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Havelland Neues Leben für Bambi und Adebar
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11:10 28.07.2016
Ulrike Kegel präpariert seit 25 Jahren vor allem Wildtiere. Quelle: Laura Sander
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Falkensee

Hirschgeweih, Waschbärenfell und Co. als Dekoration fürs eigene Zuhause sind Geschmacksache, galten lange Zeit sogar als altbacken. Seit einigen Jahren feiern Tierpräparate zumindest in der Kunst und Modeszene ein Comeback. Komplett aus der Mode war das tierische Dekor jedoch nie, weiß Ulrike Kegel aus Falkensee. Die Tierpräparatorin konserviert seit mittlerweile 25 Jahren Wild- und Haustiere für die Ewigkeit und kennt den Geschmack ihrer Kunden, zu denen vor allem Jäger, Forstämter, Waldschulen, Museen, aber eben auch Privatpersonen zählen.

Dem Toten wieder Leben einhauchen

„Es gibt viele Menschen, die an den heimischen Wildtierarten interessiert sind. Die meisten haben natürlich eine Verbindung zum Jagen, einige hängen sich ganze Fellpaletten als Deko in ihr Wohnzimmer, weil sie es einfach schön finden“, so Ulrike Kegel, die schon in frühster Kindheit ihre Zeit am liebsten im Naturkundemuseum verbrachte. „War das Wetter gut, bin ich in den Wald gegangen und habe Käfer und Blindschleichen aufgespürt“, lacht die 55-Jährige. Nach ihrem Schulabschluss studierte Kegel Meeresbiologie, entdeckte bereits im zweiten Semester ihre Leidenschaft für Präparationstechniken. „Ich habe dem Uni-Präparator ständig auf die Finger geschaut und zum Leidwesen meiner Mitbewohnerinnen auf unserem gemeinsamen Balkon geübt“, erinnert sich Kegel. „Früher wurde viel Schindluder getrieben und die Tiere extra getötet, um sie als Trophäe auszustellen. Heute präpariere ich meist Tiere, die eines natürlichen Todes oder durch einen Unfall gestorben sind.“ Verwerten statt verwerfen ist das Motto der Falkenseerin. „Dem Toten wieder Leben einzuhauchen und die Tiere nicht einfach liegen zu lassen, ist der Reiz an meiner Arbeit. Ich verwerte alles, auch alte Mäntel, die nicht mehr getragen werden.“

Neuer Glanz

Einem kleinen Rehkitz, das tragisch während der Heuernte umgekommen ist, einem überfahrenen Storch, einem Waschbären, der an Altersschwäche verstorben ist, und vielen weiteren Tieren verlieh Kegel so bereits ein zweites Leben.

Selbst den verstaubtesten Präparaten verhilft Kegel zu neuem Glanz. „In den vergangenen zehn Jahren habe ich beispielsweise viele Tiere aus dem Falkenseer Museum restauriert. Teilweise sind die alten Präparate jedoch nicht mehr zu gebrauchen, vor allem, wenn sie von Parasiten befallen sind – dann gehören sie in die Mülltonne“, so die 55-Jährige, die alle Arbeiten – vom Ausnehmen bis hin zum Konservieren – in ihrer Falkenseer Werkstatt vornimmt.

Tierpräparation – was ist erlaubt?

Zum Schutz seltener Tierarten hat der Gesetzgeber strenge Vorschriften erlassen. Tote Tiere sollen in der Natur verbleiben, um Aasfressern als Nahrungsgrundlage zu dienen. Der Einsatz von Tierpräparaten zu Ausstellungszwecken ist grundsätzlich nur Forschungs-und Lehreinrichtungen in Absprache mit den Artenschutzbehörden vorbehalten.

Nach den Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes ist es zulässig, tot aufgefundene Tiere einer besonders geschützten Art, wie zum Beispiel ein Eichhörnchen, der Natur zu entnehmen und deren Präparation in Auftrag zu geben, jedoch muss die Verwendung zwingend einem Forschungs- oder Lehrzweck dienen. Die Verwendung des Präparates für Dekozwecke ist unzulässig.

Es ist außerdem erlaubt, tot aufgefundene Tiere einer streng geschützten Art, zum Beispiel einen Eisvogel, der Natur zu entnehmen und präparieren zu lassen, jedoch hat der Finder vor der Auftragsvergabe eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen. Zählt das vom Aussterben bedrohte Exemplar zusätzlich zum Wild im Sinne des Jagdrechts, wie beispielsweise ein Mäusebussard, steht das Recht auf Aneignung zunächst nur dem Revierinhaber zu.

Die Entnahme von verendeten Tieren, die zum Wild zählen, aus der Natur ist grundsätzlich verboten.

Haustiere

Neben Arbeiten an heimischen Vogelarten, Wild und Ausnahmetieren, wie einem Ceylon-Affen aus einem Privatzoo, kommen auch immer wieder trauernde Haustierbesitzer auf die Falkenseerin zu. „Es kommt nicht allzu häufig vor, doch einige Hunde- oder Katzenbesitzer wollen ihre Tiere nicht ganz verlieren. Diese Aufträge sind für mich am schwierigsten“, sagt Kegel, die am liebsten nachts arbeitet. Zum einen hätten die Besitzer eine genaue Vorstellung, wie ihr Tier aussehen soll, zum anderen waren die Tiere oftmals schon längere Zeit krank oder einfach altersschwach. „Das ist wirklich knifflig, denn das Fell hat meist stark gelitten, von den Gerüchen ganz zu schweigen.“ Daran ihre eigenen Haustiere zu präparieren, hat die 55-Jährge aber nie gedacht. „Ich hatte mal einen Dackel. Der ist da, wo er hingehört, nämlich unter der Erde.“

Von Laura Sander

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