Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Sprühregen

Navigation:
Neue Bilder für Falkenseer Denkmal

Ingo Wellmann schafft Gedenkstein Neue Bilder für Falkenseer Denkmal

Die Bronzeplatte am Denkmal für die Häftling des einstigen KZ-Lagers Falkensee waren vor vier Jahren gestohlen worden. Der Falkenseer Bildhauer Ingo Wellmann hat ein neues Denkmal geschaffen und dafür Szenen aus dem Lageralltag in einen Sandstein gehauen.

Voriger Artikel
Im Havelland gibt es zu viele Biber
Nächster Artikel
Planungssicherheit für die Stöllner Flieger

Ingo Wellmann macht seinen Garten zum Atelier.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Falkensee. Es war die Nacht vom 17. zum 18. März 2012, als vier Bronzeplatten im Geschichtspark Falkensee gestohlen wurden. In einigen Wochen könnte die Gedenklücke endlich geschlossen werden. Der Falkenseer Bildhauer Ingo Wellmann hat ein neues Denkmal geschaffen.

Die kahle Säule im Geschichtspark

Die kahle Säule im Geschichtspark.

Quelle: Marlies Schnaibel

Die Bronzeplatten hatten seit 1957 an das Leid der Häftlinge, die hier einst im KZ-Lager eingesperrt waren, erinnert. Vor vier Jahren waren sie mutmaßlich Buntmetalldieben zum Opfer gefallen, sie sind nicht wieder aufgetaucht. Übrig geblieben war eine weiße Stele, die auf ihre kahle Art auch wegen des Kultur- und Geschichtsfrevels mahnte. Die gemauerte Säule soll nun wieder eine künstlerische Gestaltung erhalten.

Die Bronzeplatten wurden vor vier Jahren gestohlen

Die Bronzeplatten wurden vor vier Jahren gestohlen.

Quelle: Marlies Schnaibel

Schon vor drei Jahren war die Neugestaltung des Erinnerungsortes auf den Weg gebracht worden. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung unterstützte das Projekt mit 12 000 Euro. Das Geld deckt den Materialwert für den Sandstein ab, der aus Sachsen stammt. Die Eigenleistung der Stadt stellt ein Falkenseer Konstrukt dar. Ingo Wellmann, als Leiter des Hauses am Anger Angestellter der Kommune, erhielt Zeit, das Kunstwerk zu schaffen. Ein Honorar erhält er für diese schöpferische Arbeit nicht, die leistet er ehrenamtlich. Er macht es auch, weil ihm das Anliegen des Gedenkortes wichtig ist.

Wer Wellmann kennt, der weiß, dass dieser Mann sich politischen Themen noch nie verschlossen hat. Vielleicht wäre der gebürtige Hennigsdorfer auch ein guter Mediziner geworden, aber er brach sein Medizinstudium an der Humboldt-Universität ab und folgte einem anderen Ziel: Er ging an die Kunsthochschule Berlin-Weißensee, er wollte Bildhauer werden und legte 1983 sein Diplom bei Jo Jastram ab.

Seine Diplomarbeit war eine Tür für die Oranienburger Straße, ein jüdisches Thema, das ihn nie wieder losließ. Auch nicht, als er 1985 ins Havelland zog. Seitdem wohnt er am Stadtrand von Falkensee. Ingo Wellmann hatte davon gehört, dass es in Nauen eine Synagoge gegeben hatte und regte ein Gedenken an. 1988 waren die politischen Winde in der DDR wohl günstig für solche Vorhaben, Wellmann realisierte eine Sandsteinfigur „Der Mahner“ für den jüdischen Friedhof vor den Toren der Stadt und ein Bronzerelief am einstigen Standort der Synagoge in der Goethestraße.

Auch diese Tafel war schon einmal gestohlen worden, aber die Vorlage war noch vorhanden und es konnte ein Zweitguss angefertigt werden. Das war im Falkenseer Fall nicht möglich. Hier setzten Verwaltung und Abgeordnete auf ein neues Denkmal, das aber an das vorherige anknüpft. Vor drei Jahren hatte Ingo Wellmann sein Projekt im Kulturausschuss von Falkensee vorgestellt und war auf Zustimmung gestoßen. Jetzt ist er mit den Arbeiten fast fertig, dann werden die Steinquader vom Falkenseer Steinmetz Andreas Vogel im Geschichtspark aufgestellt.

Im heimischen Garten hatte Ingo Wellmann den Sandstein bearbeitet. Mit Spitzeisen, Flacheisen, Eisenhammer und Knüpfel hat er dem Stein seine neue Oberfläche gegeben. Das Material stammt aus der Sächsischen Schweiz, aus Reinhardsdorf. Dort hatte Wellmann schon als jungen Mann an Symposien teilgenommen. „Es ist ein schöner Stein, mit warmem Ton und Charakter“, sagt Wellmann. Die vier Steinplatten orientieren sich in ihrer Größe an den Vorgaben des alten Denkmals, sind 150 mal 50 Zentimeter groß.

Das 1967 geschaffene Denkmal stammte von Karl Schönherr (1925 bis 1981). Der gebürtige Dresdner hatte nach einer Lehre als Kunstformer an der Hochschule für Bildende Künste Dresden studiert. Seine vier Bronzeplatten sind ganz dem Stil des sozialistischen Realismus der Sechziger Jahre verhaftet. „Mit leicht lesbarem Bildprogramm“, wie es in der Denkmalliste des Landkreises Havelland heißt.

Lesbar sind auch Wellmanns Bilder. Reliefartig hat der Bildhauer die vier Motive herausgearbeitet. Er wollte keine überhöhten Muskelprotze und strahlenden Helden zeigen, er zeigt geschundene Häftlinge. Täter sind nicht zu sehen. „Denen wollte ich kein Denkmal setzen“, sagt Ingo Wellmann. Die Grausamkeit des KZ-Lagers kann er auch anders darstellen. Er zeigt die Männer - eingesperrt hinter Stacheldraht, zeigt sie gequält von der Arbeit im Rüstungsbetrieb, er zeigt sie aber auch in ihrer Mitmenschlichkeit, etwa wo ein katholischer Priester eine Messe abhält und kommunistische Gefangene Schmiere stehen. Das ist keine ausgedachte Szene, sondern überliefert aus der Geschichte des Falkenseer KZ-Außenlagers.

„Das Denkmal soll ein Gefühl, soll Mitgefühl beim Betrachter entstehen lassen“, hofft der Bildhauer auf die Wirkung seiner Arbeit. Und er hofft zurecht, denn Wellmann hat sein Motive sehr plastisch herausgearbeitet. Sie lassen Erinnerung daran zu, was Menschen Menschen antun können – im Guten wie im Bösen.

Von Marlies Schnaibel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg