist Sachverständige und erstellt im Auftrag potentieller Käufer Expertisen über den Zustand und Marktwert des „Objektes der Begierde“. „Manchmal raten wir allerdings auch vom Kauf des vermeintlichen Schnäppchens ab. Das ist zwar dann eine echte Enttäuschung für den Oldtimer Liebhaber. Aber besser so, als im Nachhinein ein Groschengrab in der Garage zu haben.“

Fred Steiner (links), Baujahr 1937, aus Ludwigsfelde mit seinem Mercedes 290 W18, Baujahr 1933 Quelle: Astrid Wiebe

Denn wer will, dass sich der Wert seines Oldtimers steigert, muss auch etwas dafür tun. Liebevoll wird da der rostige Garagenfund restauriert und aufpoliert und in unzähligen Arbeitsstunden wieder fahrbereit gemacht. „ Drei Jahre, jede freie Minute“ hat Thomas Wächter aus Schönwalde in seinen VW 1500 S investiert. Der safaribeige farbene Mittelklassewagen mit perlweißen Sitzen und Stahlkurbeldach aus den 60er Jahren ist sein ganzer Stolz. „ Laut Originalkaufvertrag hat der Wagen 1963 7.084 DM ab Werk gekostet. Reingesteckt habe ich knapp 6.000 Euro um den Wagen wieder flott zu kriegen und ohne technische Begabung und Freude am Basteln geht da gar nichts.“

Denn „Alles in Ordnung“ ist ein Fremdwort bei einem Oldtimer. Eine wahre Fundgrube war deshalb der große Teilemarkt mit knapp 50 Händlern. Viele Bastler und Schrauber kamen hier voll auf ihre Kosten und stöberten an den Ständen in Kisten und Kartons nach Ersatzteilen oder Zubehör für den eigenen Oldtimer. Kühlergrills, Stoßstangen, Radkappen, Ausstellfenster und Kultobjekte, wie der Wackeldackel oder die gehäkelte Klopapierrolle für die Hutablage, früher als Inbegriff der Spießigkeit verpönt, waren gefragt. Und wer nicht fündig wurde, nutzte die Oldtimershow zum Fachsimpeln und für den gegenseitigen Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten.

Von Astrid Wiebe

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