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Nauen Seit 20 Jahren Hof der Hoffnung
Lokales Havelland Nauen Seit 20 Jahren Hof der Hoffnung
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18:46 27.07.2018
Beim Franziskusfest auf Gut Neuhof sind Besucher willkommen. Quelle: Wolfgang Balzer
Markee

Mit einem Festgottesdienst und einem Grillabend feierten die Rekuperanten mit Betreuern und dem Leitungsteam der Fazenda da Esperanca in Markee das 20-jähriges Bestehen der Einrichtung. Gut Neuhof in Markee ist einer von gegenwärtig 135 Höfen weltweit, auf denen junge Menschen mit einer außergewöhnlichen Form der Suchttherapie ihren Weg zurück in ein selbstverantwortetes, gemeinschaftsorientiertes Leben finden. Insgesamt sind derzeit 3000 „Rekuperanten“ beteiligt.

Hofleiter Jasper Kleberson erinnert an die dramatischen Anfänge der Markeer Fazenda im Jahr 1997. Frei Hans Stapel, vor 35 Jahren Gründer des ersten Hofes der Hoffnung in Brasilien, hatte die damalige Familienministerin Claudia Nolte zu Gast. Nach einigen Diskussionen wurde beschlossen, eine solche erste Einrichtung auch in Deutschland zu schaffen.

Der Hof war verwahrlost

„Der Hof war völlig verwahrlost, eine Ruine, ein Schandfleck, ein Abfallhaufen“, beschrieb Frei Hans 1998 die Situation auf Gut Neuhof. Zwei Wochen vor dem Start gab es noch Verhandlungen mit der Treuhand, unter anderem wegen der kontaminierten Müllberge. Trotz aller Schwierigkeiten wurde am 25. Juli 1998 im frisch ausgemisteten Schafstall die Heilige Messe zur Eröffnung des Hofes der Hoffnung gefeiert.

Heute ist die Einrichtung für junge süchtige Menschen die letzte Hoffnung auf ein normales Leben in der Gemeinschaft. Jan Cosemanz aus Belgien ist seit anderthalb Jahren auf der Neuhofer Fazenda. Er gehört zum Hofleitungsteam und hat als ehemaliger Alkohol- und Drogenabhängiger so gut wie alles erlebt, was man in dieser Situation erleben kann. „Ich bin zwar zur Arbeit gegangen, aber abends wartete die ’Belohnung’ auf mich –Alkohol und Drogen“, erzählt er. 2013 war das. Er sei mit damals 40 in eine tiefe Krise gefallen. „Ich hatte Selbstmordgedanken und landete für zehn Wochen in der Psychiatrie“, erinnert er sich.

Kein Telefon, kein Internet

Nur zwei Wochen danach gab es einen Rückfall, weil er in seinem alten Umfeld gelandet war. „Mir wurde bewusst, dass ich eine längere Therapie brauche, weil ich es allein nicht mehr schaffe“, blickt er zurück. So habe er sich auf dem Hof der Hoffnung in Xanten angemeldet. Besonders die ersten drei Monate seien schwer gewesen ohne die Familie, besonders seine Mutter habe er vermisst.

Es gibt auf der Fazenda bis heute kein Telefon, kein Internet und kein Fernsehen. Nach einem Jahr hatte es Jan geschafft: „Ich war sehr stolz auf mich.“ Und das ist er noch heute. Jan Cosemanz merkte, dass er trotz des Jahres auf der Fazenda noch Zeit brauchte. Er hängte ein freiwilliges zweites Jahr ran, half mit seinen persönlichen Erfahrungen anderen Rekuperanten und konnte ihnen beweisen, dass man loskommen kann von den Drogen.

Nicht alle halten durch

„Wer zur Therapie auf die Fazenda kommt, macht einen radikalen Schritt“, betont Pater Achim. Er ist priesterlicher Begleiter der Rekuperanten in Neuhof. „Sie müssen bereit sein, sich auf die Säulen des Alltags auf der Fazenda einzulassen: Arbeit, Gemeinschaft und Spiritualität“, erklärt der Pater. Jeder Morgen beginne mit dem Rosenkranzgebet und der Betrachtung eines Wortes aus dem Evangelium. Wie schwierig das sei, habe er selbst erlebt. „Nach dem Studium lebte ich mit zwei Rekuperanten im Zimmer. Da kam ich schon Mal an die Grenzen der Nächstenliebe“, gesteht er. Er habe zwar versucht, geduldig zu sein, aber das sei nicht immer gelungen. Er habe in der Wohngruppe Seiten von sich erlebt, die er sonst nicht kennen gelernt hätte.

„Nicht alle halten das durch, was durchaus normal ist“, weiß der Hofleiter. Meistens hätten die jungen Männer bereits andere Therapien hinter sich. Er nennt ein drastisches Beispiel von der Mädchen-Fazenda im benachbarten Riewend. Eine Bewohnerin dort habe 45 Entgiftungen über sich ergeben lassen. Durch die Rückkehr in ihr altes Umfeld war sie immer wieder rückfällig geworden.

Auf der Fazenda gibt es ein strukturiertes Leben und viel Zeit zum Nachdenken über die Gestaltung des eigenen Lebens. Es wird gearbeitet. In Neuhof in der Tierproduktion, in den Gärten oder im Hofladen. Die Fazenda-Familie lebt auch aus den Erträgen der eigenen Arbeit und natürlich von Spenden. Staatliche Zuwendungen gibt es nicht.

Das diesjährige Franziskusfest wird am 6. Oktober auf Gut Neuhof in Markee gefeiert.

Von Wolfgang Balzer

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