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Neue Sprenganlage für Soldaten

Klietz Neue Sprenganlage für Soldaten

Auf dem Truppenübungsplatz Klietz ist der Startschuss für eine der größten Investitionen der letzten Jahre gefallen. Bis zum Sommer 2019 wird für 3,4 Millionen Euro eine Breaching-Anlage errichtet. Dort werden Spezialkräfte trainieren, wie sie sich durch gezielte Sprengungen Zugang zu Gebäuden verschaffen können.

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Experten eines Kampfmittelräumdienstes untersuchen die Fläche, auf der die Anlage errichtet werden soll, auf Munitionsreste.

Quelle: Markus Kniebeler

Klietz/Grütz. Auf dem Truppenübungsplatz Klietz ist im Juni der Startschuss für eine der größten Investitionen der vergangenen Jahre gefallen. Bis zum Sommer 2019 wird in der Nähe des Sprengplatzes „Lauseberg“ bei Grütz eine so genannte Breaching-Anlage errichtet. 3,4 Millionen Euro werden investiert. An der Anlage, die erste ihrer Art in Deutschland, werden Spezialkräfte üben, wie sie sich durch gezielte Sprengungen Zugang zu Gebäuden verschaffen können.

Kern der Anlage wird ein massives, rund 200 Quadratmeter großes Gebäude aus Stahlbeton sein. Bei Türen, Fenstern und Decken handelt es sich um Fertigmodule. Die Soldaten, in der Regel wird es sich um Pioniere mit einer Sprengmeisterausbildung handeln, trainieren an der Breaching-Anlage, sich durch gezielten Sprengstoffeinsatz Zugang zu dem Gebäude zu verschaffen. „Es geht nicht darum, das ganze Objekt in die Luft zu jagen“, sagt Oberleutnant Patrick Becker, der in Klietz für die Pressearbeit zuständig ist. Ziel sei es vielmehr, die Sprengstoffmenge so zu dosieren, dass das jeweilige Fenster oder die jeweilige Tür wegfliegt, das Innere des Gebäudes aber keinen Schaden nimmt.

Dass solche Einsätze geübt werden müssen, steht außer Frage. In Konflikten geht es immer häufiger darum, Menschen zu befreien, die gegen ihren Willen festgehalten werden – von Terroristen, Fanatikern, feindlichen Militärkräften. Eine möglichst effektive Vorgehensweise ist in solchen Fällen unerlässlich. Und dazu gehört das gezielte Aufsprengen von Gebäuden. In Klietz kann das ab 2019 unter realistischen Bedingungen geübt werden.

Natürlich haben die Soldaten diese Vorgehensweise auch ohne eine solche Anlage trainiert. Doch bislang mussten sie sich mit Attrappen begnügen. „Dann wurde irgendwo ins Gelände eine Tür mit Rahmen gestellt, den Rest mussten sich die Soldaten dazudenken“, sagt Becker. Bei der neuen Anlage könne dagegen nicht nur das Aufsprengen trainiert werden, sondern auch die Folgeschritte. Das Stürmen des Gebäudes etwa, das gegenseitige Sichern und schließlich die Befreiung von Festgehaltenen. „Wir können Szenarien nachstellen, die sehr nah an der Wirklichkeit sind“, sagt Major Dirk Hoffmann, Platzkommandant des Truppenübungsplatzes.

Ein weiterer Vorteil der Anlage sei, dass die weggesprengten Module schnell wieder ersetzt werden können, sodass keine großen Pausen im Übungsbetrieb entstehen, erklärt der Presseoffizier. Zur Anlage gehört deshalb auch eine Lagerfläche mit Halle, in der Ersatzteile und Werkzeug aufbewahrt werden. Drei feste Mitarbeiter werden für einen reibungslosen Betrieb sorgen und die durch Sprengung beschädigten Teile zeitnah reparieren oder ersetzen. Zur Anlage gehört außerdem ein Beobachtungsbunker, von dem die Sprengaktionen sicher verfolgt werden können, und ein Aufenthaltsgebäude für die Soldaten.

Der erste Spatenstich für das Bauvorhaben ist bereits im Juni erfolgt. Bis zur Errichtung der eigentlichen Gebäude wird es aber noch eine Weile dauern. Zuerst muss das Areal auf Kampfmittel untersucht werden. Mitarbeiter einer Spezialfirma scannen das Gelände seit Wochen Quadratmeter für Quadratmeter mit einem Metalldetektor ab. Außerdem sind Versorgungsleitungen zu den Gebäuden zu verlegen. Auch diese Vorarbeiten laufen schon. Und schließlich hat der Naturschutz bei dem Projekt ein Wort mitzureden. Weil die Zauneidechse, eine geschützte Art, auf dem Gelände heimisch ist, läuft derzeit eine große Umsiedelungsaktion. Ein Biologe sammelt die Tiere ein und bringt sie auf eine eigens hergerichtete Fläche mit Stein- und Gehölzhaufen, die in einigen hundert Meter Entfernung bereits angelegt wurde.

Dirk Hoffmann freut sich, dass sich die Bundeswehr bei der Standortsuche für Klietz entschieden hat. „Die Anlage erhöht die Vielfalt unseres Platzes und macht ihn für die übende Truppe noch attraktiver“, sagt er. Weil es sich um die einzige Anlage dieser Art in Deutschland handele, seien Buchungen aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus dem Ausland zu erwarten.

Anrainer des Platzes, die Lärmbelästigungen befürchten, können übrigens beruhigt werden. „Die Sprengstoffmengen, die zum Einsatz kommen, sind relativ gering“, sagt der Platzkommandant. Deshalb würden die Bewohner von Grütz so gut wie nichts mitbekommen, wenn dort trainiert werde.

Ein Übungsplatz, zwei Bundesländer

Der Truppenübungsplatz Klietz liegt zwischen Rathenow und Stendal und ist rund 9000 Hektar groß. Zwei Drittel des Platzes befinden sich im Land Sachsen-Anhalt, ein Drittel in Brandenburg.

Die Breaching-Anlage wird auf Brandenburger Boden errichtet. Grütz und Göttlin sind die nächsten Anrainergemeinden.

Auf Schießbahnen kann Schießen in allen Gefechtsarten geübt werden. Auch Panzerbesatzungen trainieren auf den Anlagen.

Die beiden Flüsse Elbe und Havel tangieren das Übungsgelände. Das ermöglicht es den Soldaten, den „Gewässerübergang mit Pionierunterstützung im Gefecht“ zu trainieren.

Das Gelände war zwischen 1934 und 1945 eine Produktionsstätte für Sprengstoff. 1956 kam der Truppenübungsplatz zur NVA.

Im Jahr 1990 übernahm die Bundeswehr den Standort.

Von Markus Kniebeler

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