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Nitzahn feiert 1025. Geburtstag

Dorfjubiläum Nitzahn feiert 1025. Geburtstag

Am 30. September feiert das 270-Seelen-Dorf Nitzahn im Havelland zum ersten Mal ein Dorfjubiläum. Zu verdanken ist das Hermann Jäger. Der Premnitzer Hobbyhistoriker deckte 2014 auf, dass der Ort bereits 992 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Für das Jubiläum hat sich Ortsvorsteher Frank Tschöpe etwas Besonderes einfallen lassen.

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Am 28. September 992 wurde Nitzahn zum ersten Mal als Nezuini erwähnt. Am 30. September 2017 feiert das Dorf seinen 1025. Geburtstag.

Quelle: Dirk Fröhlich

Nitzahn. Nitzahn ist ein hübsches, eher unscheinbares Dorf, mitten im Milower Land an der Landesstraße 96 zwischen Jerchel und Knoblauch und weiten Wiesen gelegen. Rund 270 Menschen sind hier zu Hause. Sie alle sind eingeladen am 30. September mit zahlreichen Gästen das Erntefest und den 1025. Geburtstag ihres Heimatdorfes zu feiern. Ortsvorsteher Frank Tschöpe und seine Helfer haben derzeit alle Hände voll zu tun, das große Ereignis vorzubereiten.

Um 13 Uhr beginnt das Fest mit einem Gottesdienst. Anschließend sind alle Besucher eingeladen, sich die Ausstellung in der Alten Schule, dem früheren Haus des Lehnschulzen, anzusehen. Hier sollen Bilder, alte Karten und Dokumente einen spannenden Einblick in die Geschichte des Ortes gewähren.

Vor dem Haus wird Ortsvorsteher Frank Tschöpe dann um 14 Uhr den alten Mühlstein der früheren Bockwindmühle als Gedenkstein feierlich einweihen. Über Jahrzehnte lag der Stein auf dem Mühlenberg. Nun wurde er geputzt, mit einer Plakette versehen und soll künftig daran erinnern, dass Nitzahn am 28. September 992 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Damit dürfte es das älteste Dorf im Havelland sein.

Ein Tauschgeschäft belegt, dass Nitzahn mehr als 1000 Jahre alt ist

Das Jubiläumsfest ist umso bedeutender, wenn man bedenkt, dass die Nitzahner den 1000. Geburtstag ihres Dorfes gar nicht feiern konnten. Damals wussten sie nämlich noch nicht, dass sie auf so historischem Boden leben. Einem Zufall und dem Engagement des gebürtigen Nitzahners Hermann Jäger ist es zu verdanken, dass nun seit drei Jahren das wahre Alter der Ortschaft bekannt ist.

Bereits 2012 stieß Hobbyhistoriker Hermann Jäger, der in Premnitz lebt, bei der Lektüre eines Buch aus dem Jahr 1930, das der seinerzeit renommierte Professor Gustav Reischel über Orte in den damaligen Landkreisen Jerichow I und II geschrieben hatte, auf eine Tauschurkunde in lateinischer Sprache. Daraus geht hervor, dass König Otto III. dem Abt Reginold von Memleben zwei Orte im Tausch gegen 21 Ortschaften in den Burgwarden Biederitz und Möckern überließ – darunter der Ort Neziuni, den Reischel mit Nitzahn übersetzte.

Hermann Jäger (l) und Ortsvorsteher Frank Tschöpe mit einer kürzlich gefundenen Fahne des „Gesangsvereins zu Nitzahn“ aus dem Jahr 1875

Hermann Jäger (l.) und Ortsvorsteher Frank Tschöpe mit einer kürzlich gefundenen Fahne des „Gesangsvereins zu Nitzahn“ aus dem Jahr 1875.

Quelle: Christin Schmidt

Hermann Jäger machte sich auf die Suche nach der Originalurkunde und wurde im Staatsarchiv von Marburg fündig. Schon damals ahnte er, dieser Fund „könnte ein riesen Ding werden“.

Was er nicht wusste, es sollten zwei Jahre vergehen bis er jemanden fand, der bereit war, das historischen Schriftstück zu übersetzen. Schließlich konnte Hermann Jäger den Wissenschaftler Uwe Czubatynski vom Domstiftsarchiv in Brandenburg/Havel überzeugen, die „Ottonische Urkunde” zu übersetzen. Im Herbst 2014 verbreitete sich dann die Nachricht, dass Nitzahn im Milower Land wahrscheinlich das älteste urkundlich erwähnte Dorf im Havelland ist. Wirklich beweisen, lässt sich das heute nicht mehr. Aber es gibt einige Tatsachen, die dafür sprechen, so Jäger.

Zum Beispiel geht aus einem Lehnsbuch aus dem Jahr 1375 hervor, dass Nitzahn kirchliches Eigentum war. Was dafür spricht, das Nitzahn vom Tauschgeschäft zwischen König Otto III. und dem Kloster betroffen war. Auch das Gräberfeld, das am Nordrand von Nitzahn entdeckt wurde und Funde offenbarte, die bis in die Bronzezeit zurückreichen, ist ein Indiz.

Wer mehr über die Geschichte Nitzahns erfahren möchte, sollte am 30. September dabei sein. Dann wird Hermann Jäger sein umfangreiches Wissen gern mit interessierten Gästen teilen.

Mehr als 1000 Jahre Dorfgeschichte

992 ging Nitzahn in einem Tauschgeschäft von Otto III. an den Abt Reginold von Memleben.

Weil das Kloster Memleben an Bedeutung verlor und Ottos

Nachfolger Heinrich II. Magdeburg bevorzugte, übernahm um 1020 der Bischoff von Magdeburg Nitzahn.

1375 pachteten die Brüder Boldewahn die Wassermühle vom Bischoff.

Mit der Reformation folgte die Enteignung des Besitzes der katholischen Kirche und Nitzahn wurde unter drei Besitzern aufgeteilt: Amt Plaue, die Adligen von Hünicke und die Adligen von Rosenberg und Kützkow.

1608 wurde Nitzahn Eigentum von Joachim Friedrich II., Margraf von Brandenburg

Während des 30-jährigen Krieges ging Nitzahn an die von Görnes.

Mitte des 18. Jahrhunderts ging Nitzahn durch Erbteilung an die von Rochows in Reckahn.

Heute ist Nitzahn einer von zehn Ortsteilen der Gemeinde Milower Land.

Von Christin Schmidt

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