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Neuer Eigentümer packt an

Retzows Herrenhaus soll endlich saniert werden Neuer Eigentümer packt an

Nach mehreren Anläufen hat sich für das marode Retzower Herrenhaus jetzt ein neuer Eigentümer gefunden, der das Gebäude mitten im Ort tatsächlich sanieren will. Seit mehr als 20 Jahren steht es leer, ist ein echter Schandfleck. Bis 1992 war das Haus als Schule genutzt worden.

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Der neue Eigentümer Georg Linkert (l.) im Gespräch mit Retzows Bürgermeister Heinrich Stumpp.

Quelle: Andreas Kaatz

Retzow. Die Hoffnung stirbt zuletzt: Das Retzower Herrenhaus hat nach mehr als 20 Jahren Leerstand endlich einen neuen Eigentümer, der auch gewillt ist, das Gebäude mitten im Ort zu sanieren. Somit könnte der Schandfleck in absehbarer Zeit verschwinden. „Vor einem halben Jahr wurde ich darauf aufmerksam, dass das Haus zum Verkauf steht“, sagt Georg Linkert, der nun als Erstes den dichten Wildwuchs rund um das ehemalige Gutshaus beseitigt hat.

Der 56-Jährige suchte speziell nach einem Herrenhaus und surfte dazu im Internet. Schließlich wurde der selbstständige Elektroinstallateur fündig und nahm am Besichtigungstermin teil. Dabei ließ er sich auch nicht durch den teilweise maroden Zustand im Gebäude abschrecken. Denn eindringendes Wasser hat vielerorts seine Spuren hinterlassen, auch an den Zwischendecken.

„Ich möchte wieder etwas Altes aufbauen. Natürlich ist da auch ein bisschen Euphorie dabei“, meint Linkert, der sich als Gründerzeit-Fan bezeichnet. Darüber hinaus würde sich das Herrenhaus auch gut eignen, um seine Sammlung Weimar-Porzellan auszustellen.

Für die Gemeinde Retzow ist es der dritte Versuch, das Haus einer sinnvollen Nutzung zuzuführen und damit die Dorfmitte aufzuwerten. Bis 1992 diente es als Schule. Dann war die Gemeinde froh, 1998 für das 2268 Quadratmeter große Areal einen Käufer gefunden zu haben. Eine Eigentümergemeinschaft wollte dort ein Weiterbildungszentrum etablieren. Doch daraus wurde nichts, das Gebäude verfiel weiter. Neue Hoffnung keimte auf, als sich beim zweiten Versteigerungstermin 2009 ein Käufer gefunden hat. Doch wiederum tat sich nichts.

Die neue Entwicklung freut jedenfalls auch den stellvertretenden Bürgermeister Achim Dobrenz: „Wir sind froh und glücklich darüber.“ Dobrenz kennt das Gebäude noch, als er dort selbst bis 1982 zur Schule gegangen war. Oben befanden sich die Verwaltungsräume, manches kommt ihm noch sehr vertraut vor. „Ich sehe immer noch den Direktor hinter seinem großen Schreibtisch sitzen“, sagt er. Zudem hat er im Keller auch noch die Essensausgabe aus früheren Zeiten vor Augen, weiß noch, wie er selber dort anstand. Viele Veränderungen zu damals gibt es nicht. Die Betonfliesen etwa sind immer noch vorhanden.

Bis Georg Linkerts Porzellansammlung einen würdigen Platz findet, wird es aber noch eine Weile dauern. Denn zum Zeitplan kann der Eigentümer nicht viel sagen: „Ich will mich da nicht unter Druck setzen. Aber ich habe durchaus die Vorstellung, in diesem Jahr Dach und Fassade zu machen.“ Jetzt will er sich um Fördermittel bemühen.

Selbst wohnen möchte Linkert dort künftig nicht. Er stellt sich vor, dass im Erdgeschoss auf einer Seite eine gastronomische Einrichtung einzieht, auf der anderen ein Tante Emma-Laden. „Man muss sehen, wie es sich entwickelt. Ich habe auch ein offenes Ohr für Kunst, Kultur und Jugendarbeit.“ Die Substanz und die Räume sollen so erhalten bleiben wie sie sind, meint der Handwerker, der bei der Sanierung auch seine Kontakte zu Architekten und Handwerkern anderer Gewerke nutzen will. Im Obergeschoss plant er Fremdenzimmer einzurichten. Das fände Achim Dobrenz auch wegen der Nähe zum Havelland-Radweg gut: „Ferienwohnungen gibt es nicht in Retzow.“

Einer, der sich intensiv dafür eingesetzt hat, dass das Herrenhaus in neue Hände kommt, ist Bürgermeister Heinrich Stumpp. Die Zeiten der Euphorie sind bei ihm aber vorbei, „dazu wurde ich zuletzt zu viel enttäuscht. Aber ich bin guter Dinge, dass daraus etwas wird.“

Von Andreas Kaatz

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