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Havelland Kritik an Kinderpolitik prallt in Potsdam ab
Lokales Havelland Kritik an Kinderpolitik prallt in Potsdam ab
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14:02 03.01.2016
Die Arbeit des Kindernetzwerks setzt mit der Geburt der Kinder ein, Quelle: dpa-Zentralbild
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Brandenburg/H

Der Landesrechnungshof findet, dass Brandenburg zu viel Geld für das Netzwerk gesunde Kinder in Stadt und Land Brandenburg ausgibt. Minister Günter Baaske (SPD) und der Landtag sind davon nicht beeindruckt. Im Gegenteil. Die Ausgaben für die inzwischen 19 regionalen Netzwerke sollen bis 2017 sogar mehr als verdoppelt werden.

Seit 2007 fördert das Land Brandenburg das „Netzwerk Gesunde Kinder“ als Teil der eigenen Familienpolitik. Die Philosophie: Geschulte, ehrenamtlich tätige und professionell koordinierte Paten begleiten Familien während der Schwangerschaft, nach der Geburt und in den ersten drei Lebensjahren des Kindes.

Der Landesrechnungshof hat Anspruch und Erfolg geprüft und Ergebnisse in seinem aktuellen Jahresbericht veröffentlicht. Danach ist die Reichweite des Netzwerks schwächer als geplant, ist die Steuerung durch die Landesregierung mangelhaft und sind die Landeszuschüsse übertrieben, Auch das Netzwerk in der Stadt Brandenburg, das vom städtischen Klinikum getragen wird, ist nach Auffassung der Rechnungsprüfer unterentwickelt.

Der Landesrechnungshof lässt zwar Nachfragen zu seinen Recherchen und Ergebnissen nicht zu und auch das verantwortliche Ministerium für Bildung, Jugend und Sport hält sich in der Frage bedeckt, wie wirkungsvoll die Netzwerke angesichts der vorgelegten Prüfungsergebnisse tatsächlich sind.

Eltern loben, Prüfer tadeln

19 lokale Netzwerke sind derzeit an 39 Standorten in 13 Landkreisen und zwei kreisfreien Städte aktiv. Das Land unterstützt jeden Landkreis mit bis zu 60 000 Euro und jede kreisfreie Stadt mit bis zu 30 000 Euro pro Jahr.

2013 gewann das Netzwerk Gesunde Kinder den Springer Medizin Charity Award. Mit dem Preis wird das herausragende Engagement in der Gesundheitsversorgung ausgezeichnet.

1091 Mütter und 369 Paten beteiligten sich laut Ministerium 2012 an einer Untersuchung zum Netzwerk. 95 Prozent der Eltern würden es demnach weiterempfehlen.

Dagegen befindet der Landesrechnungshof: „Die ministerielle Steuerung des landesweiten Netzwerks Gesunde Kinder war nicht ausreichend.“ Das Ministerium habe seine Fördergrundsätze trotz erkannter Defizite unverändert gelassen. Das selbst gestellte Ziel, die Hälfte aller in Betracht kommenden Familien für eine Mitgliedschaft im Netzwerk zu gewinnen, habe das Netzwerk nicht erreicht.

Ob die regionalen Netzwerke die verlangten Qualitätsvorgaben einhielten, habe die Bewilligungsbehörde nur ungenügend geprüft. Obwohl die für das Netzwerk jährlich bereitgestellten Haushaltsmittel von 1,2 Millionen Euro nicht ausgeschöpft wurden, habe der Landtag für die kommenden Jahre die Mittelerhöhungen beschlossen.

Für die Stadt Brandenburg und ihre Netzwerk wird klar, dass an die als Ziel ausgegebene Reichweite von 50 Prozent auch nach fast zehn Jahren nicht zu denken ist. Im laufenden Jahr wurden nach Auskunft des städtisches Klinikums nur 59 Kinder neu in das Netzwerk aufgenommen. Das ist weit entfernt von den mehr als 950 Babys, die in diesem Jahr im Klinikum geboren wurden. Das gilt selbst dann, wenn man berücksichtigt, dass dort auch viele Kinder zur Welt kommen, deren Eltern nicht in der Stadt, sondern in den umliegenden Landkreisen leben.

Aktuell betreuen 38 Paten des Brandenburger Netzwerks 122 Kinder, berichtet Klinikumsprecher Olaf String. Im Durchschnitt würden pro Jahr zehn neue Paten geschult. Für das Netzwerk zahlt das Klinikum bisher 60 000 Euro im Jahr, das Land Brandenburg gibt 30 000 Euro.

Zusammenwirken bewährt sich

Das Klinikum weist darauf hin, dass sich die Qualität der Arbeit des Netzwerkes nicht nur bestimmt aus der Akquise und Vermittlung von ehrenamtlichen Familienpaten und Netzwerkteilnehmern. Olaf String: „Aus Sicht des Klinikums Brandenburg bewährt sich die Arbeit des Netzwerkes gesunde Kinder Brandenburg an der Havel im Zusammenwirken mit den anderen Versorgungsstellen und Einrichtungen bei der gemeinsamen Sicherstellung einer umfassenden Versorgung und Betreuung von Kindern bis zum dritten Lebensjahr und den Familien.“

Zu dieser umfassenden Versorgung gehörten auch Angebote wie der Eltern-Info-Punkt im Gesundheitszentrum am Hauptbahnhof, eine offenen Krabbelgruppe und Elternseminare. Eine Schwerpunktaufgabe in den nächsten Monaten wird nach Angaben Strings die Begleitung und Betreuung von Schwangeren und Kindern von Flüchtlingen und Asylbewerbern sein. Diese Arbeit könne nur mit einem sehr hohen Einsatz und Engagement der Paten bewältigt werden.

Baaske verteidigt Netzwerk

Der Landesrechnungshof hält es keineswegs für notwendig, zusätzliche Haushaltsmittel in Millionenhöhe zu gewähren. Die Behörde sieht „die stufenweise Mittelaufstockung für das Netzwerk Gesunde Kinder kritisch“. Die Regierung und der Landtag lassen sich davon aber nicht beirren, sondern bleiben freigiebig.

Minister Baaske lobt, dass die Netzwerke sich sehr gut entwickelt hätten und ein praktisches Beispiel für den vorsorgenden Sozialstaat seien.Geld soll künftig reichlicher fließen. Statt der 1,2 Millionen Euro vergangener Jahren sind 1,37 Millionen Euro in diesem Jahr beschlossen. 2,62 Millionen Euro sollen es im nächsten Jahr sein und 3,12 Millionen Euro im Jahr 2017.

Von Jürgen Lauterbach

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