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Havelland Neue Mitte und ein alter Markt
Lokales Havelland Neue Mitte und ein alter Markt
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02:15 02.01.2016
Kürbisse aller Art baut Christine Afdring aus Zachow in ihrem Garten an. Sie verkauft die Früchte dann an der Straße. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Ketzin/Havel

Nur knapp 14 Monate hat es seit dem Spatenstich gedauert, dann hatte das Havelstädtchen Ketzin ein neues Zentrum. Wo jahrelang die Ruinen des Spät’schen Gutshofes vor sich hin dümpelten, ließ Investorin und Eigentümerin Helga Breuninger mit viel Eigenkapital und einer geförderten Million Euro die neuen Mitte im Herzen Ketzins enstehen. Das Ensemble aus alten Rinderstall, dem ehemaligen Guts- und jetzigem Gästehaus mit elf Zimmern, sowie dem Bistro „Cantina“ lädt seit Anfang September zum Verweilen ein.

Gleich nebenan begann im Sommer die Ketziner Wohnungsgesellschaft (GWV) mit einem Großprojekt. An die Stelle des früheren Roten Schlosses tritt an der Feld/Ecke Rudolf-Breitscheid-Straße ein moderner Gebäudekomplex mit 20 Wohnungen. Im April sollen die ersten Mieter einziehen.

Wieder nur einen Steinwurf entfernt wollte ein Investor ein Demenzdorf bauen. Mehrere, teils kontroverse Diskussionen wurden dazu geführt. Mit dem Ergebnis, dass der Investor vor wenigen Tagen seinen Antrag zurückgezogen und sich von dem Vorhaben in Ketzin verabschiedet hat. Ein Nachfolger steht bereit, dessen Pläne für eine Wohnbebauung werden Anfang 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Wahrzeichen von Ketzin, die Getreidesilos des ehemaligen Kraftfuttermischwerkes, bleibt erhalten. Der Eigentümer des Areals allerdings hat in diesem Jahr gewechselt. Der weltweit agierende Konzern Baywa kaufte auch die Anteile der Bohnhorst Agrarhandel GmbH auf. Für die 18 Mitarbeiter soll sich nichts ändern, verspricht der neue Eigentümer. Die Lagerkapazitäten sollen sogar erhöht werden. „Ketzin wird eine wichtige Drehscheibe beim Umschlag von Getreide und Futtermittel bleiben“, so der zuständige Geschäftsführer Volker Schäfer.

Die rote I-Marke vom Deutschen Tourismusverband hat die Ketziner Touristinformation in der Rathausstraße erneut erhalten. Damit wird die gute Beratungsqualität in der Einrichtung gewürdigt. Überhaupt sind auch 2015 wieder mehr Tages- und Wassertouristen nach Ketzin gekommen. Von der Fähre und vom Stadtsteg, wo Wasserwanderer ihre Boote festmachen, wurden Rekordzahlen registriert.

Radtouristen und Fußgänger, die vom Wasserwanderrastplatz Paretz zum Schloss in den Parkring wollen, haben seit Ende Mai eine große Sorge weniger. Sie müssen nicht mehr auf der viel befahrenen Landestraße zwischen Paretz und Uetz unterwegs sein, sondern sie können einen Radweg neben der Straße benutzen. Das 600 Meter lange Stück zwischen der Paretzer Schleuse und dem Ortseingangsschild hat gut 200 000 Euro gekostet. 14 Jahre hat es von der Idee bis zur Realisierung gedauert.

Ob der Ketziner Marktplatz mal ein anderes Bild abgeben wird als derzeit, dass ist noch offen. Aber die Stadtverordneten gaben grünes Licht für eine entsprechende Planung. Erste Anstöße lieferte bereits Architekt Volker Donath. Aus seiner Sicht ist der Ketziner Markt „eine städtebauliche Brache“. Wohnbebauung, Geschäfte, eine gläserner, hallenartiger Gang, all das sei möglich, hieß es. Die Ketziner sollen ihre Ideen mit einbringen.

In Tremmen wird das Sozialgebäude am Sportplatz langsam komplett. Vorbei sind dann die Zeiten, in denen sich Gästemannschaften und Schiedsrichter in den alten und maroden Containern umziehen und duschen mussten. Spätestens zum neuen Jahr wird der Anbau an das bestehende Vereinsgebäude fertig sein. Dafür bekam der FSV 1950 Wachow/Tremmen einen Fördermittelbescheid über knapp 130 000 Euro vom Landkreis.

Von außen betrachtet war das 25. Ketziner Fischerfest ein Erfolg. Hochseilartisten schafften einen Weltrekord, tausende Besucher sahen sich den Fischzug und den Festumzug an. Die Fischerkönigin Sofie Reinschlüssel gab ihr bestes. Im Nachgang allerdings erlebte die Kommune ein Desaster. Sie musste Rechnungen begleichen, die der Veranstalter nicht bezahlt hatte. Jetzt geht dieser Streit wohl sogar vors Gericht. In der Konsequenz entschieden die Stadtverordneten Mitte Dezember, im nächsten Jahr kein Fischerfest zu machen. Ob das Havelfest des Seesportclubs Ketzin so aufgewertet werden kann, dass es ein kleines Fischerfest werden kann, wird sich zeigen.

Der größte Konflikt des Jahres brach im Mai aus, und noch ist kein Ende in Sicht. Es geht um Schiffbarkeit der Kanäle am Brückenkopf inklusive aller Seitenarme. Eine Bürgerinitiative gründete sich (300 Mitglieder), als die Stadt die ersten Verbotsschilder für Motorboote aufstellen ließ. Inzwischen ist die Angelegenheit bis zum Brandenburger Verkehrsministerium gedrungen. Derzeit erarbeitet die Stadtverwaltung ein Konzept, um wenigstens für etwa 80 Prozent der Anlieger die Nutzung der Motorboote auf den Kanälen möglich zu machen. Damit ist die Bürgerinitiative aber nicht zufrieden.

Von Jens Wegener

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