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Neun Wölfe auf Truppenübungsplatz gesichtet

Klietz (Havelland) Neun Wölfe auf Truppenübungsplatz gesichtet

Immer mehr Wölfe leben auf dem Truppenübungsplatz Klietz bei Rathenow (Havelland). Einen Nachweis gibt es derzeit über ein Rudel mit neun Tieren. Auf Fotos und in einem Video sind diese gut zu sehen. Die Anwesenheit eines zweiten Rudels wird vermutet. Die Wolfsbeauftragte für den Truppenübungsplatz geht davon aus, dass hier im Mai wieder Wölfe geboren werden.

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Vier Wölfe des neun Tiere umfassenden Rudels auf dem Truppenübungsplatz Klietz.
 

Quelle: Bundesforst

Klietz.  Birgit Büttner, Revierförsterin im Forstrevier Schollene, ist die Wolfsbeauftragte für den Bereich des Truppenübungsplatzes Klietz. Dort sollen mittlerweile viele Wölfe leben und einer von ihnen soll im Dezember dem Stadtteil Rathenow-West mehrfach Besuche abgestattet haben. Im MAZ-Gespräch berichtet Birgit Büttner darüber, wie es aktuell auf dem Übungsplatz aussieht.

Es heißt, dass es eine größere Zahl von Wölfen auf dem Truppenübungsplatz Klietz gibt. Können Sie das bestätigen?

Ja. Wir haben einen sicheren Nachweis über neun Wölfe. Das ist ein Familienverband, ein Rudel.

Können Sie sicher sein, dass es nicht noch mehr Wölfe gibt?

Wir wissen von der Möglichkeit, dass sich ein zweites Rudel auf dem Platz gebildet hat. Dafür haben wir aber noch keinen Nachweis und beobachten zielgerichtet.

Wann ist der erste Wolf auf dem Truppenübungsplatz nachgewiesen worden?

Das war 2011. Ein Wolf mit einem Sender kam hier durch und schwamm bei Sandau durch die Elbe.

Es werden aber schon länger Wölfe auf dem Platz vermutet...

Die Vermutung gibt es schon länger, weil es mehrfach Beobachtungen gab. Sicher ist, dass sich 2016 auf dem Übungsplatz zum ersten Mal ein Wolfspaar reproduziert hat. Es sind sieben Junge auf die Welt gekommen.

Das bedeutet doch, dass es 2017 auch wieder Junge geben kann?

Weil das entsprechende Paarungsverhalten zu beobachten war, gehen wir davon aus, dass es auch in diesem Jahr wieder Nachwuchs gibt.

Wann ist es so weit?

Im Mai. Es ist üblich, dass der jeweilige einjährige Monitoringzeitraum vom 1. Mai bis zum 30. April des Folgejahres dauert. Das neue Monitoringjahr beginnt gewissermaßen mit der Reproduktion.

Was gilt für Sie als Nachweis eines Wolfes?

Es gibt Sichtungen, Losung (Kot) wird gefunden. Der sicherste Nachweis sind Fotos. Die beste Quelle sind unsere sechs Fotofallen, die an wichtigen Punkten auf dem Platz aufgestellt sind. Diese Fotofallen reagieren auf Bewegung und auf den Aufnahmen sind regelmäßig Wölfe zu sehen.

Hat das Wolfsrudel einen festen Anlaufpunkt, ein „Zuhause“?

Nein, so ist es nicht. Nur in den ersten vier Wochen nach dem Wurf, wenn die Welpen noch blind sind, halten sie sich in einer Höhle auf.

Was ist die bevorzugte Nahrung Ihres Wolfsrudels?

Es findet auf dem Übungsplatz genug Wild. Zuerst haben die Wölfe die Mufflons gerissen, von denen wir hier über 100 Tiere hatten. Das Muffelwild ist bei uns jetzt nahezu ausgerottet. Durch sein Fluchtverhalten – es läuft nicht weit weg – macht es dem Wolf das Jagen besonders leicht. In der Häufigkeit folgen dann als Beute der Erfahrung nach Reh-, Rot- und Schwarzwild.

Im Dezember hat ein Wolf dem Stadtteil Rathenow-West mehrfach Besuche abgestattet. Viele Leute sagten, er soll vom Truppenübungsplatz gewesen sein. Haben Sie ihn erkannt?

Nein. Auf den vorliegenden Bildern habe ich so es so genau nicht erkennen können. Die Vermutung liegt aber nahe, dass es ein Wolf vom Übungsplatz war.

Warum?

Es kann sich um einen Welpen von Mai 2016 gehandelt haben. Die sind im Dezember schon so groß wie erwachsene Wölfe. Einige gehen früh auf Wanderschaft und zeigen sich häufig neugierig, weil sie jung sind.

Was will ein Wolf in Rathenow-West?

Er hat wahrscheinlich Futter gefunden. Das kann ein Apfel sein, eine Mülltonne oder ein Frühstücksbrot im Umfeld der Schule. Wölfe wittern so etwas und wenn sie es einfach bekommen können, verschmähen sie es nicht.

Sind in anderen Orten nahe am Platz auch schon Wölfe gesehen worden?

Es hat Beobachtungen gegeben in Neu-Schollene, Neu-Wartensleben, Schollene und Kamern, zum Teil auch innerorts.

Gab es da auch so eine Aufregung wie in Rathenow?

Nein. Es waren immer nur einzelne Beobachtungen.

Hat es in der Nähe des Übungsplatzes schon Wolfsrisse von Nutztieren gegeben?

Ja, es gibt in einigen Fällen den Verdacht. Aber dafür bin ich nicht zuständig. Das bearbeitet das Wolfskompetenzzentrum des Landes Sachsen-Anhalt in Iden.

Warum siedeln sich Wölfe bevorzugt auf Truppenübungsplätzen an?

Sie finden ein gutes Nahrungsangebot und sind relativ ungestört. Wölfe lernen schnell, was eine Gefahr für sie ist und was nicht.

Immer mehr Wölfe auf dem Übungsplatz. Mögen Sie diese hier neue Art oder nicht?

Es ist eine interessante neue Erfahrung. Als vor einigen Jahren eine Wolfsbeauftragte für den Truppenübungsplatz gesucht wurde, habe ich mich 2009 aus Interesse für die Schulungen gemeldet. Nun beobachte ich die Entwicklung ohne eine Bewertung, ob ich es gut finde oder nicht.

Wenn im Mai neue Wölfe geboren werden, wird es wieder ein paar mehr auf dem Übungsplatz geben. Wie viele passen dort schätzungsweise hin?

Das kann man so genau nicht sagen. Es ist anzunehmen, dass einige der Welpen vom Vorjahr, die jetzt noch zur Ernährung des neuen Nachwuchses mit beitragen, im Herbst und Winter abwandern. Es ist aber auch möglich, dass sich hier noch ein neues Rudel bildet. Mit seinen gut 9000 Hektar Fläche ist der Truppenübungsplatz groß genug.

Von Bernd Geske

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