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Havelland Neues Leben für die Breite Dunau
Lokales Havelland Neues Leben für die Breite Dunau
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02:15 03.08.2015
Projektleiter Rocco Buchta an der Havel bei Kuhlhausen. Hier wurde eine Uferverwallung weggenommen. Quelle: M. Kniebeler
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Kuhlhausen

Die „Breite Dunau“ wird nicht vielen Menschen ein Begriff sein. Zu versteckt liegt der Altarm der Havel, der seinen Namen übrigens von Menschen erhalten hat, die vor Jahrhunderten von der Donau ins Havelland übersiedelten. Für Rocco Buchta, Leiter des Nabu-Projektes Untere Havelniederung, ist die Breite Dunau, die mit ihren Nebenarmen die Niederungen östlich des Dorfes Kuhlhausen.durchströmt, von großer Bedeutung. Denn es handelt sich bei dem von der Breiten Dunau durchströmten, rund 430 Hektar großen Areal um eine der ersten Flächen, an denen Renaturierungspläne in die Tat umgesetzt werden.

Die Arbeiten im Maßnahmekomplex 4, so heißt die Niederung bei den Renaturierungsexperten des Nabu, begannen im vergangenen Jahr mit dem Anlegen eines Auenwaldes. Auf 2,6 Hektar wurden 11000 Weiden gepflanzt, die als neuer Lebensraum die ökologische Vielfalt vergrößern sollen. (MAZ berichtete) Diesem Ziel dienen auch die Arbeiten, die derzeit bei Kuhlhausen im Gange sind. An sieben Stellen werden Uferverwallungen abgetragen. „Dadurch wird eine durchgängige Verbindung zwischen dem Fluss und den dahinter liegenden Auen geschaffen“, erklärt Buchta. Bei Hochwasser ströme das Wasser künftig ungehindert durch die Niederungen und sorge in den kleinen Wasserläufen, den so genannten Flutrinnen, und der Breiten Dunau selbst für mehr Bewegung.

Wichtig ist nach Auskunft Buchtas der Abbau der Uferwälle aber vor allem für den Abfluss des Wassers aus den Auen. Bislang war es so, dass bei Hochwasser die Havel über die verwallten Ufer trat und sich in die Niederung ergoss. Beim Sinken des Pegels indes stellten die Uferwälle für das zurückströmende Wasser eine unüberwindbare Barriere dar. Die Folge: Auf den Wiesen, vor allem in den Senken, bildeten sich mangels Bewegung und Sauerstoffversorgung faulende Tümpel. Weder Fische noch Pflanzen fühlen sich in dieser sauren Umgebung wohl.

Die Durchlässigkeit der Breiten Dunau und ihrer Nebenarm soll erhöht werden. Quelle: M. Kniebeler

„Durch den Rückbau der Verwallungen erhöhen wir die ökologische Durchlässigkeit des Naturraums“, erläutert Buchta. Der bessere Durchfluss erhöhe den Sauerstoffgehalt der Gewässer. Das komme natürlich den Fischen zugute, aber auch Insekten und Pflanzen profitierten. So hätten künftig neben Seggen und Binsen, den typischen Sauergräsern, auch Süßgräser wieder ein Überlebenschance. Für Landwirte steige damit die Futterqualität in den zu bewirtschaftenden Niederungen. Außerdem führe der bessere Abfluss des Wassers zurück in die Havel dazu, dass die Flächen schneller trocknen und besser befahren werden können.

Bis zum Ende des Jahres sollen die Verwallungen abgetragen und die Flutrinnen aktiviert sein. Was dann noch fehlt zur Vollendung der Renaturierung im Maßnahmekomplex 4 ist das Abtragen von Uferdeckwerken auf einer Länge von fast 1900 Metern. Damit wäre bei Kuhlhausen im Kleinen zu erkennen, was die Havelrenaturierung im Großen bewirken soll: Mehr Leben, mehr Vielfalt. Im kommenden Jahr sollen Uferbereiche bei Strodehne und Gülpe auf die gleiche Weise umgestaltet werden. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat die die Havelrenaturierung bei einem Besuch im vergangenen Jahr als ein Modellprojekt mit Vorbildcharakter für andere Flüsse bezeichnet. Sollte sie irgendwann noch einmal vorbeischauen, wird sie staunen, wie viel sich seitdem getan hat.

Die Renaturierung der Unteren Havel

Die Untere Havelniederung ist das größte zusammenhängende Feuchtgebiet im Binnenland des westlichen Mitteleuropa. Mit dem vom Bund sowie den Ländern Brandenburg und Sachsen-Anhalt geförderten Nabu-Projekt werden der Fluss und seine Auen in den kommenden Jahren auf einer Länge von 90 Kilometern renaturiert.

Das Projektgebiet umfasst die großen Schutzgebiete der Unteren Havelniederung zwischen Pritzerbe und der Havelmündung. Das sind insgesamt 18 700 Hektar. Das Kerngebiet in dem die Maßnahmen umgesetzt werden – hauptsächlich das Deichvorland – ist 8900 Hektar groß.

Für das Gesamtprojekt stehen rund 23 Millionen Euro zur Verfügung. 75 Prozent der Summe gibt das Bundesumweltministerium. Die Länder Brandenburg und Sachsen-Anhalt übernehmen 11 beziehungsweise 7 Prozent der Kosten. Träger des Projektes ist der Naturschutzbund (Nabu), der einen Eigenanteil von 7 Prozent einbringt.

Unter anderem sollen 15 Altarme wieder angeschlossen und Deckwerke auf einer Länge von 29 Kilometern entfernt werden. Flutrinnen werden wieder hergestellt, Verwallungen zurückgebaut und Auenwälder gepflanzt.

Von Markus Kniebeler

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