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Havelland Neue Lehrmethoden für Paraguay
Lokales Havelland Neue Lehrmethoden für Paraguay
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00:19 10.12.2017
Jody Doerksen aus Paraguay war als Austauschlehrerin am da Vinci Campus in Nauen zu Gast. Simon Pearce kümmert sich an der Schule um die internationalen Kontakte. Quelle: Ralf Stork
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Nauen

Seit Mitte November nimmt auf dem Leonardo-da-Vinci-Campus in Nauen regelmäßig eine Austauschlehrerin aus Paraguay am Unterricht teil. Jody Doerksen hat keine Mühe, dem Stoff zu folgen. Sie spricht nicht nur gut deutsch. Deutsch ist ihre Muttersprache. „Eigentlich plautdietsch“, sagt sie im reinsten Hochdeutsch und schon ist man mitten im Gespräch über eine kaum bekannte deutschsprachige Kolonie in Südamerika:

Vor knapp 100 Jahren sind deutschsprachige Mennoniten aus Russland und Kanada nach Paraguay gekommen, wo sie die Kolonien Menno, Neuland und Fernheim gründeten. Andere deutschsprachige Siedler kamen dazu. Das Plautdietsch – ein plattdeutscher Dialekt – ist die Sprache, die die Mennoniten früher in Russland gesprochen haben und hat sich bis heute neben Hochdeutsch in der Region gehalten. Weil die Infrastruktur in Paraguay nicht besonders gut funktioniert, haben die Kolonisten ein eigenes Versorgungssystem entwickelt. „Ich unterrichte an einer deutschsprachigen Schule in der Kleinstadt Filadelfia. Es gibt auch deutsche Kindergärten und Krankenhäuser“, erzählt Doerksen.

Ihr Besuch in Nauen wurde durch ein Bundesprogramm ermöglicht, das im Ausland Schulen mit einem besonderen Bezug zur deutschen Sprache fördert. Für Jody Doerksen ist es bereits ihr dritter Aufenthalt in Deutschland: Als sie selbst noch Schülerin war, war sie in den 90er Jahren für drei Monate bei ihrer Brieffreundin in Hamburg zu Gast. 2006 kam sie mit ihrer Familie, um Freunde in Bielefeld zu sehen. Jetzt also Nauen. „Ich freue mich darauf, in der Freizeit ganz viel von Berlin und Potsdam zu sehen“, sagt sie. Aber im Mittelpunkt stehen natürlich die Unterrichtsbesuche auf dem Campus.

Ein paar Dinge sind ihr aufgefallen: „Ich fand interessant zu sehen, dass im Englischunterricht hier auch Deutsch gesprochen wird“, sagt sie. Die Schüler lernen ab der ersten Klasse Englisch. An ihrer Schule in Paraguay wird ab der ersten Klasse Spanisch unterrichtet. Für viele Schüler eine absolute Fremdsprache, weil sie zu Hause ausschließlich deutsch oder plautdietsch sprechen. Trotzdem findet der Spanischunterricht vom ersten Tag an ausschließlich auf spanisch statt.

Ein weiterer Unterschied zu ihrer Heimat ist, dass in Nauen Laptops und Smartphones ganz selbstverständlich in den Unterricht mit einbezogen werden. Zumindest in den ersten Klassen sind Handys an ihrer Schule in Filadelfia tabu.

„Für mich ist es einfach spannend zu sehen, wie die Lehrer hier mit ihren Schülern umgehen, welche Methoden sie anwenden“, sagt Jody Doerksen. Der Austausch mit anderen ist um so wichtiger, wenn man in einem abgeschiedenen Teil der Welt mitten im Chaco (einer Dornbuschsavane) lebt.

Umgekehrt erweitert die Südamerikaner aber auch die Perspektive in Nauen. In fast jeder Klasse, in der sie hospitiert, erzählt sie kürzer oder länger, woher sie kommt und wie die Leute dort leben. Einen ausführlichen Vortrag über ihre Heimat hat sie an der Schule auch schon gehalten.

Das passt gut zum angestrebten internationalen Profil des da-Vinci-Campus. „Wir haben in den vergangenen Jahren einige Kontakte zu Schulen im Ausland aufgebaut“, sagt Simon Pearce, der sich auch erfolgreich um die Hospitanz von Jody Doerksen bemüht hatte. Im Juli waren 13 dänische Schüler für zwei Wochen in Nauen zu Gast, jetzt kommen 30 Schüler aus Frankreich, und 7 Schüler aus Nauen waren für drei Wochen an einer Schule im indischen Jodhpur.

Im vergangenen Jahr gab es bereits ein gemeinsames virtuelles Projekt zum Thema Nachhaltigkeit: Schüler aus Nauen, Jodhpur und von einer englischen Schule haben verglichen, wie stark sie durch ihr Konsumverhalten die Umwelt belasten. Das Projekt soll in diesem Jahr fortgeführt werden. Eine neue Kooperation wird es im kommenden Jahr zwischen Nauen und den Schulen in England und Frankreich geben: Zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren werden sich die Schüler mit Briefen beschäftigen, die französische, englische und deutsche Soldaten von der Front nach Hause geschickt haben.

Von Ralf Stork

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