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„Das Morgen gibt es für mich nicht mehr“

Nina Omilian ist nach schwerer Krankheit mit neuem Album zurück „Das Morgen gibt es für mich nicht mehr“

Mit starken Schmerzen im Rücken wurde die Sängerin Nina Omilian im November ins Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose, ein Gerinnsel in der Herzvene, nahm die 38-Jährige zunächst ohne großen Schock hin. Doch dass sie jetzt wieder auf diversen Konzerten und Veranstaltungen in der Region zu sehen ist, grenzt fast an ein Wunder.

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Quelle: C. Schmidt

Mützlitz. Die Sonne scheint, ein leichter Wind weht. Nina Omilian sitzt in Wohlfühlklamotten und mit großem Strohhut auf der großen Wiese des Anwesens, das sie und ihr Mann Michael seit vier Jahren ihr Zuhause nennen. Damals tauschte die Sängerin die großen Bühnen gegen den alten Vierseitenhof ein. Eine Entscheidung, die sie bis heute nicht bereut. Im Gegenteil, die letzten Monate haben ihr gezeigt, dass es der richtige Weg war.

Noch vor wenigen Monaten schaute sie auf kahle Krankenhauswände statt auf grüne Wiesen und kämpfte ums Überleben. Mit starken Schmerzen im Rücken wurde die Sängerin im November ins Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose, ein Gerinnsel in der Herzvene, nahm die 38-Jährige zunächst ohne großen Schock hin. Schlichtweg weil sie sich sicher war, dass ein Irrtum vorlag. Die klare Ansage der Ärzte: „Sie werden in nächster Zeit nirgendwo singen. Klären Sie Ihre Angelegenheiten und informieren sie Ihre Angehörigen“, ließ aber keinen Zweifel am Ernst der Lage übrig. Dennoch: Statt in Selbstmitleid zu versinken, durchströmte sie plötzlich eine Welle der Euphorie. „Wenn ich sterbe, müsst ihr nicht traurig sein. (...) Ich hatte ein tolles Leben“, erklärte sie ihrer Mutter mit gelassener Selbstverständlichkeit.

„Ich war wirklich gut drauf“, sagt Nina Omilian.

Sie war mit sich im Reinen. Heute sieht sie die Krankheit als einen weiteren „Kick in die richtige Richtung“ und als Bestätigung dafür, dass die Abkehr von der Glamourwelt und den Opernbühnen das einzig Richtige war. „Es gibt eben Fehler, die man machen muss“, sagt Nina Omilian. Damals habe sie sich darüber Gedanken gemacht, ob der Nagellack zur Farbe des Logos des Veranstalters passt. „Heute schaue ich höchstens kurz vor dem Auftritt auf meine Finger und kontrolliere ob die Nägel sauber sind“, beschreibt die zierliche Frau mit den raspelkurzen Haaren den Unterschied zwischen den Welten. Es sind jetzt Konzerte in Dorfkirchen und auf kleineren Bühnen, die ihren Terminkalender füllen. Nina Omilian ist näher an ihr Publikum herangerückt. Auch die Havelländer scheinen die Sängerin ins Herz geschlossen zu haben. „Ich wundere mich selbst, aber in Rathenow werde ich sogar nach Autogrammen gefragt.“

Ein Leben für die Musik

Nach dem Studium in Stuttgart, Salzburg und Düsseldorf wurde Nina Omilian schon vor dem Diplom als Solistin am Niedersächsischen Staatstheater in Oldenburg verpflichtet.
Seit 2004 ist sie freiberuflich tätig.
Sie sang europaweit Recitals mit namhaften Orchestern, u. a. in der Berliner Philharmonie mit den Berliner Symphonikern.
2008 gab sie ihr Debüt als Bühnenautorin mit dem Musiktheaterstück „Sein Bildnis wunderselig“.
Am 9. Oktober wird ihr neues Album „Pure“ mit einem Konzert im Imperial Club in Berlin gefeiert.
Am 30. Oktober steht Nina Omilian im Brandenburger Theater in ihrem eigenen Musiktheaterstück als Clara Schumann auf der Bühne.

Dass sie nun wieder auf diversen Konzerten und Veranstaltungen in der Region zu sehen ist, grenzt fast an ein Wunder. Denn auf die erste Diagnose folgten weitere Hiobsbotschaften der Ärzte. Zudem kam erschwerend hinzu, dass es weltweit keine Vergleichsfälle gibt und die Ärzte vor einem Rätsel standen. In der Medizinischen Hochschule in Hannover wagte ein befreundeter Arzt dann die entscheidende komplizierte und äußerst schmerzhafte Operation, die Nina Omilian letztendlich Lebensqualität zurückgaben.

Mittlerweile kann sie wieder lachen, ihre braunen Augen strahlen pure Lebensfreude aus.

Also alles wieder gut? So einfach ist es leider nicht. „Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie nie wieder ohne Schmerzen leben werden und immer starke Medikamente nehmen müssen“, diese erste Aussage der Ärzte hat sich in ihren Kopf gegraben. Ein Grund zur Aufgabe ist das aber nicht. „Nina hat einen unheimlichen Kämpferwillen“, erklärt Michael Omilian, ihr früherer Ehemann, der auch ihr Manager ist. Er bewundert Nina, ihren wachen Geist und ihre Liebe zur Musik. „Sie kam aus dem Krankenhaus und sagte: Ich will auf die Bühne“, erzählt Michael Omilian und sie unterstreicht noch einmal ihr Statement: „Meine Lebensessenz ist eben das Singen.“ Großen Anteil an ihrer Genesung hat sicher auch Gitarrist Ian Melrose. Mit ihm hat sie ihr Album „Pure“ aufgenommen. So oft es geht steht der renommierte Musiker mit ihr auf der Bühne und er gibt ihr Selbstvertrauen. Enormen Auftrieb gab ihr im Januar zudem die ersehnte Nachricht, dass ein Plattenlabel ihr Album veröffentlichen wird. „Ich lag angeschlossen an diesen Geräten und dachte, wenn nur das Eine passiert, dann wird alles gut. Ich wollte ein Feedback vom Markt, dass unser Produkt seine Berechtigung hat.“ Und dann war da noch Martin Keune, Autor der Semliner Hefte und Inhaber der Werbeagentur Zitrusblau, der sich bereit erklärte die Gestaltung des Covers zu übernehmen. Sehr private Aufnahmen verarbeitete er neben den Liedtexten in dem Booklet zur CD.

Nina Omilian kann es gar nicht abwarten wieder loszulegen: „Das Morgen gibt es für mich nicht mehr. Ich muss meine Lieder jetzt singen.“ Das tut sie auch. Die Rathenower Musiknacht, die Ribbecker Sommernacht und das Dorffest in Semlin hat sie in den letzten Wochen bereichert. Am Samstag steht sie auf der Bühne des Optikparks. Dankbar ist sie für das Verständnis, dass ihr die Havelländer entgegenbringen. „Viele sind auf mich zugekommen. Sie fragten nicht: Wann kannst du singen? Sondern, wie geht es Dir?“ Ein tolles Gefühl.

Von Christin Schmidt

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