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Havelland „Neues Leben“ – einst die größte Kita der Stadt
Lokales Havelland „Neues Leben“ – einst die größte Kita der Stadt
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02:15 08.07.2017
Eine Szene aus dem Leben der Premnitzer „Kinderstadt Neues Leben“ aus dem Jahr 1954. Quelle: Walter Gabriel
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Premnitz

In die frühere Premnitzer Kindereinrichtung „Kinderstadt Neues Leben“ an der Friedrich-Engels-Straße, die zuletzt jahrelang leer gestanden hat, zieht jetzt wieder neues Leben ein. Die Diakonie Havelland hat in den vergangenen Monaten das Gebäude sanieren und modernisieren lassen, um dort verschiedene Dienstleister aus der Gesundheitsbranche aufzunehmen. Viel Aufmerksamkeit aus der Bevölkerung wurde dem Vorhaben zuteil, als die Diakonie Ende Juni zu einem Fest auf dem Gelände mit Führungen durch das Gebäude einlud. Anfang Juli nehmen dort eine chirurgische Praxis, ein Allgemeinmediziner, eine Apotheke, ein Psychotherapeut und eine Fußpflege die Arbeit auf.

Wie die MAZ vom ehrenamtlichen Premnitzer Stadtchronisten Jürgen Mai erfuhr, war die 1953 eröffnete „Kinderstadt Neues Leben“ einst die größte Kindereinrichtung der Stadt mit fast 220 Kindern. Träger war das Chemiefaserwerk. Es gab dort eine Säuglingskrippe mit 57 Plätzen, eine Krabbelstube für 56 Kinder im Alter von einem bis drei Jahren und einen Kindergarten bis sechs Jahre mit 106 Plätzen. Es gab dort außerdem noch eine Kinderkrankenstation. Bekannt war die Einrichtung auch als „Wochenheim“. Kinder von Schichtarbeitern waren dort bei bestimmten Schichten Tag und Nacht untergebracht.

Ein Foto kurz nach der Eröffnung 1953. Quelle: Photografie Gnuschke

Die Kinderstadt befand sich damals zwischen den Werktoren 1 und 2 und wurde in drei Bauabschnitten errichtet. 1950/1951 entstand die Säuglingskrippe, eingeschossig gebaut. Nach einem Brand vor wenigen Jahren ist dieses Gebäude abgerissen worden. In zwei weiteren Bauabschnitten wurde dann von 1951 bis 1953 das große zweigeschossige Gebäude errichtet. Der rechte Trakt davon mit Balkon und zwei Fischplastiken als Wasserspeier mit Becken.

Wie Jürgen Mai vor wenigen Tagen beim Fest auf dem Gelände von Dieter Anger aus Werder/Havel erfahren hat, ist der gesamte Bau seinerzeit ein Lehrlingsobjekt gewesen. Zuständig war das Lehrkombinat aus Brandenburg/Havel, das zur Bau-Union Brandenburg gehörte.

Die Diakonie Havelland ließ das Gebäude umfassend sanieren und modernisieren. Quelle: Bernd Geske

Besonders markant für das Gebäude ist die Fassade zur Straße. Sie besteht aus lederfarbenen Klinkern, hergestellt in Großräschen, die mit dazu passend gefärbtem Mörtel verfugt worden sind. Bei der Sanierung des Gebäudes hatte die Diakonie Wert darauf gelegt, dass diese Fassade erhalten bleibt. Deshalb ist in dem Bereich die Wärmedämmung innen im Gebäude angebracht worden. Mit Fassaden dieser Art sind in den fünfziger und sechziger Jahren noch weitere Gebäude auf dem Werksgelände errichtet worden. Mit Ausnahme des ehemaligen Zentrallabors steht aber davon heute keines mehr.

Wie Dieter Anger berichtete, hat er als Lehrling seinerzeit den gesamten braunen Fugenmörtel für seine Lehrlingsbrigade angerührt. Die Fugen im Klinkermauerwerk seien nach dem Mauern mit einer Fugenkelle zunächst ausgekratzt worden. Verfugt wurde erst zum Schluss, nachdem die ganze Fassade fertig war. Nach fast 65 Jahren habe er sich gefreut, die Fassade wieder in einem so guten Zustand zu sehen.

„Kinderstadt Neues Leben“

Die „Kinderstadt Neues Leben“ war mit fast 220 Plätzen in drei verschiedenen Betreuungsbereichen einst die größte Kindereinrichtung der Stadt.

Die Säuglingskrippe hatte 57 Plätze.

Die Krabbelstube hatte 56 Plätze für Kinder von einem bis drei Jahren.

Der größte Teilbereich war der Kindergarten, vier bis sechs Jahre, mit 106 Plätzen.

Eine Kinderkrankenstation hatte die Einrichtung ebenfalls.

Ein „Wochenheim“ war sie auch. Kinder von Schichtarbeitern waren teils Tag und Nacht dort.

Ab September 1998 war die Kita geschlossen.

Die linke Seite des Gebäudes wird nun bereits wieder genutzt. Anfang September soll auch die rechte Seite eingeweiht werden. Dort zieht die Diakonie Havelland ein mit ihrer Sozialstation, Tagespflege und Begegnungsstätte.

Von Bernd Geske

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