Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Neonazi-Terror: Nauener sorgen sich um Stadt

Rechtsextremismus Neonazi-Terror: Nauener sorgen sich um Stadt

In der Vergangenheit war Nauen (Havelland) mehrfach Ort rechtsextremistischer Anschläge. Negativer Höhepunkt war ein Brandschlag auf eine Sporthalle, die als Notunterkunft für Flüchtlinge diene sollte. Was sagen die Nauener Bürger zu den Vorfällen? Ein Stimmungsbild.

Voriger Artikel
Amt Rhinow zeichnet Ehrenamtler aus
Nächster Artikel
Falkenseer Integration von Flüchtlingen

Die Überreste der im letzten Sommer abgebrannten Sporthalle in Nauen.

Quelle: Danilo Hafer

Nauen. Während einige Nauener das gute Wetter am Freitag nutzten, um durch die Stadt zu spazieren oder sich mit Freunden auf einen Kaffee zu treffen, fand zeitgleich in Potsdam eine Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft und der Polizei statt. Die Behörden informierten die Öffentlichkeit über die bisherigen Erkenntnisse zu einer Serie von Straftaten in Nauen mit einem mutmaßlichen rechtsextremistischen Hintergrund. Einer der Tatverdächtigen ist der Nauener Stadtverordnete und NPD-Mitglied Maik Schneider.

Lea Thoams (19): „Nauen taucht inzwischen ja fast in jeder Doku über Rechtsextremismus auf. Und auch auf der Straße habe ich selbst schon Hass gegenüber Flüchtlingen mitbekommen.“

Quelle: Danilo Hafer

Die Vorfälle waren am Freitag auch in „Moni’s Bistro“ in der Mittelstraße Gesprächsthema. An einem der Tische sitzt Alexander Schröder. Der 33-Jährige hat eine ganz klare Meinung zu dem, was in Nauen vorgefallen ist. „Es macht mich traurig, was hier in letzter Zeit passiert“, sagte Schröder. Er habe sich sehr oft mit Freunden und Bekannten über dieses Thema unterhalten. Niemand könne so richtig verstehen, warum das alles passiert ist.

48376a62-e087-11e5-92b5-6d6ea2ba2722

In Nauen ist es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Anschlägen gekommen, bei denen ein rechtsextremer Hintergrund vermutet wird. Im Sommer ging eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Flammen auf, Autos wurden vorsätzlich demoliert und das Parteibüro der Linken ist immer wieder attackiert worden. Ein Überblick über eine unheimliche Anschlagsserie.

Zur Bildergalerie

Zwei Tische weiter sitzen zwei ältere Damen, die anonym bleiben wollen. Eine Meinung haben sie aber trotzdem. Vor allem zu dem tatverdächtigen Maik Schneider.„Es ist verrückt dass so jemand überhaupt in der Stadtverordnetenversammlung sitzt“, sagen sie. Dem Thema Flüchtlinge stehe sie gespalten gegenüber. „Wer vor Krieg flieht, der braucht auch Hilfe, aber die Flüchtlinge dürfen keine Forderungen stellen“, sagt eine der beiden. Was sie damit genau meint, lässt sie offen.

Ingrid Glagow

Ingrid Glagow: „Das schlechte Bild ist schon vorhanden. Die Sache mit dem Brand der Turnhalle und die Aufmärsche im letzten Jahr tun der Stadt Nauen nicht gut.“

Quelle: Danilo Hafer

Hartmut Siegelberg: „Die meisten wollen mit den Rechten nichts zu tun haben.“

Momentan stehe die Stadt in keinem gutem Licht, sagte Hartmut Siegelberg, Vorsitzender der SVV. Aber dies sei nur eine Momentaufnahme, betonte er. „Die meisten Leute wollen mit den Rechten nichts zu tun haben“, sagte Hartmut Siegelberg (SPD). Nichts desto trotz müsse man dafür kämpfen, dass es in der Stadt wieder ruhig wird. .

Auch das Parteibüro der Linken war Ziel eines Anschlags

Auch das Parteibüro der Linken war Ziel eines Anschlags.

Quelle: Danilo Hafer

Auch aus Sicht der stellvertretenden Bürgermeisterin Marion Grigoleit sind es nur wenige Nauener Bürger, die tatsächlich den Rechtsextremismus ideologisch befürworten. Dennoch würden viele Bürger verunsichert und leider auch passiv reagieren. „Aber eine wachsende Anzahl von Bürgern sucht inzwischen den Kontakt zu unserer Willkommensinitiative und zeigt damit, dass sie Gewalt und Menschenverachtung ganz klar ablehnt“, sagte sie.

Alexander Schröder

Alexander Schröder: „Ich finde es traurig und total bekloppt, was in letzter Zeit passiert ist. Der Anschlag auf die Sporthalle schadet nicht nur den Flüchtlingen, sondern vor allem den Schülern.“

Quelle: Danilo Hafer

Andrea Johlige: „Einige können nun vielleicht wieder ruhiger schlafen.“

Die bisherigen Ermittlungsergebnisse sind auch für Linken-Landtagsabgeordnete Andrea Johlige ein positives Signal. Das Büro der Linken war einer der Anschlagsorte in Nauen. „Es ist zum Einen gut für die Stadt, weil die Menschen sehen, dass die Behörden die Vorfälle ernst nehmen“, sagte sie. Auf der anderen Seite könnten einige Leute nun vielleicht wieder ruhiger schlafen, die zuvor in Angst gelebt haben, weil sie sich gegen Rechts und für Flüchtlinge engagiert haben. Gleichzeitig werde aber auch deutlich wie organisiert die Rechten sind. „Das ist alarmierend“, sagt Andrea Johlige.

Marcus Schmidt (49)

Marcus Schmidt (49): „Es hat sich gezeigt: Wir müssen keine Angst vor den Flüchtlingen haben, sondern vor unseren eigenen Leuten. Das ist schlimm für Nauen, finden ich.“

Quelle: Danilo Hafer

Weiterlesen:

– Das ist bisher über den Neonazi-Terror in Nauen bekannt

– Diese Anschläge sind in den vergangenen Monaten verübt worden

– Polizei nimmt NPD-Mann Maik Schneider fest

Von Danilo Hafer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg