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Nauen 300 Jahre Grabensystem
Lokales Havelland Nauen 300 Jahre Grabensystem
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19:14 10.09.2018
Das Havelländische Hauptkanal hat seine romantischen Seiten. Quelle: Ralf Stork
Nauen

 Es hat fast schon etwas Magisches: Erst ist da nichts. Zumindest nichts, mit dem man etwas anfangen kann. Nur ein menschenfeindliches, ödes Sumpfgebiet. Dann kam der Preußenkönig mit seinen Landvermessern, und schließlich wurde dem Sumpf jede Menge guten Landes abgerungen, das als Weide und Acker genutzt werden konnte.

Königliches Mammutprojekt

300 Jahre ist das nun her. 1718 hat König Friedrich Wilhelm I. den Befehl gegeben, das Havelländische Luch zwischen Brieselang und Rathenow trockenlegen zu lassen. Herzstück des Mammutprojektes, das wegen der geforderten Selbstbeteiligung bei der Bevölkerung anfangs nicht auf besonders viel Gegenliebe stieß, war der Große Havelländische Hauptkanal. Und ist es bis heute. Der Kanal beginnt am Schöpfwerk Zeestow und endet schließlich im Hohennauener See.

Wichtiger Vorfluter

„Der Hauptkanal ist immer noch der wichtigste Vorfluter der Region, über den unzählige weitere Gräben entwässern“, sagt Peter Hacke, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Nauen. Der Verband verwaltet sozusagen das Erbe des Preußenkönigs und muss dafür sorgen, dass das ehemalige Feuchtgebiet auch in Zukunft schön trocken und für die Landwirtschaft nutzbar bleibt. Das ist gar nicht immer so einfach. „Bei der Unterhaltung des Hauptkanals gab es in der Geschichte immer wieder Aufs und Abs“, sagt Hacke. Immer mal wieder sei die Grundräumung und das Krauten eine Zeit lang vernachlässigt worden. Wenn es dann zu Überschwemmungen kam, wurde die Grabenpflege im Anschluss häufig wieder deutlich intensiviert. „Im Prinzip ist das bis heute so geblieben“, sagt Hacke.

Intensive Entwässerung

Zu DDR-Zeiten wurde sehr intensiv entwässert. Man wollte soviel Ackerfläche wie möglich bestellen. Die Erträge auf den landwirtschaftlichen Flächen sollten unbedingt gesteigert werden, koste es, was es wolle. Mit der Wende brach dann das alte System zusammen. Und bis sich schließlich die Wasser- und Bodenverbände gegründet hatten und wirklich einsatzfähig waren, dauerte es ein paar Jahre. Zu DDR-Zeiten wurden die Kosten für die Grabenpflege von zentraler Stelle bezahlt.

Landbesitzer müssen zahlen

Seit der Wende werden die Landbesitzer dafür zur Kasse gebeten. Auch das wird mit dazu beigetragen haben, dass die neuen Verbände finanziell lange nicht so gut gestellt und damit weniger schlagkräftig als zu DDR-Zeiten waren. Ein weiterer Grund ist, dass Belange des Naturschutzes nun stärker gewichtet werden als früher. Früher konnten die Gräben das ganze Jahr über gekrautet werden. Aus Naturschutzgründen ist das heute in der Regel nur von September bis Ende Februar möglich. Außerhalb dieser Zeit könnten Fische, Amphibien und Vögel durch den maschinellen Einsatz am Graben oder Kanal in Mitleidenschaft gezogen werden.

In welchem Zustand sich das Grabensystem insgesamt gerade befindet? „Es wäre geprahlt, zu sagen, das ist sehr gut. Aber recht ordentlich ist es schon. So im Bereich Zwei minus“, sagt Hacke. Der Unterhaltungsumfang hat sich wieder vergrößert – das heißt, der Verband krautet und räumt jetzt deutlich mehr als noch vor ein paar Jahren. Für die Unterhaltung des Hauptkanals stehen seit 2007 wieder deutlich mehr Mittel zur Verfügung (nachdem es 2003 zu Überschwemmungen gekommen war). Und auch in anderen Gräben und Kanälen können Hacke und seine Leute seit 2013 wieder Grundräumungen durchführen. Vorher war das nicht möglich.

Ärger mit Überschwemmungen

Nach den Überschwemmungen im vergangenen Jahr hat der Wasser- und Bodenverband gemeinsam mit dem Kreisbauernverband sogar ein kleines Pilotprojekt genehmigt bekommen: Für eine Reihe wichtiger Entwässerungsgräben außerhalb von Schutzgebieten darf jetzt wieder ganzjährig gekrautet werden.

Ausgenommen davon sind Uferbereiche, in denen Vögel brüten. Momentan sieht es so aus, als würde das Pendel im Grabensystem rund um den Großen Havelländischen Hauptkanal gerade wieder ganz langsam in Richtung intensiverer Grabenpflege schwingen.

Von Ralf Stork

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