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Neues und Altes über Hildegard von Bingen

Rathenow Neues und Altes über Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen war eine Kirchenfrau, die unbeirrt ihren Weg ging. Das erfuhren die Besucher des Theaterstückes „Die schon wieder“, das jetzt im Kulturzentrum Rathenow gezeigt wurde. Dabei traten auch weniger bekannte Seiten von Hildegard zutage.

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Heike Feist und Michael Ihnow spielten in verschiedenen Rollen das Stück über Hildegard von Bingen.

Quelle: Uwe Hoffmann

Rathenow. Hildegard von Bingen lebte vor rund 850 Jahren. Sie war Benediktinernonne, Äbtissin ihres eigenen Klosters Rupertsberg, Universalgelehrte und wird als Heilige und Kirchenlehrerin in der katholischen Kirche verehrt. Aber auch in der evangelischen und anglikanischen Kirche wird an sie mit Gedenktagen erinnert.

Durch ihre Bücher über Naturheil- und Ernährungskunde ist Hildegard von Bingen über ihr kirchliches Wirken hinaus populär. Als eine der berühmtesten Frauen des Mittelalters ging Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) ihren eigenen Weg. Gegen jede Tradition und Konvention setzte sie sich selbstbewusst gegen ihre männlichen Vorgesetzten, vom Abt bis zum Bischof, durch und legte sich auch mit dem Erzbischof von Mainz an, der einer der mächtigsten Männer überhaupt war. Und ihr Erfolg gab ihr Recht. Zwischen 1147 und 1150 verließ sie das Kloster und gründete ihr eigenes Kloster Rupertsberg bei Bingen am Rhein. Als erste Nonne predigte sie öffentlich zum Volk.

In unterschiedlichen Rollen

In diesem Sinne stellten Heike Feist und Michael Ihnow am Sonntag im Blauen Saal des Kulturzentrums Rathenow das Leben von Hildegard von Bingen in dem Schauspiel „Die schon wieder!“ verschiedene Stationen des Lebens der selbstbewussten Frau in unterschiedlichen Rollen dar.

Szene aus der Vorführung

Szene aus der Vorführung.

Quelle: Uwe Hoffmann

Wenn nichts mehr geht

Das Leben der Hildegard von Bingen war voller Situationen, in denen nichts mehr ging und es am logischsten gewesen wäre, klein beizugeben. Doch ging es um ihre Selbstbestimmung, um Gerechtigkeit und Überwindung lebensfeindlicher Traditionen, war Hildegard von Bingen als Nonne, Äbtissin und Frau kompromisslos.

Fernab von Heilkräutern und Dinkelbrot standen diese Situationen im Mittelpunkt des Stückes. Intelligent und humorvoll brachten Heike Feist und Michael Ihnow die entscheidenden Lebensabschnitte der Hildegard von Bingen dem Publikum nahe. Immer wieder wurden die Zuschauer auch in das Stück einbezogen und auf die Bühne geholt. Ein unerwartetes Stück über eine Frau, die im Supermarkt als Brotmarke und Namensgeberin von Heiltees oder im Buchregal zugegen ist und über deren Leben und Wirken man so vieles zu wissen scheint. So gab es viel Applaus für Heike Feist und Michael Ihnow. „Seid barmherzig! Wendet Euch den Tugenden zu!“ Mit dieser Aufforderung endete das Stück. Mit dieser zeitlosen Aussage und dem selbstbestimmten Leben der Hildegard von Bingen hat das Stück auch über 800 Jahre nach ihrem Leben seine Bedeutung.

Schon das dritte Stück

Heike Feist und Michael Ihnow leben als freischaffende Schauspieler in Berlin. „Die schon wieder!“ ist das dritte Stück, dass Heike Feist auch geschrieben hat. „Ich wollte schon immer ein Stück über Hildegard von Bingen schreiben“, sagt die Autorin. „Die Arbeit daran begann schon 2015. Die Premiere war in diesem März in Berlin. Mit dem Stück sind noch 2018 in Städten wie Hamburg, Stuttgart und auch in Bingen unterwegs.“

Von Uwe Hoffmann

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