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Ausstellung im Torhaus zeigt Drucke von Hirsch

Bilder einer zerrissenen Welt Ausstellung im Torhaus zeigt Drucke von Hirsch

Acht Drucke des expressionistischen Künstlers Karl Jakob Hirsch sind seit Dienstag im Torhaus auf dem evangelischen Weinbergfriedhof in Rathenow zu sehen. Die Werke nehmen Bezug auf musikalische Werke Gustav Mahlers und nehmen den Betrachter mit ihrer Ausdruckskraft gefangen.

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Ines Winter beim Hängen der Exponate.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Der Name Karl Jakob Hirsch wird selbst dem ein oder anderen kunstinteressierten Menschen nicht geläufig sein. Dabei war der gebürtige Hannoveraner zu seiner Zeit – Hirsch lebte von 1892 bis 1952 – kein Unbekannter. Im ersten Teil seiner künstelrischen Karriere machte Hirsch sich einen Namen als Grafiker und Maler einen Namen. Später wechselte er zur Literatur. Sein erster Roman mit dem Titel „Kaiserwetter“ machte ihn gleich berühmt. Die Karriere des Mannes, der aus einer bekannten jüdichen Familie stammte, brach mit Machtergreifung der Nazis jäh ab. Hirsch emigrierte und konnte später nicht mehr an seine frühen Erfolge anknüpfen.

Im Torhaus ist seit Dienstag eine Serie mit acht Drucken zu Werken Gustav Mahlers zu sehen. Eva Lehmann, Vorsitzende des Vereins Memento, nahm das Angebot, die Drucke auszustellen, dankbar an. „Es sind sehr aussagekräftige Arbeiten“, sagt sie. Die expressionistische Kraft der Zeichnungen nehme den Betrachter gleich gefangen. Tatsächlich sticht die Geistesverwandtschaft zwischen dem Komponisten und dem bildenden Künstler gleich ins Auge. So wie Mahler, dessen Werke die Zerrissenheit der Moderne widerspiegeln, ist auch bei Hirsch die Abkehr von der naturalistischen Darstellung der Welt unverkennbar.

Stürzende Linien, wilde Formen, verzerrte Perspektiven – die formsprengende Energie der neuen Zeit findet in den Zeichnungen einen adäquaten Ausdruck. Und inmitten dieses Strudels der Mensch – überfordert, vereinsamt, auf sich selbst zurückgeworfen. Wer den Zyklus im Torhaus betrachtet, der bekommt eine Ahnung davon, wie schroff Ende des 19./Angfang des 20. Jahrhunderts der Übergang vom bürgerlichen Zeitalter in die Moderne war. Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Torhauses besucht werden.

Karl Jakob Hirsch

Karl Jakob Hirsch wurde 1892 als Sohn eines jüdischen Arztes in Hannover geboren. Er machte erst als bildender Künstler – unter anderem in der Künstlerkolonie Worpswede – und später als Schriftsteller Karriere. Hirsch emigrierte im Dezember 1934. Er ging zunächst nach Dänemark, dann in die Schweiz und 1936 in die Vereinigten Staaten. 1948 kehrte er nach Deutschland zurück – konnte aber an seine früheren Erfolge nicht anknüpfen. Er starb am 8. Juli 1952 in München. Sein Nachlass wird von der Uni München verwaltet.

Von Markus Kniebeler

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