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Havelland Notfall im Krankenhaus
Lokales Havelland Notfall im Krankenhaus
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00:34 26.07.2015
Erstversorgung der Verletzten auf dem Behandlungsplatz vor dem Klinikgebäude. Quelle: Uwe Hoffmann
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Rathenow

Für Notfälle und Katastrophen gibt es minutiös erarbeitete Konzepte. Theorie und Praxis sind aber zweierlei. „In diesem Jahr haben wir schon mehrere Notfallübungen mit dynamischer Patientensimulation theoretisch durchgeführt“, sagt Carsten Herrmann vom Rettungsdienst der Havelland Kliniken. Jetzt gehe es darum, die Theorie in die Praxis umzusetzen. So geschah es am Mittwochabend. Auf dem Gelände der Havelland-Kliniken wurde die Zusammenarbeit von Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr Rathenow, des Arbeiter Samariter Bundes und des Brand- und Katastrophenschutzes des Landkreises trainiert. Genau ging es darum, auf einen so genannten ‚Massenanfall von Verletzten und Erkrankten’ (MANV) die richtige Reaktion zu finden.

193 Rettungskräfte aus dem gesamten Havelland alarmiert

Der Rettungsdienst der Havelland Kliniken verfügt über neun im Landkreis verteilte Rettungswachen. An der Übung beteiligt waren Rettungskräfte aus Rathenow, Nauen, Brieselang, Etzin und Falkensee. Bei der höchsten der drei Alarmierungsstufen des MANV-Konzeptes werden per SMS insgesamt 193 Rettungsdienstkräfte im Landkreis alarmiert. „Unsere letzte große Übung haben wir 2014 gemeinsam mit der Bundespolizei durchgeführt“, erzählt Thomas Rosenberg vom Rettungsdienst aus Oberhavel, mit dem der Rettungsdienst im Havelland seit einigen Jahren kooperiert.

Massenanfall von Verletzten und Erkrankten

Der Massenanfall von Verletzten und Erkrankten (MANV) bezeichnet eine Situation, bei der eine große Zahl von Betroffenen versorgt werden muss, zum Beispiel bei Eisenbahnunglücken, Bombenattentaten, großflächigen ABC-Einsatzlagen, Seuchen oder Flugzeugabstürzen.

Dabei stößt der reguläre Rettungsdienst einer Region sehr schnell an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Typisch ist dabei die Überforderung der ersteintreffenden Rettungsmittel, die sich sowohl erheblichen medizinischen als auch organisatorischen Anforderungen gegenübersehen.

Je nach Ausmaß und Umfang des Massenanfalls variiert der Bedarf an Einsatzmitteln beträchtlich. Daher hat der Bund in Kooperation mit den Ländern vier Versorgungsstufen im Bevölkerungsschutz mit fixen Kriterien festgelegt, anhand derer eine derartige Großschadenslage analysiert und die folgerichtigen Entscheidungen getroffen werden können. (Quelle: Wikipedia)

Eine Explosion mit Folgebrand auf einer Station der Klinik Rathenow stellte das Szenario für diese Notfallübung dar. Genutzt wurde die Tagesklinik der geriatrischen Station, nachdem die Patienten nach Hause gegangen waren. 20 Mitglieder der Jugendfeuerwehr Rathenow stellten sich als „Opfer“ zur Verfügung.

Feuerwehrleute evakuierten die Verletzten. Quelle: Uwe Hoffmann

Jeder war über seine Verletzungen eingewiesen. Um 8.19 Uhr wurde die Übung gestartet. Die alarmierten Kräfte der Feuerwehr sondierten mit angelegter Atemschutzmaske die Lage auf der Station, evakuierten die Verletzten und brachten diese zum eingerichteten Behandlungsplatz auf dem Klinikgelände. Hier machten sich die Rettungskräfte ein Bild von der Schwere der Verletzungen. Entsprechend der Dringlichkeit wurde ihr Weitertransport in die Kliniken nach Brandenburg und Nauen simuliert.

Verbesserungsbedarf bei der Kommunikation

Zur Erstversorgung wurde ein sechs mal zehn Meter große Behandlungszelt aufgebaut. Weil das Zelt wie eine Hüpfburg aufgeblasen wird, ging der Aufbau kürzester Zeit vonstatten. In den zwei Zelten des Brand- und Katastrophenschutzes Havelland können im Notfall innerhalb von einer Stunde 25 Patienten erstbehandelt werden. „Ich war insgesamt mit dem Ablauf der Übung, der Sichtung, Behandlung und dem Abtransport zufrieden“, zog Notärztin Dana Remmler aus Nauen am Ende der Übung gegen 20.15 Uhr ihr Fazit. „Bei der Kommunikation gibt es noch Verbesserungsbedarf.“ Lob und Kritik wurden anschließend intern analysiert.

Student Christoph Hoepfner konzipierte die Übung und wird sie im Rahmen seiner Bachelorarbeit dokumentieren und auswerten. Quelle: Uwe Hoffmann

„Ich bin sehr überrascht mit welchem Einsatz und Engagement alle Kräfte vor Ort agiert haben“, sagte Christoph Hoepfner. Der Student für Rettungsingenieurwesen an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg begleitete diese Notfallübung im Rahmen seiner anstehenden Bachelorarbeit. Er erarbeitete die Grundkonzeption und das Notfallszenario. Mit zwei Kommilitonen beobachtete und dokumentierte er die Notfallübung. Als ehemaliges Mitglied des Rettungsdienstes und der Feuerwehr in Berlin suchte Hoepfner einen Praktikumsplatz bei Rettungsdiensten in Brandenburg. Die Havelland Kliniken ermöglichten ihm das Praktikum und die Durchführung seiner Bachelorarbeit, von dessen Ergebnissen auch der Rettungsdienst profitiert.

Von Uwe Hoffmann

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