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Nur noch Fahrradparcours und Rollertraining

Zur Situation der Verkehrswacht Havelland Nur noch Fahrradparcours und Rollertraining

Bis zu 3000 Schulkinder pro Jahr schult die Verkehrswacht Havelland im richtigen Verhalten als Radfahrer im Straßenverkehr. Viele andere Angebote mussten eingestellt werden, weil Geld und Leute fehlen.

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Vorsitzender der Verkehrswacht Havelland Dietmar Kratzsch.

Quelle: Jens Wegener

Havelland. Seit 2005 ruft der Deutsche Verkehrssicherheitsrat jährlich am dritten Samstag im Juni zum Tag der Verkehrssicherheit Organisationen, Institutionen, Städte und Gemeinden, Unternehmen, soziale Einrichtungen auf, Aktionen zum Thema Verkehrssicherheit zu präsentieren. Im Landkreis Havelland passiert dazu aber nichts. Weder die Polizei noch die Verkehrswacht Havelland haben Veranstaltungen geplant. Wir sprachen dazu mit dem Vorsitzenden der Verkehrswacht Havelland Dietmar Kratzsch.

Ist die Verkehrssicherheit im Landkreis Havelland auf einem solch hohen Niveau, dass man keine Aufklärung, keine Schulungen, keine Beratungen mehr braucht?

Dietmar Kratzsch: Schön wär’s. Nur weil es bei Unfällen mit Kindern in den Jahren 2014 und 2015 keine Toten gab, heißt das lange nicht, dass alle Verkehrsteilnehmer sich richtig verhalten. Und damit meine ich sowohl die Kinder, als auch deren Eltern und die Senioren.

Warum gibt es dann am heutigen Tag keine Aktion der Verkehrswacht?

Kratzsch: Die wenigen verbliebenen Mitarbeiter haben in den Schulen und Kitas im Landkreis so viel zu tun, dass sie an Wochenenden möglichst nicht eingesetzt werden sollen, weil sie dann an Werktagen frei hätten. Außerdem fehlt uns schlicht das Geld für Sonderaktionen. Die Zuschüsse werden immer geringer. Und von den Beiträgen unserer 25 Mitglieder können wir nicht leben.

Wie viele Mitarbeiter hat die Verkehrswacht?

Kratzsch: Derzeit gibt es noch sechs Kollegen, die bis auf den Geschäftsführer Peter Spors alle über geförderte Stellen finanziert werden. Drei dieser Stellen enden in wenigen Tagen am 30. Juni. Bis jetzt wissen wir nicht, ob der Landkreis uns diese Förderungen aus dem 100-Stellen-Pragramm verlängert. Jährlich erhält der Verein zwar projektbezogene Zuschüsse vom Landkreis, von einigen Kommunen und Ämtern sowie vom ADAC udn vom Land Brandenburg. Aber auch das wird immer weniger.

Obwohl das Wirken der Verkehrswacht überall anerkannt und geschätzt wird, sind die Angebote in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen. Busbegleiter gibt es nicht mehr, die Fahrradwerkstatt wurde aufgelöst, mobile Geschwindigkeitsmessungen können nicht mehr erfolgen, weil es nicht genug Leute gibt, die an den Geräten stehen können. Ist das für Sie nicht frustrierend?

Kratzsch: Es ist schade. Denn wir sehen ja bei den Verkehrsparcours in den Schulen und beim Rollertraining in den Kitas, was die Kinder nicht können, was sie lernen müssen. Wir sehen auch, dass Eltern sich um Schulwege ihrer Kinder und um die Verkehrstauglichkeit der Fahrräder wenig kümmern.

Vor 21 Jahren ist die Verkehrswacht Nauen und Rathenow zur Verkehrswacht Havelland zusammengewachsen. Zu Hoch-Zeiten 2010 hatte er Verein, der im Kleinbahnring in Nauen seinen Sitz hat, zwei hauptamtliche Mitarbeiter und 44 Leute über geförderte Stellen. Jetzt noch sieben Leute übrig. Was können die bewältigen?

Kratzsch: Wir konzentrieren uns hauptsächlich auf die Fahrradparcours in den dritten und vierten Klassen der Grundschulen im Havelland. Neben der Theorie, die mit Hilfe eines Arbeitsheftes erfolgt, schulen die Mitarbeiter die Kinder im Verhalten als Radfahrer im Straßenverkehr. Die Prüfung ist in der vierten Klasse. Ich denke, seit der Gründung der Verkehrswacht Nauen 1992 haben wir pro Jahr etwa 3000 Kinder im ganzen Landkreis betreut. In die Kitas zur Rollerausbildung der Vorschulkinder kommen wir nur nach Anmeldung, wobei wir längst nicht alle Kindereinrichtungen aufsuchen können. Trotzdem werden etwa 1500 Kinder jährlich von uns geschult.

Und Sie als ehrenamtlicher Vorsitzender kümmern sich um die Verkehrsteilnehmerschulungen für Senioren...

Kratzsch: Ja, ich habe die Berechtigung, diese Schulungen für jedermann abhalten zu dürfen. Insgesamt etwa viermal im Jahr geht es dabei um verschiedene Themen. Geschult wird zum Beispiel in Falkensee, Rathenow, Ketzin/Havel und Kleinwudicke. Ich freue mich, wenn ältere Leute sich trauen, wenn sie mitmachen, auch Fehler eingestehen und voneinander lernen. Allerdings wird es mindestens im ersten Halbjahr dieses Jahr aufgrund meiner gesundheitlichen Probleme keine Schulungen mehr geben.

Einmal im Jahr brachte sich die Verkehrswacht Havelland sich dadurch ins Gespräch, dass sie rote Basecaps an Abc-Schützen verteilt hat, um die Autofahrer zu erhöhter Aufmerksamkeit beim Schulanfang zu bewegen. Was ist daraus geworden?

Kratzsch: Das ist im Grunde eine gute Sache, mit dem Nachteil, dass viele Kinder in der Vergangenheit diese Caps auf dem Schulweg nicht aufgesetzt haben. Also haben die Sponsoren ihre Mittel gekürzt, die Zahl des Caps sank. Jetzt müssen die Schulen ihren Bedarf bei der Verkehrswacht anmelden, wir geben das der Dekra weiter. Für das kommende Schuljahr ist die Anmeldefrist aber schon vorbei.

Von Jens Wegener

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