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Havelland Wer hat eine Notunterkunft für Flüchtlinge?
Lokales Havelland Wer hat eine Notunterkunft für Flüchtlinge?
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15:29 27.08.2015
Zwei Jahre lang wird das Oberstufenzentrum in Nauen keine Sporthalle mehr haben.  Quelle: Julian Stähle
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Nauen

Nach dem Brandanschlag auf die Turnhalle des Nauener Oberstufenzentrums durchsuchten auch am Mittwoch Kriminaltechniker die Ruine nach Spuren. Derweil läuft die Suche nach einem Altarnativstandort für die geplante Notunterkunft für Flüchtlinge. Denn ab Mitte September sollten rund 100 Asylbewerber vorübergehend die Turnhalle beziehen, bis die Heime in Schönwalde und Dallgow-Döberitz fertiggestellt sind. Dazu fand kurzfristig eine Zusammenkunft von Vertretern der Stadt Nauen und des Landkreises statt.

Konkrete Ergebnisse gibt es dazu noch nicht. „Wir haben uns erst einmal ausgetauscht und besprochen, wie wir mit der Situation umgehen“, sagt Bürgermeister Detlef Fleischmann (SPD). Mittlerweile lägen schon von verschiedenen Seiten Angebote vor zu Standorten, an denen man die Flüchtlinge unterbringen könnte. Ob diese dafür tatsächlich geeignet sind, muss aber erst geprüft werden. Eines sei laut Fleischmann aber schon jetzt klar: „Wer glaubt, dass er einfach nur eine Turnhalle anstecken muss und dann kommen keine Flüchtlinge, der hat sich geirrt“, sagt er.

Die Kreisverwaltung im Havelland geht in der Not sogar einen ganz unkonventionellen Weg. „Wir haben in den regionalen Zeitungen Anzeigen geschaltet und bitten die Bürger, uns geeignete Grundstücke, Wohnungen oder Häuser anzubieten“, sagte Kreissprecher Oliver Kratzsch am Donnerstag.

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In der Nacht zu Dienstag, 25. August 2015, ist in Nauen (Havelland) ein Brandanschlag auf eine geplante Notunterkunft für Asylbewerber verübt worden. Die Turnhalle ist komplett niedergebrannt.

Der Landkreis hat sich mittlerweile auch schon an die Kommunen gewandt mit der Aufforderung, kurzfristig mögliche Alternativstandorte für Asylbewerberunterkünfte zu nennen. Denn Vize-Landrat Roger Lewandowski (CDU) sicherte schon am Dienstag zu, dass der Landkreis seinen Verpflichtungen zur Aufnahme von Flüchtlingen nachkommen werde. Er kündigte an, dass man bis Mitte September eine Lösung finden werde.

„Wir kommunen stehen zusammen“

 Bürgermeister Detlef Fleischmann zeigte sich dankbar von der Solidarität seiner Amtskollegen. An einer kurzfristig einberufenen Mahnwache am Dienstagabend am Waldemardamm – dem Standort des künftigen Asylbewerberheimes – nahmen viele Bürgermeister aus dem Havelland teil. Diese hatten kurz zuvor schon eine Erklärung unterzeichnet. Darin heißt es unter anderem wörtlich: „Mit Entsetzen haben wir Bürgermeister und Amtsdirektoren den gemeinen und hinterhältigen Brandanschlag auf die Notunterkunft für Asylbewerber und Flüchtlinge in Nauen registriert. Das Haus sollte Menschen eine Unterkunft bieten, die von Flucht und Vertreibung gezeichnet sind. Es ist eine selbstverständliche Pflicht, diesen Menschen eine menschenwürdige Unterkunft zu gewähren.“

Zudem sei es eine selbstverständliche Pflicht aller Demokraten zusammenzustehen und den geistigen Brandstiftern, die so einen Anschlag mit zu verantworten haben, die rote Karte zu zeigen. „Wir Kommunen des Havellandes stehen zusammen und lassen die Stadt Nauen mit unserem Kollegen Bürgermeister Fleischmann in dieser schweren Stunde nicht allein“, heißt es weiter. Die Bürgermeister riefen zudem zur Mahnwache auf, die mit einem Zug durch die Stadt endete.

Zuspruch per Mail an Nauens Bürgermeister

Bis Mittwoch erhielt der Bürgermeister auch sehr viele Mails, „die überwiegend positiv waren“. Selbst aus Bayern erreichte das Stadtoberhaupt eine Nachricht, in der den Nauenern viel Kraft wünscht wurde, um die Menschen, die Hilfe brauchen, zu unterstützen. Doch auch einzelne andere, nicht so erfreuliche Mails trafen bei der Stadt zum Thema ein, teilweise mit rassistischem Inhalt. Alles anonym.

Fleischmann hofft, dass der Brandanschlag einigen Nauenern die Augen geöffnet hat, die bei den Demonstrationen gegen das geplante Heim in Nauen mitgelaufen sind. Denn mittlerweile hat sich jetzt auch bestätigt, dass es sich bei dem Feuer um Brandstiftung gehandelt hat.

Solidarität der Nauener Schulen ist gefragt

Des Weiteren ist nun auch die Solidarität und Kooperation sämtlicher Nauener Schulen gefragt, um das Oberstufenzentrum zu unterstützen. Denn die 800 OSZ-Schüler werden voraussichtlich zwei Jahre lang auf ihrem Gelände keinen Sportunterricht machen können. So lange dauert es, bis eine neue Halle steht. Somit will die Stadtverwaltung demnächst die Vertreter aller Schulen an einen Tisch holen und die Kapazitäten in den Hallen für den Schul- und Vereinssport abgleichen.

Um 2.34 Uhr begann die Feuerwehr am Dienstag mit den Löscharbeiten. 61 Einsatzkräfte aus acht Einheiten der städtischen Wehr waren vor Ort, um die Flammen zu bekämpfen. Die Halle war jedoch nicht mehr zu retten, brannte kontrolliert ab. Selbst am Tage mussten immer noch Glutnester in der Zwischendecke abgelöscht werden.

Von Andreas Kaatz

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