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Notunterkunft am Hasenweg bleibt länger

Flüchtlinge in Rathenow Notunterkunft am Hasenweg bleibt länger

Der Betreibervertrag für die Notunterkunft am Hasenweg in Rathenow, deren Belegung erst im September begann, lief ursprünglich nur bis zum Jahresende. Doch weil die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge immer größer wird, hat der Kreistag Havelland am Montagabend den Vertrag für die Notunterkunft bis 31. Juli 2016 verlängert.

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Eher ruhig läuft das Leben in der Unterkunft am Hasenweg ab.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Man möchte es auf den ersten Blick gar nicht glauben, dass es so ruhig zugehen kann in einer Unterkunft, in der auf engstem Raum bis zu 100 Menschen leben. Auf dem einstigen Essilor-Gelände am Hasenweg von Rathenow war im September im Flachbau der ehemaligen Kantine die erste Notunterkunft für Flüchtlinge im ganzen Landkreis in Betrieb genommen worden. Ursprünglich sollte der Betreibervertrag mit der Johanniter-Unfall-Hilfe nur bis zum Jahresende laufen.

Doch weil das Land dem Kreis Havelland viel mehr Flüchtlinge zuweist, als das bei Eröffnung der Unterkunft absehbar war, wird diese auch weiterhin dringend gebraucht. Wie Landrat Burkhard Schröder sagt, müssen allein bis Jahresende noch 800 Asylbewerber aufgenommen werden. Auf einer Sondersitzung am Montagabend hat der Kreistag beschlossen, den Betreibervertrag für die Notunterkunft am Hasenweg bis Ende Juli 2016 zu verlängern.

Ein Schlafsaal ist für Familien, der andere für alleinreisende Männer

Das Leben dort spielt sich überwiegend in den zwei großen Schlafsälen ab, die mit Doppelstockbetten für 44 beziehungsweise 56 Personen und schmalen Blechschränken möbliert worden sind. Wie Bonny Oppermann, Pressesprecherin des Regionalverbandes Brandenburg-Nordwest der Johanniter-Unfall-Hilfe, sagt, ist der eine Schlafsaal für Familien vorgesehen und der andere für alleinreisende Männer. Die Flüchtlinge reinigen ihre Unterkünfte selbst. Selbst einfache Wege ihres normalen Tagesablaufs führen sie meist an die frische Luft, weil sowohl die Küchen- als auch die Sanitärcontainer separat neben dem Flachbau aufgestellt worden sind.

Am 10. September hatte das Belegen der Unterkunft begonnen. Das war der zweite Tag nach dem Informationsabend der Betreiber für die Anwohner. Im November war die Unterkunft dann das erste Mal mit 100 Personen voll belegt. Ende letzter Woche waren 83 Flüchtlinge, davon 13 Kinder, dort untergebracht. Sieben Menschen waren gerade ausgezogen. Es gibt in begrenztem Umfang einen ständigen Wechsel.

Asylbewerber ziehen aus, wenn sie eine Wohnung bekommen. Ansonsten führen sie die üblichen Gänge zum Einkaufen, zu Behörden und zum Arzt. An den verschiedensten Stellen hängen in der Unterkunft Zettel mit deutschen Begriffen: Nase, Auge, Mund. Apfel, Birne, Banane. Montag, Dienstag, Mittwoch. Die großen und kleinen Buchstaben des Alphabets. Deutschlernen ist allgegenwärtig. Derzeit laufen zwei Kurse.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe

Die Johanniter-Unfall-Hilfe betreibt gegenwärtig deutschlandweit 125 Einrichtungen für Flüchtlinge und betreut dort rund 50 000 Personen.

Der Regionalverband betreibt im Landkreis Havelland derzeit Notunterkünfte in Elstal, Falkensee, Schönwalde und die am Hasenweg in Rathenow.

Informationen gibt es im Internet unter www.johanniter.de/fluechtlinge

Infotelefon Flüchtlingshilfe: 030/ 22 32 01 00 (Montag bis Freitag 8 bis 20 Uhr).

„Wir merken es sehr deutlich“, erklärt Bonny Oppermann, „dass viele Leute, wenn sie hier eintreffen, erst einmal zur Ruhe kommen und zu sich selbst finden müssen.“ Die Zahl der Hilfsangebote sei enorm. Frauen aus der Umgebung stricken mit Flüchtlingsfrauen und basteln mit den Kindern. Zweimal die Woche können Männer zum Sport in die Jahngrundschule bzw. Havellandhalle gehen. Es gibt einen Gitarrenworkshop im Heim am Birkenweg. In der kirchlichen Begegnungsstätte „Oase“ findet alle zwei Wochen ein Spielabend statt. Ein Pate von der Agentur für bürgerschaftliches Engagement begleitet Flüchtlinge zum Arzt und zu Behörden.

Ein Rentner aus der Nähe lernt mit Frauen in der Unterkunft Deutsch, weil diese wegen ihrer kleinen Kinder nicht zum Sprachkurs können. Ein Arzt aus dem Brandenburger Stadtteil hält ehrenamtlich in der Unterkunft Sprechstunden ab. „Jeden Tag kommen neue Anfragen mit Hilfsangeboten“, berichtet Bonny Oppermann, „Kleidung und Spielzeug haben wir gegenwärtig genug.“ Weil in der Unterkunft selbst wenig Platz sei, könnten Spenden für Flüchtlinge aber in der DRK-Kleiderkammer in der Forststraße abgegeben werden.

Von Bernd Geske

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